Sonntag, 6. Januar 2013

~ Es gibt es, das (keine Soja-)Milchhäuschen ~

Es waren einmal 2 treue Wandergesellinnen, die sich vorgenommen hatten, den Rheinsteig auf Schusters Rappen zu "erlegen". Über Jahre wanderten sie tapfer Stück für Stück des Weges, ewig auf der Suche nach einem unwirklichem Gebäude mit dem Namen Milchhäuschen. In der niedergeschriebenen Wanderempfehlung war es eindeutig vorhanden, auf dem Weg tauchte es aber nie auf.

Da die beiden Wandermädchen wissen, dass sie nie behaupten können, den Rheinsteig komplett erwandert zu haben, wenn sie das Milchhäuschen nicht gesehen haben, stellten sie sich für den gestrigen Tag die Aufgabe, unter dem Aufgebot aller Kräfte, dieses Milchhäuschen zu finden oder für immer von der Erde verschluckt zu werden.

In Rhöndorf am Rhein wurde gestartet und wie unwirklich die Lebensbedingungen in diesem kleinen Örtchen sind, kann man an diesem Bild erkennen. Doch wir mussten nicht zum Notzeitbrot greifen, hatten wir uns doch ausreichend wandertaugliche Verpflegung in Form von (challengetauglichem*) Früchte- und Worschtbrot eingepackt.

Nach der schnellen ersten Erkenntnis, doch am falschen Ort gestartet zu sein und angesichts dessen, dass das Leben vorbei sein wird, wenn das Milchhäusen nicht gefunden wurde, stapften die beiden Wandersmädchen mutig und unverdrossen in die falsche Richtung, nicht rheinaufwärts, wie es sonst immer der Fall ist, sondern dem Rhein Richtung Mündung folgend.

Die Wolken drückten sich vom Himmel hernieder, die Wege drohten die wohlbeschuhten Füße gänzlich zu verschlingen und nie mehr frei zu lassen. Sie kämpften sich trotzdem weiter und ließen sich auch nicht von "veränderter Wegesführung", wie sie auf Schildern angeschlagen war, von der rechten Fährte abbringen. Der Drachenfels wurde links liegen gelassen. Soll der Drachen doch ohne sie auskommen und seine Kämpfe alleine durchringen.

Wie aus dem Nichts erschien auf einmal ein Stein am Wegesrand, auf den (nach Höhe gemessen) ein verbündeter Zwerg den Wandermädchen Zeichen geschrieben hatte. Dort stand in nicht mehr ganz leserlichen Buchstaben das Wort "Milchhäuschen".

Sollte der Teufel ihnen hier eine Falle stellen wollen oder es der Wirklichkeit entsprechen?

Sie stiegen zur Höhe auf und sahen... NICHTS. Die Täler voller Nebel, der Rhein als waberndes, breites Gewässer und die umgebenden Berge waren nur zu erahnen aber nicht zu ersehen. Eine gar angsterfüllende Stimmung machte sich breit.

Und auf einmal, wie aus dem Nichts, stand es dort - die Elfen hatten schmucke davor Zeltstädte errichtet - es war Licht im Gemäuer zu sehen und wundergleich stand weiß auf schwarzem Untergrund das zauberhafte Wort "geöffnet" zu lesen.

Die beiden Wandermädchen tanzten und sprangen und stürmten das Milchhäuschen, das zwar mit Grünem Tee aber nicht mit Sojamilch aufwarten konnte.

Kurz gewärmt in Leib und vor allen Dingen Seele, konnten sich die Gesellinnen auf ihren schweren Schuhen und mit ihren vom Kampf gezeichneten schmutzigen Beinkleidern auf den Weg zurück zur Dampflokomotive machen, um so endlich den fehlenden Bereich des Rheinsteigpfades abchließen zu können.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

* Der musste sein! :-)

PS: Es waren "nur" 10.11 km aber mit immerhin 730 Höhenmetern... jetzt kann es deutlich weiter Rhein aufwärts wieder weitergehen. Das Milchhäuschen ist endlich Geschichte.

Kommentare:

  1. und kein Foto vom "Milchhäuschen" ;( püh ... wie auch immer das aussehen mag. Gibt's wahrscheinlich in Wirklichkeit gar nicht ...

    Leben die Wandersmädchen eigentlich noch? Und eigenltich müssten sie - wenn ja - vorher geheiratet haben, wenn ich mich recht erinnere ...

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  2. In der Tat ein Fauxpas - wir haben es erst Meilen hinter dem Milchhäuschen gemerkt, dass wir das vergessen haben. Siehste mal, wie aufgeregt wir waren.

    Da das Frollein am nächsten Tag Traillaufen und ich Radfahren wollte, haben wir uns gegen Heirat und gegens Sterben entschieden.

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