Samstag, 14. Juni 2014

~ Doppelte Rheinkreuzung ~

Wenn man in ein bestimmten Alter kommt, wiederholt man sich. Also muss ich mir keine Sorgen machen, wenn ich die Geschichte wiederholt erzähle, obwohl ich sie im Blog nachschlagen könnte.

Es kam der Tag, als wir uns eine neue Heimat suchten - nicht wirklich weit von der alten weg aber unbekannt. Der Läufer an sich zieht ja nicht einfach nur in ein neues Heim um sondern in ein neues Laufgebiet und so wird die Umgebung ganz gescannt als man das ansonsten tun würde.

Mal wieder einer Laufpause fröhnend sah ich damals die Brücke und die Fähre und wünschte mir, diese Strecke mal laufend bewältigen zu können. Hin über die Brücke und zurück mit der Fähre.

Mittlerweile bin ich die Strecke ein paar mal gelaufen aber bei jedem Neustart ist sie mein erklärtes Ziel.

Tricky ist, dass man die Fährzeiten richtig abpasst. Zweimal musste ich schon einen Endspurt hinlegen, um die Fähre zu erwischen, weil ich nicht warten wollte.

Heute war ich etwas zu pessimistisch, was meine Zeit angeht, die ich brauchen würde.

So lief ich los und traf am Rhein erstmal auf eine Gruppe von Menschen. Man muss mir verzeihen, wenn ich jetzt in einen Lästermodus verfalle. Ich bin durchaus Meditationen und Yoga zugetan. Nun weiß ich aber, dass an einem Haus am Rhein eine - na sagen wir mal - Glaubensgemeinschaft wohnt. Böse Zungen behaupten, es sei eine Sekte. Ich selbst weiß es gar nicht aber esoterisch gehts da auf jeden Fall zu. Die schienen irgend etwas zu suchen (also nicht auf dem Boden sondern in sich oder dem Universium). Alle gingen in der gleichen Haltung - vor allen Dingen Arme und Hände - unter den großen Pappeln durch. Irgendwie kam ich mir laufend und Musik hörend sehr störend vor. Gegrüßt hab ich sie vorsichtshalber nicht, wer weiß, welches Mantra ich zertrümmert hätte. Wahrscheinlich hab ich das schon getan, indem ich schlecht drüber gedacht habe.


Beim Weg zur Wupper merkte ich schon, dass ich deutlich schneller unterwegs war als eigentlich gewollt. 7:00/7:30er Pace strebte ich an - mit 6:30 war ich unterwegs, also langsamer machen und erstmal über die Wupper gehen.. haha... auch ne üble Wiederholung.


Blömcher am Straßenrand, immer gerne genommen.


Sehr mutig fand ich mich, dass ich wohl unter Deutschlands marodester Autobahnbrücke hergelaufen bin. Hierzu ein paar Worte: Köln wird von einem Autobahnring umschlossen. Der A1 und der A3. Auf der A1 muss man über den Rhein - hier bebilderte Brücke. Lange war die Brücke generell für LKW gesperrt und es herrscht ein Tempolimit. Kein Mensch hielt sich dran. Mittlerweile ist sie für LKW wieder frei gegeben aber für den Schwerverkehr gesperrt. Hält sich auch kein Mensch dran. Der Umweg über die A3 ist zu weit. Durch die Stadt geht es nicht. Unter der Brücke sind permanent Schweißer unterwegs und flicken, was immer wieder kaputt geht und kämpfen doch gegen Windmühlen. Eine neue Brücke ist schon in Planung aber es wird Jahre dauern, bis sie steht und so lange werden alle, die auf dem Kölner Ring unterwegs sind, beten, dass es gutgehen wird. Sollte die Brücke nicht mehr befahrbar sein, würde ein Verkehrskollaps folgen. Müssig zu erwähnen, dass eine Autobahnbrücke auf der A3, der anderen Seite des Kölner Rings, ebenfalls schwer beschädigt ist. Armes Deutschland.


Dieses Kunstwerk bewacht die Brücke, hoffentlich kann es was ausrichten, ist es doch auch aus Schrott.


Man bewundere meinen Mut - ich setze meine Füße auf den Fußgängerteil.


