Dienstag, 5. Mai 2015

~ Bin das ich? ~

Wenn mein Selbstbild nicht ganz falsch ist, dann darf ich mich schon zu den tougheren Damen zählen. Zumindest wird mir das auch immer mal wieder bescheinigt. Den Titel trag ich nicht ungern. Den diversen Lebensüberraschungen bin ich meines Erachtens nach auch immer ganz gut begegnet und hab die Aufgaben ganz gut gemeistert (selbstaufdieschulterklopf).

Aber da ist eben auch die andere Seite, die sich dann zeigt, wenn man mich in enge Räume packt (ich "liebe" z.B. Berggondeln oder Bergbahnen unterirdisch). Auch Tunnel find ich nicht wirklich prickelnd und bin immer froh, wenn mich mein Navi über die Elbbrücken anstatt durch den Elbtunnel führt. Ich mach da kein Theater drum aber ich weiß, dass mir das mulmige Gefühle erzeugt.

Dann gibt es noch etwas, was ich nicht mag - trotz vielfacher Erfahrung: Das sind Spritzen. Blut abnehmen ist kein Problem aber Spritzen in Bein/Po/Rücken - find ich sehr bäh.. dem geht auch eine schlechte Erfahrung in der Kindheit vor. Aber egal. Die gefühlt 100 Spritzen, die ich in meinem Leben schon bekommen hab und die nicht weh getan haben, können die Angst nicht eindämmen.

Die Laune, als gestern der Orthopäde sagte, dass ich heute ein MRT bekomme und bei Befund eine Spritze an den Nerv erhalte, bescherte mir schlechte Laune und  meinen Kollegen einen angespannten Tag. :-) Mir war durchaus bewusst, dass ich sehr froh sein muss,

a) nicht lebensgefährlich erkrankt zu sein und
b) innerhalb eines Tages einen MRT-Termin zu bekommen.

Aber der Angst lässt sich ganz schlecht mit Logik begegnen.

Aber Hysterie macht Falten im Gesicht und so schlaf ich gut und erledige meine Arbeit, fahre zeitig los, hole mir fröhlich noch nen Kaffee und bin maximal entspannt. Wirklich. Ich blättere in der Gala (was man beim Arzt so macht), atme ein und aus - so ganz automatisch, man soll sich wundern. Alles normal.

Ob der Fehler bei mir oder bei der Dame im MRT lag, weiß ich nicht. Beim letzten (vor ein paar Jahren) wurde ich dadurch gerettet, dass mir die Helferin sagte, ich könne, wenn ich den Kopf strecke, nach hinten rausschauen. Damit hab ich es geschafft. Als ich heute fragte, ob ich hinten rausschauen könne, verneinte die durchaus nette Dame das. Ich fuhr rein, schloss schnell die Augen und es ging los. Es ging ne ganze Weile gut. Ich fand es geschickt, dass die das Licht hell in der Röhre haben und ein Luftzug ging - fühlte sich an wie auf einer Frühlingswiese und das versuchte ich mir auch weiterhin vorzustellen.

Und auf einmal war ich der Meinung, die Augen öffnen zu müssen. Ich wusste aber genau, dass ich das nicht machen soll, weil dann die Panik vorprogrammiert ist. Und so kämpfte der Augenaufreflex mit dem verkrampften Verschließen der Augäpfel. Scheiß Kampf. Und dann ging der Puls hoch und irgendwann musste ich den Knopp drücken und mich rausfahren lassen. Soweit so scheiße.

Die Tränen standen Oberkante Unterlid. Der Röntgenarzt zeigte mir die Bilder und sagte, dass man eine Wölbung erkennen kann aber die Diagnose, ob Bandscheibenvorfall oder nur Vorwölbung könne man so nicht stellen. Aber egal, was der mir erzählt hätte.. das war für mich in dem Moment nicht wichtig. Wenn der mir gesagt hätte, ich würde in den nächsten 5 Minuten in tiefe Bewusstlosigkeit fallen, hätt mich das auch nicht beeindruckt.

