Samstag, 1. August 2009

~ Klara und ihr Pflaumenkuchen ~

Ich hatte das Glück, dass ich meine Großeltern sehr lange erleben durfte. Ich hab das zwar nicht voll ausgenutzt, trotzdem finde ich es rückblickend betrachtet schön.

Und es gibt eine Sache, die ich mit meiner Oma Klara (die andere hieß zwar auch Klara, aber ich meine jetzt DIE Klara;-) in Verbindung bringe. Pflaumenkuchen bzw. Prummetaat. In der Eifel aufgewachsen, kannten wir nur das Wort Prummetaat und es ist mir bis heute komisch, das Pflaumenkuchen zu nennen, weil es nicht dem Genuß entspricht, der mir in Erinnerung ist.

Meine Oma kannte keine Rezepte, bei ihr wurde alles "us de Lamäng" gemacht. Ein bißchen was hiervon, ein bißchen was davon und so entstanden jeden Samstag ganz viele Hefekuchen. Gedeckter Apfel (Appaltaat), Streuselkuchen mit Kirschen oder Gries, Riemchenapfel und wenn es denn im Sommer so weit war - Prummetaat. Auch sehr beliebt waren immer die Arschlöchelchen, so haben wir immer die Mini-Rollkuchen genannt. Wenn Oma fertig war, wurden die Böden Kuchen in der Verwandtschaft verteilt. Das war recht leicht, weil links die eine (meine Mutter) und rechts die andere Tochter wohnte und auch die meisten Enkelkinder im Dorf und damit omalichen Kuchenzugriff blieben. Ich kann mich erinnern, dass ich mit meinem Vater zusammen mal eine so ne ganze Prummetaat alleine gegessen hab - nach dem Mittagessen und man konnte mich damals nicht als wirklich großen Esser bezeichnen.

Noch nie in meinem Leben hab ich selbst eine Prummetaat gebacken und selten eine gegessen, die nur ansatzweise in Omas Nähe kam. Meine Freundin Bine ist schon ganz gut auf dem Weg.

Und dann entdecke ich ein Rezept, dass es mich versuchen lassen kann, weil es so anders ist und ich damit nicht vor mir selbst im Vergleich stehe. Das war auch gut so. Der Teig ist zu dick geraten. Aber es riecht und schmeckt trotzdem gut.

Zwetschgen im Cashew-Bett

Ergibt 1 Blech

Teig:

  • 500 g Dinkel, fein gemahlen
  • 1 TL Trockenhefe
  • evtl. 1 EL Rum
  • 1 Prise Salz
  • 4 EL Sesamöl
  • 11/2 EL Agavendicksaft
  • ca. 2 Tassen Sojadrink

Cashewcreme:

  • 200 g Cashewnussbruch
  • 3 EL Agavendicksaft
  • 1 Prise Salz
  • 2 Msp. Zimt
  • 5 Körner Kardamom, gemahlen

Belag:

  • 1 kg Zwetschgen

Aus Teigzutaten einen Hefeteig kneten und zugedeckt an einem warmen Ort ca. 3 Stunden gehen lassen, bis er sich deutlich vergrößert hat.

Cashewnüsse mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen und zugedeckt mindestens 2 Std. stehen lassen. Dann Nüsse, Einweichwasser und Agavendicksaft pürieren. Mit Rum (bei Bedarf), Salz, Zimt und gemahlenem Kardamom abschmecken. Zwetschgen vierteln und Kern entfernen.

Teig nochmals gut durchkneten und auf gefettetem und bemehltem Blech ausrollen. Im Backofen bei 60 Grad ca. 30 Min. gehen lassen und danach bei 150 Grad (Umluft) ca. 10 Min. vorbacken.

Blech aus dem Ofen nehmen, Cashewnüsse gleichmäßig auf Teig verteilen. Zwetschgen mit Schnittflächen nach oben dachziegelartig darauf schichten und leicht eindrücken. Kuchen bei 150 Grad noch ca. 20 Min. backen.

