Sonntag, 10. Mai 2015

~ Und überall lauert die Versuchung ~

Versuchung 1 - Shoppen:

Meinen Zeigefinger kann ich wirklich super erheben, wenn es darum geht, meinen ach so unkritischen Mitmenschen aufzuzeigen, dass sie doch ihre hart erarbeiteten Penunsen bitte tunlichst sozial und ökologisch korrekt ausgeben sollen. Nicht, dass mir das immer gelingen würde aber rumkritisieren an anderen Leuten kann man doch immer, nicht wahr?

Schlimm (natürlich auch gut) ist aber, dass es ja nun mittlerweile auch die Ökolabels durchaus alltagstaugliche Kleidungsstücke kreieren, die einen nicht aussehen lassen, wie ein leicht müffelnder Ökoaussteiger aus den 80er Jahren, der selbst beim Wort Kernseife laut schreiend die Flucht ergreift. Nein, selbst für so einen Büro- und Vertriebstiger wie mich gibts passende Kleidung, zumal ich relativ leger daher kommen kann. So verfall ich dann - meist online - irgendwelchen Kaufräuschen und räubere Armedangels die Lager leer und fülle meinen sowieso vollen Kleiderschrank weiter mit schönen Basics. Ich meine Basics kann man nie genug haben, oder?

Ab und zu muss ich aber doch in die reale Welt des Einkaufens. Ich muss für eine in Kürze anstehende Messe weiße und blaue Blusen haben - kein TShirts oder Streetwear-Sachen sondern Business-Kram. Hat mein Arbeitgeber ja auch ein Recht darauf, dass ich mein dort hart erarbeitetes leicht erwirtschaftetes Geld in ein gepflegtes Erscheinungsbild zurück spiegle.

Wenn ich in eine solche Notsituation komme (ich hasse shoppen - was im Gegensatz dazu steht, dass ich mich schon gern nett kleide), dann verschlägt es mich seit geraumer Zeit in einen bestimmten Bekleidungsladen - mit Glück find ich dort zumindest Produkte aus Biobaumwolle, wobei dann die Art der Produktion noch nicht geklärt ist. Das Blöde (Gute) an dem Laden ist: Die haben immer Top-Verkäuferinnen und wenn die mich einmal in den Fingern haben, dann gnade mir (bzw. meiner Geldbörse) Gott.

Vor diesem Hintergrund finde ich es bemerkenswert, dass ich in der Tat mit "nur" 3 Blusen aus dem Laden gekommen bin - wahrscheinlich war es auch der Blick auf das Preisschild der wirklich schicken Strickjacke. 200 Euro!!!! für eine Strickjacke! Nee.. das war der Moment als das Gehirn von rechts nach links  schwenkte und die Vernunft wieder einsetzte.

Ähnliches Schicksal beim Kauf der Jeans - hier hab ich Glück. Hat doch in der Tat in Köln ein Jeansladen aufgemacht, der mehrere Labels an nachhaltiger Mode führt. Ich hab 5 Jeans anprobiert und alle 5 passten wunderbar. Nur mit ganz viel Selbstdisziplin gelang es mir, mit der einen benötigten Jeans wieder rauszukommen und nicht zuzuschlagen.. so nach dem Motto... wenn man denn schon mal da ist.

Woher kommt das? Ich hab genug im Schrank, ich bräuchte nicht zwingend was Neues (ok, die Jeans war nach vielen Jahren echt fällig) und trotzdem zieht man los und schießt sich neue Ware.

Versuchung 2 - Backen:

Heute gibts im Café u.a. wieder Bananen-Hefe-Zimt-Schnecken. Schon im Backofen verströmen die ein dermaßen gutes Aroma, dass ich (ich gönne mir die Endstücke, die nicht verkäuflich sind) den Schnecken kaum Zeit lasse, aus dem Ofen zu kommen, schon hab ich das erste verdrückt. Nr. 2 (es ist gerade erst 10.00 Uhr morgens) direkt, nachdem das Frosting aufgetragen wurde. Nun sitz ich hier am Nachmittag und hab nix mehr für den Kaffee aber schon alle Kalorien für heute verspeist (vermute ich mal).