Der Ortho sagte das gleiche (also das mit der Wölbung und man nicht genau wisse uns soooo), meinte dann aber, dass die Behandlung - nämlich die Spritze an den Nerv - sowieso die gleiche sei. Woraufhin dann wieder die Tränen die Wangen runterliefen. Ich wills gar nicht dramatisieren, denn da gibt es gar kein Drama. Die Spritze fand ihren Weg, es tat überhaupt nicht weh und in dem Moment, in dem ich wusste, dass die Spritze drin ist (dauert ne Weile mit Kontrastmittel und so), war alle Panik beseitigt und ich wieder ganz die alte, fröhlich und ganz Heldin- nur ein wenig wacklig auf den Beinen. Bäume ausreißen wär wohl nicht drin gewesen, soll ich ja auch im Moment gar nicht.

Auch das mit der Angst bin wohl ich, wenn es mir auch schwer fällt. Und ob die Behandlung hilft, werde ich in den nächsten Tagen merken.

Ach ja.. beim nächsten mal gehe ich in das MRT hier - Piratenschiff oder All, vielleicht könnte ich dann ja besser mit meiner Panik umgehen. Klick

Kommentare:

  1. Manchmal ist man sich selbst fremd, liebe Anja, das kenn ich auch. Wenn man nur diese fremden Anteile besser kontrollieren könnte, so nach dem Motto: "Anschauen, aha, soso, einmal gesehen, gut!". Kann man aber nicht. Und trotzdem gehen solche Situationen meistens noch irgendwie gut aus, so auch bei dir. Ich hoffe sehr für dich, dass die Behandlung anschlägt und du dann wenigstens mit kleinen Bäumchen wieder anfangen kannst. Und auch, dass du nicht so bald in die Verlegenheit kommst, in ganz Köln, Leverkusen und Umgebung rumzutelefonieren, ob sie vielleicht ein MRT im Blumenwiesen- oder Stammkneipendesign haben.

    Viele Grüße mit fest gedrückten Daumen,
    Anne

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    1. Anne, MRT im Stammkneipendesign, das wärs doch - dann ein lecker Kölsch dazu und schon wär alles gut. Auf die Idee, bin ich ja noch gar nicht gekommen. Unbedingt zum Stammkneipendesign gehören aber entweder 2-3 FC-Fans oder 2-3 echte Kölsche aus dem Veedel - aber es gibt ja immer Rentner, die nix zu tun haben.

      Gruß
      Anja

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  2. Liebe Anja, diese Kuriositäten machen uns doch zu Menschen. Ohne solche Schwächen und Unzulänglichkeiten wären wir doch seelenlos. Frag mich mal, wenn ich in ein Flugzeug steigen soll ...

    Vielleicht hilft auch die Aussicht auf künftige Läufe die Spritzen zu ertragen!

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,

      ja, solche Ängste sind irrational und nur wahrscheinlich mit irgendwelchen Therapien lösbar. Nun komm ich Gott sei Dank nicht oft in die Verlegenheit, in engen Röhren liegen zu müssen und die Not ist nicht groß genug. Gondeln lassen sich prima vermeiden... Flugzeuge auch, wenn man will aber das würd mich doch zu arg einschränken.

      Die Spritzen bekomm ich schon hin aber Spritze direkt auf MRT, das war zu viel für mich. Sitzt man da und heult wie ein kleines Kind. Furchtbar.