Zubereitungszeit: ca. 1 Stunde + 3,5 Stunden zum Gehenlassen

(aus Der Natur auf der Spur - Kochen und Backen auf rein pflanzlicher Basis von Wiltrud Stumpfe

Kommentare:

  1. Das verspricht wirklich Gutes! Wird bei Gelegenheit getestet.

    Und ich hatte sogar drei Omas, die alle genauso hießen - bei mir allerdings Theresia ;-)

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  2. Bei uns hieß der "Quetschekooche" - und bei mir heißt meine Mutter Theresia ;)
    Sieht superlecker aus, Dein Brummetaatdings!

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  3. Mensch heute Mittag habe ich meinen ersten pflaumenkuchen gebacken (Naja der Teig war gekauft :-) )aber das mit den Nüssen- das hätte mir noch gefehlt-schade drum. aber irgendwie habe ich 2kg Pflaumen, bzw. "Quetsche" wie sie bei uns heißen gebraucht. ist aber auch ein großes Blech geworden, äh es war ein großes Blech :-)

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  4. @Martin - siehste, ich hatte zu wenig Pflaumen. Im Rezept steht 1kg auf ein großes Blech. Ich hab für uns zwei ein halbes gemacht und auch nur 500g Pflaumen draufgepackt. War zu wenig. Beim nächsten Mal weiß ich Bescheid.

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  5. @Frollein, wenn Du auf den Link unter Prummetaat klickst, dann steht da auch Quetschekooche - hatte ich vorher noch nicht gehört. Was 100km so ausmachen können. Den Text dazu muss man mal laut vorlesen - ich habs gerade meinem Besten vorgetragen, der hat mich nur ungläubig angeschaut. Ich kanns aber noch, kaum zu glauben.

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  6. Mit Theresias und Klaras kann meine Familie nicht dienen, aber dafür sieht der Kuchen, auch wenn er mich gerade nicht reizt, lecker aus und hat bestimmt auch so geschmeckt.

    Ach ja, wenn ich das so lese, meine Oma hatte auch so einige Sachen drauf, zu der Zeit, als wir klein waren und sie noch viel gebacken und gekocht hat. Und wir saßen mit großen Augen in der Küche haben staunend zugeschaut und gewartet bis man probieren durfte oder durften mithelfen. Schöne Zeit war das.

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  7. 3 Omas, weil die Mutter meines Vaters kurz nach der Geburt ihrer zweiten Zwillinge - was Kinder Nr. 7 und 8 waren - gestorben ist und mein dann also verwitweter Opa nochmal heiratete, wieder eine Theresia. Die ich dann natürlich als meine - ganz und gar liebe, herzliche und rührende - Oma kennenlernte (anfangs natürlich absolut nichtwissend, dass es nicht "die leibliche" ist - aber offen gesagt: dieser ganze Quark mit den "Blutsbanden" geht mir eh sonstwo vorbei - was zählt, sind geistige, seelische, persönliche, zeitliche ... Bande. Aber das is mal wieder'n anderes Thema ;-)

    Klara heißt eine Tante von mir. Sie ist eine (die überlebende) Hälfte des ersten gemischtgeschlechtlichen Zwillingspärchens der früh verstorbenen Oma und inzwischen irgendwas um die 80.

    Clara war auch der favorisierte Name bei mir, falls mein Sohn eine Tochter geworden wäre.

    Jaja, Namen und Kwetschenkuchen - die geben schon was her an Nostalgie ....

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  8. @Michi - ich würde die Uhr allerdings nicht zurückdrehen wollen.

    @Lizzy, jetzt weiß ich Bescheid;-) Klara bzw. Clara finde ich auch einen wirklich hübschen Namen. Ich war auch immer ganz neidisch, weil meine Schwester als Patenkind der Oma diesen Zweitnamen hatte, ich allerdings muss mit Adelheid leben, das ist echt nicht lustig;-) Wobei es keine bessere Patentante auf dieser Welt gibt als die Adele.