Hier wurden aufwändig Blitzer installiert. Man verspricht sich sicherlich die Einhaltung des Limits aber auch, etwas Kleingeld für die neue Brücke zu bekommen. Dies ist aber nach hinten losgegangen. Kaum waren die gesamt 16 Starenkästen!!! installiert, fuhren alle vorbildlich.


Ich hab den Ritt über die Brücke geschafft und schon bin ich in Köln und hier in einer dörflichen Idylle.


Hier wird Urlaub gemacht, zumindest mal kurzzeitig. Mehr Dauercamper als "Fremd"camper aber schön.


Die Gott sei Dank noch erhaltenen Überflutungsflächen/Rheinauen geben Raum für Tiere und Pflanzen.


Mittlerweile bin ich schon fast am Ziel, dem Fähranleger. Doch was sagt die Uhr - 25 Minuten, bevor sie überhaupt fährt. Heute ist nicht so richtig warm und ich fürchte, dass ich frieren werde. Meine Pace war ingesamt bei 6:33und fühlte sich total langsam an. Komisch, letzte Woche abends fand ich 6:50 schon super anstrengend. Ich hab mich dann hinter einem Café versteckt und schon mal mein Dehnprogramm durchgeführt und war dann doch ein wenig frostig als um 9.00 Uhr die Fähre endlich ablegte.


Freudig sah ich sie auf mich zuschwimmen.



Die letzten 700m noch von der Fähre nach Hause, Brötchen geholt und gute 12km waren im Sack.

Meine rechte Wade braucht Aufmerksamkeit bzw. genug zu Trinken und Magnesium. Mal schauen, was der Tag sonst noch so bringt.

Kommentare:

  1. Liebe Anja,
    das ist ja eine tolle Strecke! :D
    Für deinen Mut bewundere ich dich sehr - ich finde solche Autobahnbrücken grundsätzlich schon sehr gruselig. Wenn ich dann noch wüßte, dass sie ständig nur ausgebessert wird...., nö, lieber nicht!
    Ich laufe ja manchmal ans andere Ende des Wallersees, um von dort mit der S-Bahn zurückzufahren. Da verschätze ich mich auch regelmässsig! :)

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  2. Mir ist in der Tat auch immer ein wenig mulmig, wenn ich solche großen Brücken betreten. Mit dem Auto macht mir das nichts aus, zu Fuß ist es weniger schön, mit dem Rad hab ich noch stärkere Probleme, dann wird mir tatsächlich schwindelig. Nicht so schlimm, dass ich sie meide aber gerne mach ich es auch nicht.

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  3. die Menschen, die was suchten, suchten vermutlich ein bisschen Erleuchtung per Gehmeditation Sieht in der Tat blöd aus - ist aber unglaublich wirkungsvoll und vor allem nicht so "kreuzschmerzlastig" wie das stille Sitzen ;)

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  4. Hallo Anja,
    schöne Strecke, trotz der Brücke. Zu wissen, dass sie marode ist, ist schon schräg, aber ich würde mich auch drunter hindurch wagen, nach dem Motto "Et hät noch immer jot jejange".
    Liebe Grüße
    Elke

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  5. Ja, eine Autobahnbrücke gehört bei mir auch zum Standprogramm, alledings hängt der Fußgängerweg unter der Fahrbahn. Und marode ist sie zum Glück auch nicht. Trotzdem ist es immer etwas merkwürdig, wenn sie zittert, wenn die Lkw drüberfahren.

    Am Rhein zu laufen muß schön sein und eine Fährpause einlegen zu können würde mir auch gefallen.

    12 km, cool!

    Liebe Grüße
    Volker

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  6. Zum Glück muss ich nicht unter Autobahnbrücken durch .. nur ganz selten, und wenn ich dort bin, droht eher Ungemach durch pinkelnde Pilger als durch einstürzende Altbauten. ;-)

    12 km, super, liebe Anja! Nur das mit dem Timing üben wir noch ... 8-)

    Viele Grüße,
    Anne

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  7. Dank an alle für die Kommentare und @all.... ich habs mir nicht eingebildet. ;-)

    Die Brücke ist seit Montag wieder für LKW ab 3,5 Tonnen gesperrt. Klick

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  8. Ach so... und es soll mich jetzt mit meinem Lauf an Samstag bitte keiner in Zusammenhang mit der Überlastung der Brücke bringen. :-)

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