      Gurß
      Anja

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  3. sind die Aufnahmen nicht ausreichend weil abgebrochen wurde oder warum wird es ein "nächstes Mal" geben? Wenn die Behandlung bei allen Diagnosen doch eh gleich sein soll, wozu dann nochmal rein in so ein Ding? Ich meine: bei einigen Panikfällen soll das ja eine gute Heilmethode sein, sich der Situation vorsichtig häufiger auszusetzen und anzunähern. Bei MRT und Spritzen könnte man aber auch einfach deren Anwendung auf Situationen mit Lebensgefahr eingrenzen bzw. sie schlicht vermeiden. Schlägt vor:
    Lizzy (in manchen Dingen und Situationen hysterisch und alles andere als entspannt)

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    1. Liebe Lizzy,

      die Aufnahme wurde abgebrochen. Ein nächstes mal würde es nur geben, wenn die Behandlung jetzt nicht hilft. Ich darf also hoffen. Zur weiteren Diagnostik ist so ein MRT sicherlich schon hilfreich.

      Gruß
      Anja

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  4. Liebe Anja,

    diese Angst ist nicht rational, wenn sie einen überfällt, dann geht nichts mehr...ich bin zwar nicht betroffen (bisher), kann es aber dennoch gut nachempfinden. Schade, dass die Aussage des MRTs nicht eindeutiger war, aber ich wünsche Dir so sehr, dass die Infiltration hilft.

    Salut

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    1. Hallo Christian,

      lieben Dank - heute Abend bin ich schlauer.

      Gruß
      Anja

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  5. Liebe Anja,
    zuallererst drücke ich dir die Daumen, dass die Behandlung hilft!
    Was du über die "irrationale" Angst schreibst, kenne ich leider selbst auch - mir geht es so, wenn ich am Zahnarztsessel sitze (und manchmal auch schon im Wartezimmer, wenn es mal wieder etwas länger dauert)! Bringt nichts und ist trotzdem da, was solls, wir können ja nicht perfekt sein (das wäre doch laaaaangweilig!) ;)

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    1. Liebe Doris,

      ach ja Zahnarzt, stimmt - nassgeschwitzt, selbst bei einer Zahnreinigung.. hab gerade geträumt, ich müsste Spinnen anfassen.. es gibt noch mehr.

      Gruß
      Anja

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  6. Ich finde es schon toll, dass du dich, trotz deiner bewussten Angst, auf das MRT eingelassen hast! (Mann hat auch mordsmäßig Schiss davo, und nimmt immer Beruhigungsmitteln davor...) Das ist nicht selbstverständlich.
    Auch wenn nicht ganz indiziert, schlechterer Kontrast, etwas Strahlenbelastung, etc., wäre eventuell eine CT bei dir möglich, sollte es ein nächstes Mal geben müssen? Dauert nur einen Bruchteil eines MRs...*kopfkratz*
    Ich drück ganz fest Daumen, dass das Spritzerl längerfristig hilft!

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    1. Du, keine Ahnung. Unter dem CT war ich ja auch wg. der Spritze. Keine Ahnung, ob die Bildgebung genau gleich aussagend ist. Ich frag - falls notwendig - den Arzt.

      Gruß
      Anja

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  7. Liebe Anja,

    wie gut kann ich dich verstehen, vor allem die Ängste vor dem Eingeschlossen sein. Es ist bestimmt keine Schande, wenn man Panik bekommt und das Szenario vorzeitig verlassen muss, kann es gut verstehen, weil es mir ähnlich erging, dann besann ich mich, schloss ebenso die Augen wie du und lief in Gedanken meine Haus- und Magenstrecke, die war plötzlich viel kürzer, als im richtigen Leben, dann eben noch einmal, solange, bis " Bett " wieder herausgeschoben wurde.

    Halte dir alle Daumen, dass dir jetzt geholfen werden kann, du bist tapfer und stark, das muss belohnt werden !!

    Alles, alles Gute, nicht nur so daher gesagt !!