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  9. Ich kenn das Problem bei vielen Dingen. Meine Oma hat immer den besten "Hefezopf" gebacken, das vermisse ich seit über 20 Jahren, obwohl der meiner Mutter nah dran ist, sie hiess nicht Klara *g* sondern Lina.

    Der Pflaumenkuchen hiess bei uns immer Zwetschgedatschi, komischer Name, fällt mir aber erst jetzt auf

    alut

    Christian

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  10. Der Text ist ja super, ich hab' den gerade lachend laut vorgelesen...wobei ich mit der "Sahn" am Ende irgendwie nicht einverstanden bin, bei uns hieß das anders...ich komme nur grad nicht drauf, muss mal meinen Papa fragen ;)

    Quark hieß bei uns übrigens "Klatschkäs'", das fand ich immer lustig (auch wenn's hier nix zur Sache tut)

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  11. @Frollein - Sahn kommt mir auch komisch vor. Das war sicherlich ein ganz anderes Wort, was mit Sahne nichts zu tun hat. Hmmmm

    @Doc - anderer Name wahrscheinlich gleicher Geschmack und die Omas wussten halt noch, wie man nen richtigen Hefeteig macht. Ich bin wie oft enttäuscht, wenn ich einen Hefekuchen in der Bäckerei gekauft hab. Meistens schmeckt es einfach nur industriell und die Hefezöpfe etc. sind immer viel zu trocken. Also einfach selbst ran.

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  12. Boah, wie lecker, ich will auch, heute noch!!

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  13. Dann will ich auch meine Oma-Namen beitragen: Rosa und Charlotte :o)

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  14. @Julia - Tankstelle? Vielleicht haben die Blätterteig.

    @Hase - meine Güte, hatten die alle schöne Namen, oder?

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  15. So, ich hab' vorsichtshalber mal meine Eltern angerufen - einhellige Meinung "Sahn gibbet nitt!"...man sagt tatsächlich selbst bei uns "Quetschekooche met Sahne", das ist wohl eines der wenigen Worte die nicht verkauderwelscht werden.

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  16. Ja, Anja, ich finde die beiden Namen mittlerweile auch wieder total schön. Hätte ich Zwillingsmädchen, würde ich sie Charlotte und Rosa nennen, wär das nicht nett?

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  17. Übrigens muss ich immer schmunzeln wenn ich das Bild von Klara sehe...deswegen hier:

    http://imagecache.allposters.com/images/pic/HAD/7233~I-Want-You-for-the-U-S-Army-Recruitment-Poster.jpg

    (Da das mit dem Link garantiert wieder nicht funktioniert..ähm..ja...drücke ich jetzt trotzdem mal auf SENDEN)

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  18. Ha, ich schmeiß mich weg. Ich finde, Klara schaut aber deutlich freundlicher. Und sie hat höchstens mal Helfer zum Pflaumen pflücken rekrutiert. Die konnte sie - wie eben viele der Generation - nicht hängen und unverarbeitet lassen.

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  19. Ich hatte auch eine Oma, die Klara hieß. Bei ihr bin ich die ersten 3 Jahre aufgewachsen. Als sie starb, hat mein Opa, dieses Mal eine Helene, noch mal geheiratet. Dadurch habe ich auch 3 Omas gehabt. D.h., Helene lebt noch und auch wenn sie nicht meine leibliche Oma ist und ich sie mittlerweile sehr selten sehe, habe ich eine unglaublich innige Bindung zu ihr.
    Pflaumenkuchen ist mein Lieblingskuchen, aber ganz klassisch mit Hefeteig und Streuseln. Dann wird er noch lauwarm mit Schlagsahne gegessen. Diese Sünde muss einfach sein und nur bei Pflaumenkuchen gibt es bei uns Schlagsahne. Jetzt müssen nur noch die Plaumen reif werden...

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  20. Wow, das sieht ja super aus. Den Kuchen muss ich wirklich probieren, besonders mit dem köstlichen Cashew-Bett...

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