Versuchung 3 - Sport:

Ja, hier hab ich es im Moment eher mit der Versuchung des "lass es doch sein". Mach ich keinen Sport (Walken, Rad fahren), hab ich weniger Probleme. Allerdings soll ich mich bewegen. Natürlich mach ich die Kräftigungsübungen, ohne Frage - aber Ausdauersport ist echt Mangelware. Ich erzähle dann was von "Unlust" und "kann mich nicht aufraffen" aber in Wahrheit ist es die Angst vor den Beschwerden, die nämlich bei jeglicher Form von Bewegung mehr werden.

Zumindest hab ich es heute geschafft, mit Laufrucksack bewaffnet, eine kleine NW-Tour von gut 6km zu "bewältigen". Der Rucksack diente dem Rücktransport des Spargels, den ich beim Bauern auf der anderen Rheinseite in geschälter Form käuflich erwerben konnte.

Also Fähre fahren, die armen Jugendlichen bedauert, die mit Leidensmiene zum Muttertag mit Eltern und Rädern oder spazierend unterwegs waren.


Die Wiesen voller Butterblumen bewundert. Von hinten tönte eine Frau "Endlich mal eine Nordic-Walkerin, die es richtig macht - sieht man ja selten genug." Huch, damit war ich gemeint und da sieht man, wie schön so kleine Komplimente sind - es riss mich aus meinen Gedanken und Beobachtungen des Rückens und zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Danke dafür"


Und die Pusteblumen nicht angepustet, damit sie möglichst lange so hübsch bleiben.


Jetzt gibts Spargel zu Abend und bis dahin nix mehr zu essen - sonst muss ich in die nächste Kleidergröße schlüpfen und dann fängt der ganze lange Post von vorne wieder an und das will ich Euch nicht zumuten.

Kommentare:

  1. Liebe Anja, bist ja noch einmal gut aus der Chose herausgekommen, hast ungeahnten Versuchungen widerstanden, dafür aber doch zufriedenstellend eingekauft.

    Was für eine herrliche Zeit, es grünt so grün - einfach nur herrlich deine mitgebrachten Impressionen von der Natur im Mai, aus meiner Sicht mit das Schönste, was ich mir vorstellen kann.

    Nun zum Spargel - ich beneide dich, hier haben wir leider nicht die Möglichkeit, den Spargel direkt vom Erzeuger zu besorgen, den ich in meiner alten Heimat - so wie du - ebenfalls auf dem Heimweg besorgen konnte - man kann halt nicht alles haben. Guten Appetit und iss mal bitte ein paar Spargel für mich mit, am liebsten nur die Köpfe !! Danke !!

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    1. Liebe Margitta,

      ich geb zu, dass ich ein wenig stolz auf mich war, den Versuchungen im Klamottenladen widerstanden zu haben. Es wär wirklich nicht notwendig.

      Die Natur ist gewaltig im Moment, wohl derjenigen, die keinen Heuschnupfen haben.:-)

      Ich hab beim Spargel essen an Dich gedacht. Ja, da sind wir hier gut bedient und Dank dieser wunderbaren Schälmaschinen ist es in der Spargelzeit auch ein sehr bequemes Feierabendessen. Wir haben ihn sehr genossen. Speziell die Köpfe hab ich nur für Dich gegessen.

      Alles Gute!
      Anja

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  2. Liebe Anja,
    ach ja, die Versuchungen können ganz schön fordernd sein! :D
    Ich dachte schon, dein Zeigefinger funktioniert besonderst gut, wenn du im Internet auf den "Jetzt bestellen-Button" drückst!
    Trotz der vielen Möglichkeiten hast du doch aber einen guten Mittelweg gefunden! (ok, wenn so ein Schneckenstückchen vielleicht noch ein paar Stündchen länger leben hätte dürfen, wäre es wirklich perfekt, aber das ist ja wieder: laaaangweilig!) :D

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    1. Liebe Doris,

      ja, der "Bestellfinger" funktioniert auch manchmal erschreckend schnell.

