Samstag, 11. April 2015

~ Bilder im Kopf ~

Er geht stolz an seinen vielen Tulpen vorbei, zärtlich betrachtend, als wären es seine Kinder. Sind sie ja auch irgendwie. Ich glaube, dass er sich über den Frühling sehr freut, wie viele ja auch. Gerne würde ich die Szene im Bild festhalten. Aber ich kann ja schlecht sagen: "Junger Mann (das sagt man hier im Rheinland in jedem Alter), darf ich Sie vor Ihren Tulpen fotografieren? Das sieht so schön spießig aus."

Also fahre ich mit dem Rädchen weiter und behalte das Bild im Kopf.

Der Greifvogel steht in der Luft, leicht flattern die Flügel wie bei einem Schmetterling. Kann ich nicht festhalten. Ich fahre weiter.

Die Jäger, die auf dem Feld stehen und mit den Hunden Hasen aufscheuchen... blödes Bild. Möchte ich nicht festhalten.

Dann finde ich den Himmel so schön über dem Rhein. Heute soll das Wetter ja nicht so dolle werden, deswegen hab ich mich auch schon früh aufs Rad geschwungen. Aber gerade die aufziehenden Wolken und die noch recht frische Morgensonne malen ein schönes Bild. Das kann ich dann jetzt mal festhalten.


Der Fasan, der im hohen Gras steht, so stolz und bunt. Er weicht nicht weg, als ich vorbeifahre. Ob ich anhalten soll? Ob er dann weicht? Ich überlege kurz und behalte auch das Bild einfach in meinem Kopf.

An der Urdenbacher Kämpe angekommen, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Hier, wo im letzten Jahr der Pfingststurm arg gewütet hat, haben die Bäume bei Niklas wohl aufgegeben. Mein Bild im Kopf ist die Vorstellung, wie es hier noch letzte Woche ausgesehen hat, bevor fleissige Waldarbeiter aufgeräumt haben.


Verletzt stehen sie da und strecken noch vorhandene Äste in die Luft aber die abgebrochenen sind unübersehbar und schmerzen.


Hinter mir ziehen sich die Wolken zusammen und geben ein wunderbares Bild - immer noch mit dem schönen Morgenlicht über den Feldern.


Hingegen gibt mein Rädchen ein dreckiges Bild ab, was wohl daran liegen kann, das ich nach meiner wortwörtlichen letzten Spritztour nicht Wasser und Lauge verwendet hab.


An der Zonser Fähre darf ich lange warten - heute hat man es nicht so eilig. Wenig Radfahrer und Spaziergänger sind unterwegs. Ist eh noch zu früh. Ich spiele mit den Bildern in der Kamera.


Fähre fahren ist wie Urlaub und ich finds immer wieder toll. Das Kind hier auch, gibt ein schönes Bild.


Ich lasse Zons hinter mir und die Bilder der Erdölchemie fressen sich, je näher ich komme, in mein Sichtfeld. Nützt aber nichts, die sind hier nun mal. Muss ich durch bzw. dran vorbei.


Der Wind pustet von vorne und vor allen Dingen mein Bild weg, dass ich noch bis zur maroden Leverkusener Brücke fahre, da nehm ich doch lieber die Abkürzung über unsere Fähre.

Der alte Herr, der seinen Gehstock abgelegt hat und auf der Bank sitzt und auf den Rhein schaut, dieser alte Herr reagiert erstaunt, als ich ihn grüße. Gerne hätte ich ihn fotografiert, nicht getraut zu fragen. Warum sind es hauptsächlich alte Herren mit Gehstöcken, die am Rhein sitzen und starren?

Der Bauer zaubert mir eine Vorstellung eines Bildes in den Kopf, das ich mangels Stativ (fehlt noch, dass ich demnächst mit Stativ Rad fahre) nicht sauber hinbekomme.


Ein weiterer Bauer versprüht gerade Gülle auf einem Feld. Die Bilder, die das in mir auslösen, sind nicht schön.

Meine Fähre lässt mich nicht warten und schwupps bin ich mit den von mir schon 100 mal fotografierten Tauen wieder auf heimischem Boden. Schönes Bild, mein Dorf.


Es waren nur 25 Kilometer auf dem Rad, genug für heute, vielleicht ja morgen noch mal. Aber Bilder waren es mehr, als ich jemals im Blog zeigen kann.

Kommentare:

  1. Liebe Anja,
    vielen Dank für die Bilder aus deiner Kamera und noch einmal mehr für die aus deinem Kopf!
    Man kann nichts festhalten und doch schaffst du es bis ins Detail, deine Eindrücke zu beschreiben - schön! :D

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    1. Liebe Doris,

      danke. :-) Und irgendwann werde ich mich trauen, die Menschen anzusprechen.

      Anja

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  2. Auch wenn du dich nicht getraut hast, den Mann mit den Tulpen anzusprechen, hast du genügend andere, sehr schöne Impressionen von deinem Rad-Ausflug mitgebracht - schön, dass du dir diese Tour geleistet hat, Balsam für die Seele, für den Körper hoffentlich auch, liebe Anja !

    Warme Frühlingsgrüße von ganz oben !

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    1. Liebe Margitta,

      in jedem Falle hat es gut getan, sich zu bewegen.

