Montag, 20. Oktober 2008

Zwei Frauen, der Rheinsteig...

... zwei Rucksäcke, ein Fleischkäse und ein Käse-Brötchen, Wasser und Apfelschorle, Dinkelkekse, 29km, 918 Höhenmeter. Braucht man mehr, um einen guten Tag zu haben? Nein!!!

Natürlich fängt der Tag mit Nebel an...

..der eine tolle Atmosphäre in den Wald zaubert...

... und irgendwann bahnt sich die Sonne den Weg so richtig durch den Nebel...

...und alles erstrahlt im schönsten Blau...

... und die Sicht ist weit...


... so dass man auf die Sachen, die offensichtlich sind, nicht mehr schaut...

...und fast zum Abschluss bekommt man dieses Geschenk!

Die Bildzusammenfassung:

Die schriftliche Zusammenfassung Teil 1 findet hier hier: Klick

Teil 2 soll ich nun schreiben....hmmm, wie nach solch poetischen Worten.

Ich sach mal so - erwähnenswert ist wohl der Part, als wir das tolle Rheinsteigschild sehen (s.o.), wohlgemerkt das größte und auffälligste auf der ganzen Etappe. Wir sehen es, bewundern es und latschen dran vorbei - 1km bis wir bemerken, dass weder so ein großes noch eines dieser kleinen blauen Schilder seit geraumer Zeit den Weg zierte. Ich meinte, eine Treppe gesehen zu haben, die in die unter uns liegende Schlucht führt und wir dackeln den Weg zurück. Es folgt keine Treppe (was mir arg zu denken gegeben hat) und als wir vor dem Rheinsteigschild stehen erschüttern uns heftigste Lachkrämpfe. Man muss schon arg blind, im Nebel gefangenen oder sonstwas sein, um dieses Schild und die folgende Reihe der blauen Schildchen nicht zu sehen.

So stürzen wir uns ab in die Klamm, ängstlich vor jeder Kurve, dass die Schlucht ihren Schlund öffnet und zwei plappernde Wanderinnen hinabstürzen lässt. Vor dem Sturz kommen aber die Gartenschläuche, die windige Waldarbeiter in die Wände geklopft haben und uns Halt bieten - es war nicht so spektakulär wie "man" vorher berichtet hatte aber schon steil und wiederum spektakulärer als es die Bilder hergeben.

Gekrönt wurde das Absteigen aus der Klamm von der Möglichkeit, unten an der Lahn angekommen, einen Kaffee im Schleusenhäuschen einzunehmen. So gekräftigt stürzen wir uns wieder mutig auf den nächten Berg und ich glaube, das ist der Moment, an dem ich merke, dass es wohl nicht nur ein schöner sondern auch ein anstrengender Tag wird. Die Sonne lacht vom Himmel und wir lachen mit.

Was noch lacht, ist das halb entblößte Hinterteil eines Waldarbeiters (oder privaten Waldbesitzers), der zusammen mit seinem (ich vermute mal) Vater versucht, riesige Holzstämme auf den Anhänger zu heben. Nein, das wollen wir jetzt nicht sehen - echt nicht. Er zeigt kein Erbarmen und beugt sich wieder über den Hänger just in dem Augenblick, als wir beide vorbei gehen. Immer wird dieses Bild des Bauarbeiter-Dekolletes wie ein mächtiger Dämon über dieser Wanderung liegen. Wer um Himmels Willen hat bei Hosenschnitten vorgesehen, dass DAS passieren kann. Ich verfluche meine guten Augen, weil ich offensichtlich noch mehr Details erkennen konnte, als datt blinde Daniela.

So geschockt stehen wir vor dem nächsten Anstieg, dem wieder ein Abstieg und wieder ein Anstieg folgt. Wir sind fasziniert, wie sich ständig die Landschaften verändern. Wandern wir jetzt noch fröhlich durch einen Teppich aus bunten Blättern, stehen wir gleich schon wieder auf einer Lichtung mit grünem Gras oder Streuobstwiesen. Dann lichtet sich auf einmal wieder das Panorama Richtung Rhein und gleich verschluckt einen schon wieder der Wald.

Es gäb mal wieder noch viel zu erzählen. Von einem verlaufenen Kätzchen, von steilen Felsen, von nicht zuzuordnenen Ruinen und so. Aber auf jeden Fall sind wir am Ende der Wanderung ganz schön kaputt und schleppen uns in Braubach nur noch gen Bahnhof. Das Glück ist uns hold, der Zug kommt wenige Minuten nach Erreichen des Bahnhofs. Allerdings ist uns das Glück nur noch so lange hold, bis wir merken, dass dieser Zug die Rheinseite wechselt und wir unverhofft auf dem Koblenzer Bahnhof anstatt in Ehrenbreitstein landen.

Was tun? Hektisch fummel ich auf dem Fahrkartenschalter rum, um rauszubekommen, wann der nächste Zug nach Ehrenbreitstein fährt - noch 45 Minuten, neee, das will ich nicht. Olafmylove hatte sich bereit erklärt, uns abzuholen - aber das wäre jetzt für die 3-4km bis zum Auto auch irgendwie doof. Wir schauen uns an, nicken uns zu und tun das, was richtige Wandermännerinnen tun müssen. Wir latschen quer durch Koblenz, über die Brücke und schleppen uns noch die letzten Kilometer bis zum Auto. Wir sind Heldinnen - aber sowas von!

Danke Frollein Holle, das war eine so geniale Wanderung. Scheiß die Wand an!