      Und das mit den Schnecken üb ich demnächst noch mal, so geht das nicht weiter.

      Gruß
      Anja

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  3. Herrliche Bilder, liebe Anja! Bei den Schnecken könnte ich glatt Appetit bekommen ... :-) Bei Klamotten bin ich weniger verführbar, wenn es nicht gerade Sportsachen sind. Das Problem mit der Business-Kleidung kommt mir allerdings bekannt vor!

    Das mit dem "Sich nicht bewegen wollen" auch, zumindest was das Laufen angeht. Der Preis für ein halbes Stündchen Spaß ist mir zu hoch, wenigstens bis eine klare Diagnose da ist. Zum Glück scheine ich Radfahren zu vertragen, wenigstens haben die 2 Stunden gestern keine Nachwirkungen hinterlassen. Aber es ist einfach frustrierend, wenn man eigentlich will und nicht kann. Daher drück ich dir weiterhin fest die Daumen und hoffe, dass sehr sehr bald Abhilfe geschaffen werden kann.

    Viele Grüße,
    Anne

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    1. Liebe Anne,

      ich hoffe, die klare Diagnose bekommst Du bald. Ich erfahr zwar gerade, dass auch das nicht einen planbaren Heilungsprozess hinter sich her zieht aber zumindest kennt man den Feind beim Namen.

      Und in der Tat.. es ist frustrierend aber gut, dass wissen wir ja.

      Alles Gute für Dich.

      Anja

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  4. Liebe Anja,
    ach was wäre das Leben ohne Versuchungen...;-) Die Links sind interessant, ich habe mich immer schon gefragt, warum Öko-Kleidung immer so wenig schick war.
    Guten Appetit beim Spargelessen!
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke,

      in Köln gibts noch auf der Ehrenstraße (oder ist das schon Breite Straße?!?) den Laden "Grüne Erde", da bekommt man auch ganz Business-taugliche Öko-Kleidung. Ich denke, dass man sich früher mit diesen großen Säcken bewusst abgrenzen wollte. Heute, wo sich das ökologische Bewusstsein doch weiter verbreitet, will man das mitunter gar nicht zeigen aber trotzdem mit gutem Gewissen kaufen. Und Jahr für Jahr gibt es eine bessere Auswahl. Armedangels (im übrigen aus Köln) hatten erst nur TShirts und erweitern ihr Sortiment stetig. Zum ersten mal hab ich mir von denen Blusen für den Sommer bestellt und sie gefallen mir gut - die gehen sogar aufm Anzug.

      Aber wenn man wirklich mal gezielt etwas benötigt (wie eben jetzt meine weißen und blauen Blusen), dann wirds schon schwer. Bei den mir bekannten Ökolabeln hab ich nichts gefunden, was gepasst hätte.

      Soweit so gut..Spargel war vorzüglich und so gehts schon wieder auf den Montag zu.

      Gruß
      Anja

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    2. Danke für die Tipps! Ehren- und Breite Straße sind bei mir um die Büroecke. In dem Bereich habe ich einen Laden gefunden, der ausschließlich fußfreundliche Schuhe führt, die dann aber halbwegs erträglich aussehen.
      Liebe Grüße
      Elke

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    3. Oh ja, den kenn ich auch gut. Seit einer Nervenverdickung im Fuß ist der Laden mein Freund.
      Beweis und als ich den Eintrag gerade noch mal las... nein, meine Einstellung zu Schuhen hab ich nicht mehr geändert. :-)

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  5. Hallo Anja,

    also Businessklamotten kaufen gehört für mich nicht zu den Versuchen, Teilchen essen aber schon. (Und nach meinem Lauf heute, hätte ich besser der zu Hause bleiben Versuchung unterliegen sollen.)
    Aber du warst draussen und hast uns tolle Bilder mitgebracht. Dankeschön! Gehst du eigentlich mit Stöcken, dass du als Nordic Walkering bezeichnest wurdest?
    Herzlichen Gruß!