      Gruß
      Anja

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  3. zeichne doch die Kopfbilder (Radierung? Tusche? Aquarell? .....) nach, scan sie ein oder fotografiere die Malereien ab, dann kannst du sie hier nachträglich auch noch zeigen. Ich wäre als erstes an einem der nicht so schönen interessiert ;)

    Von den gezeigten gefällt mir das Kind mit Mütze am besten und was das Rad angeht, ist auf dem Foto, das ich hier sehe, kein Dreck zu erkennen *irritiert*

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    1. Liebe Lizzy,

      Du bist mir lustig. Wenn ich von einem Talent ganz weit weg bin, dann ist es Talent zum Zeichnen. Kann ich GAR NICHT. Von daher müssen Wortbeschreibungen und Fotografien reichen. ;-)

      Und was den Schmutz angeht - einfach mal aufs Bild klicken und schauen, was so unter dem Rahmen klebt. Das ist ziemlich viel Dreck, der sich wahlweise im Keller und im Treppenhaus verteilt. ;-)

      Gruß
      Anja

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  4. HA! Das haben wir gemeinsam: ich kann üüüüüberhaupt nicht malen, zeichnen, gestalterisch darstellen ... Wäre es demnach nicht längst an der Zeit, ES ZU TUN?!?!

    Im Moment bringe ich das zeitlich nicht unter. Aber im Hinterkopf halten werde ich es auf jeden Fall. Das Leben ist so kurz, dass es unmöglich ist, auch nur die Hälfte der Dinge zu versuchen, zu denen das Talent fehlt. Dabei macht das doch so viel Spaß ;) Zeichnen, Singen, Fremdsprachen lernen ... da ist noch reichlich Luft für neue Hobbies. Mengenmäßig. Zeitlich wird's immer enger ...

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    1. Liebe Lizzy, also ich kann mir gut vorstellen, dass ich im Leben nicht auf die Idee kommen werde, das Zeichnen zu erlernen. Bei Singen oder Fremdsprachen weise ich das nicht weit von mir. Allerdings wäre es vorab einfach schön, wenn ein plötzlicher Geldsegen einer unbekannten Erbtante aus Amerika ins Haus stehen würde. Ich komm ja mit meinen jetzigen Ambitionen schon zeitlich nicht aus - ich muss also irgendwie das Arbeiten aufhören.

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    2. Tja schade und du hast Recht: ist bzw. wäre ein eher teures Vergnügen für ein "einfach mal versuchen". Und obwohl es hier wirklich spannend klingende Angebote jenseits der VHS gibt, habe auch ich die Idee für mich wieder gestrichen. Selbst dann, wenn die nicht existierende Erbtante doch auftaucht und ich in der Firma bei vollen Bezügen auf einige Jahre freigestellt werde *könnte ich grad gut gebrauchen seufz*, ließen sich Zeit und Geld sinniger einsetzen. Bleib' ich einfach beim Versuch, Italienisch zu lernen. Klappt seit Jahren nicht und kann mich also noch einige weitere auslasten mit talentfreiem Tun. :o)

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  5. Liebe Anja,

    wie immer gefallen mir Deine Bilder sehr, manche Bilder gehören auch nur in den Kopf, deshalb finde ich es gar nicht schlimm, wenn das Photo gar nicht erst gemacht wird. Dennoch, Fragen kostet nix :-)

    Salut

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    1. Lieber Christian,

      man muss ja im Leben Herausforderungen haben. Es wird der Tag kommen, an dem ich frage. ;-)

      Gruß
      Anja

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  6. Liebe Anja,
    schöööne Bilder machst Du. Immer wieder toll anzuschauen!
    Schönen Sonntag
    Bianca

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    1. Liebe Bianca,

      vielen Dank und ebenso.
      Anja

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  7. Manche Bilder hat man eben nur im Kopf, liebe Anja - es ist gut, wenn sie wenigstens dort sind. Diejenigen, die es in deinen Blog geschafft haben, sind wie immer wunderschön. Und schön auch, dass du wenigstens radelnd unterwegs sein kannst, wenn es schon nicht läuft. :-9

    Viele Grüße,
    Anne

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    1. Liebe Anne,

      wenigstens das, wobei ich mich gestern nach kurzer Nacht dann wieder nicht aufraffen konnte...das passiert mir beim Laufen eher selten.

      Gruß ans andere Krankenlager

      Anja

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  8. Liebe Anja,
    wieder wunderschöne Bilder, verbale wie auch fotografierte. Bei Euch donnern wohl die Bauern im Formel1-Tempo übers Feld *grins*
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke,
      ja... hier auf der anderen Rheinseite ist halt alles anders.
      Gruß nach drüben.
      Anja

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  9. Hallo Anja,

    das hast du so schön geschrieben mit den Bildern im Kopf. Ich habe da auch immer ganz viele und sammele dort die Schönsten. Ab und an zücke ich dann doch die Kamera und im Gegensatz zu Dir (die ja immer tolle Fotos hat), bin ich oft enttäuscht, dass es nicht so aussieht wie im Kopf.

    Herzlichen Gruss!

    PS: Mein letzter Kommentar ist wohl irgendwie verschwunden - aber ich wünsche dir weiterhin ganz dolle Besserung!

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    1. Danke für die Blumen aber nun stell Dein Licht nicht so unter den Scheffel.

      Und ja... irgendwie hab ich hier einen Kommentarfresser, weiß noch nicht, was der- oder diejenige damit anstellt.

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