Kommentare:

  1. Toll!!!
    Die Fotos sind der Hit.

    mandy

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  2. Ich weiß ja, dass nachmachen nciht gilt, aber ich glaube, ich will zumindst mal den Weg von Lahnstein nach Ehrenbreitstein laufen oder andersrum zur Marksburg. Ist das möglich mit Baby auf dem Rücken? ich bin zum 1. Advent mal wieder da, vielleicht ist das Wetter ja so, dass ich das machen kann. Ach das wäre was.

    mandy

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  3. Das erste Foto ist genial.
    Genauso ist der Herbst.
    Wunderschön.
    Glückwunsch zu eurer tollen Wanderung.

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  4. @Mandy - nachmachen ist klasse. Allerdings würde ich die Klamm nicht mit einem Kind auf dem Rücken gehen. Eine Familie kam uns entgegen, die das machte (wobei das Kind nur lose auf dem Rücken war, nicht in einer Trage), ich hatte in dem Moment recht wenig Verständis dafür. Aber man kann die Klamm auch umwandern (hab ich gehört;-) Aber vielleicht bin ich auch zu fimschisch;-)

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  5. Aber echt!

    Ich glaub', für so einen Tag hätt' ich meinen solala-Marathon gestern lässig sausen lassen.

    Aber echt!

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  6. Aber echt!

    Ich glaub', für so einen Tag hätt' ich meinen solala-Marathon gestern lässig sausen lassen.

    Aber echt!

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  7. Jetzt fällt mir endlich das Gedicht ein, wonach ich angesichts der behaarten Bauarbeiter-Arschritze krampfhaft gesucht habe:

    "Schließe mir die Augen beide
    mit den lieben Händen zu!
    Geht doch alles, was ich leide,
    unter deiner Hand zur Ruh."

    Puh...da hätte ich doch lieber Gott oder Buddha getroffen ;)

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  8. Jetzt fällt mir endlich das Gedicht ein, wonach ich angesichts der behaarten Bauarbeiter-Arschritze krampfhaft gesucht habe:

    "Schließe mir die Augen beide
    mit den lieben Händen zu!
    Geht doch alles, was ich leide,
    unter deiner Hand zur Ruh."

    Puh...da hätte ich doch lieber Gott oder Buddha getroffen ;)

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  9. @Lizzy - aber echt, es war einer der besonderen Tage - einfach nur schön.

    @Frollein Holle - na, aber bitte nur für die 30 Sekunden, die wir brauchten, um den aus unserem Sichtfeld zu haben. Vielleicht war das ja die Begegnung mit Gott, wer weiß schon, wie der so aussieht. Wir sind halt blind, was das angeht.

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  10. Wow, muss das ein toller Tag gewesen sein. Und die Fotos, sagenhaft schön. Die Pilze und das Spinnennetz, na ja und die ersten beiden sowieso. Wie im Zauberwald.

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  11. Das erste Bild ist nur genial! Einfach zum Genießen.

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  12. Das Bild aus dem Wald (das mit dem Nebel) ist ja wohl der Oberoberoberhammer!!!
    Geile Sache!

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  13. Wow, was für eine Tour, was für eine Strecke was für tolle Fotos und was für ein Spaß! Besonders die ersten beiden Nebelwaldbilder faszinieren mich unheimlich - wie gespenstisch ihr zwei dort alleine *schauder* und das Spinnennetz ...

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  14. Ihr habt schon für den Jakobsweg geübt :-) Sehr schön!

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  15. Diese Nebelherbstbilder sind so schön, dass ich glatt heulen könnte ;-)

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  16. @Michi - ja, es war ein wirklich toller Tag, ich zehre immer noch davon. Im übrigen hätte ich nur die Hälfte der Bilder wenn Frau Polaris äh Holle nicht ständig gesagt hätte: Hier, davon musst Du unbedingt ein Foto machen und davon hier auch...

    @Black Sensei/Indy - und außer dem Rahmen ist das Foto unbearbeitet. Das war so - einfach so schön.

    @Pienznaeschen - genau, wir beide allein und dann kam die Motorsäge und dann die Axt und dann der Mann im Auto - uihhhh

    @Bonsai - zumindest haben wir versucht, was zu finden - Gott, die Klamm oder vielleicht ein verlorenes Wurstbrot;-)

    @Hase - neee, nicht heulen, dafür war es echt zu schön.

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  17. Zum Glück kam es dann doch ganz anders ;)
    *dasFernsehverfluch*

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  18. Herbstnebel ist einfach ein geniales Motiv. Aber so wie Du das eingefangen hast ist es noch eine Klasse für sich - echt toll. _nd um die Wanderung beneide ich Dich/Euch sowieso.

    Uli

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  19. Liebe Anja,

    haben mir diesen Platz für einen Kommentar ausgesucht! Das sind nämlich supertolle Bilder! Den Rheinsteig finde ich auch interessant. Es gibt so vieles, was ich gerne erwandern, erklettern und erkunden würde.
    Schön, auch Dich gefunden zu haben.

    LG Monika

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  20. Liebe Monika, da hast Du Dir den aktuell schönsten Platz ausgesucht, finde ich. Jetzt - schon über eine Woche nach der Tour finde ich es immer noch wunderschön. Und in dem Zusammenhang muss ich auch noch mal sagen, dass es nicht nur durch die Natur und alles so schön war sondern auch durch die Begleitung. Genau wie die 2 Tage auf der Radtour, als Frank mich begleitet hat, war es auch diesmal einfach nur stimmig.

    Hach... ich könnt ja schon wieder!

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