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    1. Ja Nido, ich geh mit Stöcken, find den Trainingseffekt so besser.

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  6. Kernseife? *schreiiii* *flücht*

    Ich fand im Gegenteil, dass meine Suche nach vertretbar produzierten Gammelklamotten - was ja eher mein Geschmack ist - erfolglos war. Okay - ich habe nicht ALLE Münchner Geschäfte danach abgeklappert weil ich shoppen verabscheue und im Zweifelsfall lieber zum Doppelpack T-Shirts im Vorbeigehen greife, die dann wieder ewig halten. Aber diejenigen, bei denen ich mich umgesehen habe, hatten eher so den "verhalten geschmackvoll"-Touch bei weitgehender Radfahr- und Allrounder-Untauglichkeit. Sowas brauche ich: Klamotten, die im Grunde für alle taugen - nur schick müssen sie nicht sein, sonderlich schön oder geschmackvoll auch nicht. Ich meine: es soll ja zu mir passen :)
    Meine Anforderung wäre: komplett einfache, germe einfarbige Klamotten ohne Schnörkel. Aber gerne ein paar Euro teurer - ich nehme mit doppelt so teuer als üblich in Kauf - wenn sie denn nachweislich ohne Ausbeutung und menschenverachtende Methoden produziert wurden. Das müsste doch eigentlich funktionieren. Gibt's aber nicht. Die Klamotten sind um ein Vielfaches teurer als das Zeug, das ich (sparsam - ich gehöre zu denen, die immer was anzuziehen haben: Schranktür auf, eins der drei Teile gegriffen und "wunderbar, geht doch" festgestellt ;) üblicherweise kaufe. Ist das eine große Marktlücke? Würden viele so denken und in dem Fall ihren "geschmacklosen Einfachklamottenkram" fair produziert auch teurer kaufen wenn es ihn denn gäbe. Ich würde - werde aber gerne auch als "nicht signifikant" bezeichnet ;)
    Welche Jeanslabel sind das denn, die fair produzieren? Eine Jeans bräuchte ich auch mal wieder (habe die vor ca. einem Jahr beim Sturz vom Rad gelöcherte noch nicht nachgekauft sondern nur Flicken draufgepappt - was für's Büro aber so doch nicht mehr geht ;) und die könnte man sicher auch in München finden. Müsste ich mich aber auf den Weg machen und abklappern, wo wir wieder beim Thema: "Ich verabscheue Shoppen" wären ... aber danke für den Anschubbser. Sobald ich mal Zeit übrig habe *guter Witz* (und Gruß vom nächsten Kinderpflegeeinsatz bei krankenhauslägriger Schwiegertochter) werde ich es in Angriff nehmen: eine Jeans und eine leichte Sommerjacke, die fahrrad- und alltagstauglich ist. Unempfindlich, nicht zu schick, nicht zu schlampig - diverse Wetter mitmacht ... eben alles kann. Wo könnte ich sowas finden? Gibt's eigentlich auch nachhaltige Outdoorklamotten-Produzenten? Fragen über Fragen, die ich mir tatsächlich vor jedem meiner seltenen Einkäufe stelle und dann - von hier und da Bio-Shirtkäufen abgesehen - meist doch wieder bei Discountern oder dem Klamottengeschäft in der Nähe lande)

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    1. Hallo Lizzy, mal bei
      manomamageschaut? Die produzieren recht schlichte Klamotten. Wie auf dem Foto zu erkennen ist, ist meine Jeans von K.O.I., die vorherigen von Kuyichi. Aber teurer sind sie allemal, zumindest teurer als normale Klamotten, nicht teurer als hippe Labels.

      Kossmann Laufdesign macht wohl nachhaltige Laufklamotten - hab ich aber noch nie gekauft und im Outdoorbereich hat sich da Vaude wohl viel auf die Fahne geschrieben. Weiß ich aber nicht genau.