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    1. Liebe Margitta,

      vielen lieben Dank.
      Gruß
      Anja

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  8. Liebe Anja,
    ich habe irre Höhenangst. Da geht es mir genauso, wie Dir heute in der Röhre. (Ob ich das könnte, weiß ich zum Glück noch nicht.) Panik, Angstschweiß, Herzrasen, Adrenalin pur.
    Im vorletzten Jahr habe ich mich (unterstützt von meinem Sohn) ein wenig therapiert, bin mit ihm auf einige Aussichtstürme in der Gegend bestiegen. Andere bräuchten 2 Minuten, ich eine halbe Stunde - beim ersten Turm. Mein Sohn (damals 12) immer an meiner Seite, obwohl es ihm weiter oben auch ein wenig mulmig wurde. Es wurde mit jedem Turm leichter.
    Zahnarzt - auch da eine Höllenangst. Wenn ich dort mal operiert werden müsste und sei es nur ein Zahnziehen - ich bräuchte wohl Hypnose oder eine Vollnarkose.
    Du siehst - jeder hat seine Schwachstellen. Ich mag sie auch nicht. Ist aber so. Gehört wohl zum Menschsein dazu.
    Liebe Grüße
    Bianca

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    1. Liebe Bianca,

      bisher hab ich die MRTs immer geschafft - mit diversen Tricks. Hatte sogar mal eins am Kopf - da wird der Kopf noch mit einer Maske fixiert. Jedes mal scheisse Angst - schon zweimal wieder rausgeholt aber dann mittels Tricks irgendwie doch überstanden. Diesmal gings nicht.

      Höhe mag ich auch nicht, komm aber klar, ist also nicht ganz so schlimm. Da vertraue ich doch mehr dem Material, kann also das irrationale überwinden. Schön, dass Du Dich dem gestellt hast.

      Gruß
      Anja

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  9. Liebe Anja,
    oh weh! Das muss wirklich schlimm sein, wenn man unter solchen Ängsten leidet und man dennoch in die Röhre muss. Mir macht das Gottseidank nichts aus, aber ich habe beim Lesen mit Dir gelitten. Hoffentlich hilft die Spritze! Hatte ich auch vor einigen Jahren mehrfach und hatte davor echte Angst. Aber sie tut ja nicht wirklich weh.
    Aber du hast Dich doch hoffentlich hinterher belohnt, dass Du das ertragen hast?! Mit einem leckeren Kölsch...?;-) War gerade auf Dienstreise und habe ein "Tegernseer Helles" probiert, ist zu empfehlen, da könnte ich glatt zur Biertrinkerin werden.
    Ganz liebe Grüße,
    Elke

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    1. Liebe Elke,

      sie tut wirklich nicht weh. Am Dienstag noch mal einen Termin aber davor grauts mir jetzt nicht mehr. Ich weiß zwar, dass ich in dem Moment, wenn ich da liege, wieder Angst hab aber das geht schnell vorbei.

      Danke für den Biertipp - die Hellen im Süden mag ich generell auch ganz gerne. Ich werde mal eins testen, wenn ich in die Nähe komme.

      Gruß
      Anja

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  10. Liebe Anja,

    manchmal hat man einfach Tage an denen man emotional weniger stabil ist (nah am Wasser gebaut.) Ich mag sie gar nicht, aber es ist einfach so. (Ich bilde mir ein, sie seien hormonal bedingt.)

    Dann auch noch MRT - ich war noch nie in einem, aber Gedanke allein macht mich schon panisch. Als ich ins CT musste habe ich mir tagelang Sorgen gemacht, ob das auch so eine klaustrophobische Röhre ist und war sehr erleichtert als ich den offenen Ring dann gesehen habe.

    Ich hoffe die Spritze hilft!

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    1. Liebe Nido,

      na, stabil war ich eigentlich. Aber mit der Angst hatte ich das dann echt nicht im Griff.

      Seit gestern hab ich endlich den Eindruck, dass die Spritze hilft. Beim Sitzen keine so ausstrahlenden Schmerzen mehr. Ich hoffe, es hält an. Ich werde gleich mal ne Runde Walken (was ich ausdrücklich soll) und dann merken, ob es wirklich so ist.

      Gruß
      Anja

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