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    2. naja, Jacken und Jeans muss ich anprobieren weil mit ziemlich schiefer und alles andere als blindkauftauglicher Figur gesegnet und Augsburg ist mir zum Klamotten kaufen etwas weit ;)

      Teurer als normale Klamotten ist okay - aber ich suche eben normale Klamotten, die wirklich nur den "fair-Aufschlag" haben. Hippe Labels kaufe ich ohnehin nicht. Ich kaufe fast nie irgendwas gelabeltes sondern in der Regel noName. Aber fair produziertes sollte doch eigentlich nicht nur für Labelkäufer interessant sein, finde ich ... scheinbar aber doch größtenteils. Bei T-Shirts gibt's ausnahmen.

      Naja, werde mich wohl bald mal wieder auf die Suche machen bzgl. der Jeans. Deshalb habe ich ja noch keine neue - weil ich eine "faire" kaufen möchte und die anprobieren muss ... erwähnte ich bereits, dass ich Klamottenkäufe verabscheue?

      Danke für die Tipps :o)

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    3. Lizzy, mir sind Labels auch schnuppe. Bei den Fairklamotten, die ich kaufe (eben armedangels oder Grüne Erde oder schon mal was bei waschbär) findet man keine oder nur kleine Labels. Bei den Jeans eben wie üblich unter dem Gürtel. Darum gehts mir aber wirklich nicht - gings mir auch vorher nicht. War nur der Preisvergleich.

      Ich bin sicher, dass es in München wie eben auch in Köln Fair-Läden gibt. Viel Erfolg bei der Suche. Und ja.. du erwähntest es und ich stimme ins Lied ein.. wir verabscheuen Klamottenkäufe.

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    4. Das habe ich ja auch so gelesen bei dir :) Mir gings auch um den Preisvergleich. Und um das mal wieder bildlich und konkret zu fassen: Wenn ich bei den Discountern eine Hose kaufe (ja, das habe ich schon getan und die Dinger passen mir wunderbar. Auch die, die ich bei unserem Treffen mal anhatte - wenn ich mich recht erinnere, eine blau-grau gemusterte - stammte daher), dann kostet die mich zwischen 10 und 15 Euro. Mal angenommen, ein kleinere Vertreiber und Hersteller gibt einen solchen Auftrag wohin auch immer, dann müsste er vermutlich wegen der Mindermenge schon mehr bezahlen und wir landen bei der Weitergabe bei 20 Euro. Diejenigen, die das nähen, werden mit Sicherheit weniger als einen Euro pro Hose bekommen. Aber selbst wenn es 5 wären, könnte man den Lohn verdoppeln und wäre erst bei 25 Euro. Dann nochmal pro Hose 5 Euro drauf, damit auch die Zwischenhändler vor Ort etwas mehr bekommen (also diejenigen, die auch noch Geringverdiener sind evtl. Aber viele werden das nicht sein. Sobald der Betreiber und Auftraggeber ins Spiel kommen, verdienen die mit Sicherheit eh genug. Der Vertrieb und Weg bleibt sich gleich). Davon könnte dann auf jeden Fall auch noch pro Hose einige Euro in die Arbeitssicherheit und Ausstattung der Betriebe gesteckt werden. Wären wir also - sehr großzügig gerechnet und alle Parteien könnten unter vertretbaren Bedingungen arbeiten - bei vielleicht 30 Euro für so eine Hose, wie sie mir völlig ausreicht zum Leben und Anziehen. Ich kann mir natürlich auch mal mehr leisten - aber es gibt viele, denen ein Preissprung von 10 beim Discounter auf .. sagen wir .. im Sonderangebot vielleicht 70 Euro beim Fairvertreiber eindeutig zu groß ist. Und er KANN gar nicht nötig sein um das gescheit abzudecken. Bei Laufschuhen ist die Diskrepanz ja noch größer. Die Arbeiter werden ausgebeutet aber trotzdem geht ALLES, was auch in Trendzeiten rauszuholen ist, in die ohnehin vollen Taschen. Irgendwie leuchtet mir das nicht ein. Ich meine sogar mal gehört zu haben, dass die Leute pro Kleidungsstück nur wenige Cent bekommen - eine Vervielfachung des Lohns, Halbierung der Arbeitszeit und Berücksichtigung der Sicherheit sollte auch mit geringeren Aufschlägen wirklich machbar sein. Wenn da die Politik mitspielen würde - ich glaube, da wäre vor Ort der Ansatz - und die Gier der Unternehmer aller Länder der Welt (und natürlich die eigene) in gesetzliche Schranken verweisen würde. Es dürfte eben gar nicht MÖGLICH sein, solche Aufträge rauszugeben und erfüllt zu bekommen.

      Aber wenn man sich jetzt in Deutschland umguckt, wie auch hiesige Großbaustellen z. B. von verbrecherisch agierenden und die Menschen verheizenden Unternehmern betrieben werden können - auch staatliche etc. - dann fürchte ich eher, dass der Trend in die andere Richtung schlägt und auch in den jetzt noch einigermaßen kontrollierten Regionen Europas genau das möglich wird (wenn es das nicht schon ist in einigen Bereichen der Wirtschaft) was wir aus den Fabriken in z. B. Bangladesh so mitbekommen. Oh Himmel, ich schreibe mich wieder in Romanrage ... aber es hängt ja doch immer alles zusammen irgendwie. Und die Fairness sollte nicht darauf beschränkt bleiben, nur einer relativ kleinen trendy-gut situierten Kundschaft, die sich das leisten kann (ich zähle mich dazu mit meinen hier und da eingestreuselten möchtegern-Bewusst-Käufen und Vermeidungsstrategien), ein gutes Gewissen zu verschaffen.

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    5. Ich kann Deinen Überlegungen folgen und die Antworten hab ich nicht. Ich hab mal versucht, auf die Schnelle eine Übersicht zu finden, welche Anteile wo verdient werden. Der geringste Teil aus dem was ich weiß sind die extrem niedrigen Lohnkosten in Bangladesh etc. Wenn die Ware hier ankommt, ist zwischen Einkauf und Verkauf noch über 50% drin. Dabei kauft man dann aber eben auch das biologisch nicht korrekt angebaute Produkt, die biologisch nicht adäquate Farbe und die schlechten Arbeitsbedingungen. Wenn die 3 Aspekte schon berücksichtigt sind, muss dich das Produkt deutlich verteuern. Wenn man dann wie Frau Trinkwalder oder Herr Trigema noch in Deutschland produziert, dann kann ich schon nachvollziehen, warum es deutlich teurer ist. Zumal ja - Du sprachst es ja auch an - die Mengen viel, viel geringer sind als sie bei H&M & Co über den Teich schippern. Da macht alleine die Fracht schon einen riesen Unterschied. Aber klar ist - je mehr fair gehandelte und ökologische Produkte wir kaufen, um so günstiger wird es auch für den Verbraucher.

      Aber Du hast Recht, der Trend geht eindeutig in die falsche Richtung. Wenn ich mir heutzutage schon die Paketdienste anschaue - den Job machen die meisten Herren nur wenige Jahre. Hetzen von einem Kunden zum nächsten um nur irgendwie auf einen adäquaten Stundenlohn zu kommen. Es gibt viele Schrauben, an denen wir drehen müssen.

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  7. Immerhin hast du der Versuchung nachgegeben uns das mitzuteilen :)

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    1. Ach, wie könnte ich dieser Versuchung widerstehen. :-)

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  8. WAS HAST DU GETAN! Ich bin krank daheim und in Frustshopping-Laune, und Du hast nix besseres zu tun, als eine Website mit cooler und fairer Kleidung zu verlinken! Raaaaaah! So, jetzt habe ich 3 Shirts bestellt, und fühle mich besser…
    Was die Unlust angeht: KIar ist es blöd, wenn's wehtut. Da hat vermutlich kaum einer Lust drauf. Aber wenn Du die Kräftigungsübungen machst, ist das ja schon mal ganz gut. Und der Rest kommt dann auch wieder. :)

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    1. Ach, das freut mich ja, wenn ich zu Deiner Genesung beitragen konnte. Poste doch mal das Ergebnis. Ich poste besser nicht alles, was ich von armedangels hab, das wär fast peinlich. :-)

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