Donnerstag, 4. Juni 2015

~ Waldgesänge ~

Wenn man an einem Feiertag morgens um 6:30 Uhr am Bahnhof in Deutz steht, dann wird man konfrontiert mit dem Überbleibsel der Nacht - in Menschenform. Ich bin froh, munter und ausgeschlafen zu sein und nicht nach einer durchfeierten Nacht auf einer Treppe zu sitzen und auf den Zug zu warten. Wobei die sicherlich Spaß hatten.

Dann der Schreck in der Morgenstunde. Das Kiosk hat nicht auf - wo bekomm ich denn jetzt Wanderproviant her. Ich war nämlich mal so gar nicht vorbereitet, eher ein spontaner Entschluss und mit dem Äpfelchen im Gepäck komme ich nicht weit. Um die Ecke und puh.. der Bäcker hat schon auf. 

Meine Bahn nach Bensberg raus, durfte ich mir mit 0 Personen teilen. Eine ganze Bahn mit 2 Zügen fuhr nur für mich nach Bensberg - sehr cool! An dem übrig gebliebenen Essen werde ich mich aber nicht gütig tun, hab ja jetzt meine Laugenstange.


In Bensberg am Bahnhof die hohe Treppe genommen und die Rolltreppe ignoriert, ich bin doch nicht zum Spaß hier. Kaum raus aus der U-Bahn, schon schreit mich der Kölnpfad an... hier gehts her.


So idyllisch finde ich die Katze auf dem Fensterbrett des Bergischen Fachwerkhäuschens, sie fand mich wohl blöd und sprang aus dem Bild.


Schnell umschließt mich wieder der Wald auf meiner Wanderung. Allerdings gefällt mir die Geräuschkulisse nicht. Ich latsche scheinbar direkt neben der Autobahn lang und es hört nicht auf. Grmpf, meine Wanderlauscher sind beleidigt, wir wollten Ruhe und Vogelgezwitcher und keinen Autolärm.

Endlich, nach 2km gehts weg von der Autobahn die Vögelchen und ich sowie der ein oder andere Jogger sind alleine auf weiter Flur.

Die Sonne strahlt schon kräftig - gut, dass die meiste Tour bewaldet ist.


Noch steht die Sonne schräg - und ich spiel mit meinem Schatten, hab ja auch sonst nix zu tun.


Dieser Waldbank belustigt mich - haben die wahrscheinlich "zur hölzernen Aussicht" genannt. Was sich vermutlich an schöner Aussicht hinter dem Holzstapel verbarg, konnte ich auch nicht sehen.


Aber MIT schöner Aussicht gehts auch.


Der Pfad geht die meiste Zeit bergab aber dann wieder ein klein wenig bergauf. Schließlich muss ich mich zum Monte Troodelöh "hocharbeiten". Die höchste Erhebung von Köln mit 118m - zwar bin ich höher gestartet aber Bensberg ist eben nicht Köln.


Stolz der Leistung posiere ich am Gipfel"kreuz". Was bin ich doch für eine wackere Wandersfrau. Hier stand ich auch schon mal mit Läufern, dem lieben Jo, der Heike und ich glaube der Bonsai-Susi aber so genau weiß ich es gar nicht mehr. Meine Güte, ist das lange her.


Entgegen meiner Wanderung bei Regenwetter, ist im Wald doch schon einiges los. Radfahrer, Walker, Jogger und Hunde. Wo kommen all die Hunde her?

Und dann - ich weiß nicht, wo es herkam - hab ich nen Ohrwurm aber mal so einen richtigen. Ein Lied aus der Stunksitzung von Köbes Underground.. "Geht uns am Ar... vorbei." Wie kommt man denn mitten im Wald auf sowas?

Dann die Begegnung mit dem Läufer und seinen 3 Hunden und der Bulldogge, die unangeleint auf mich zukommt... da singe ich doch : Lalala..lalala... geht uns am....


Hier ein kleiner Ausflug in uns kölsche Sproch. Schnacker Weg.. schnack bedeutet so etwas wie direkt/gerade. Entweder kann man der Straße schnack folgen oder man sagt einem etwas schnack ins Gesicht. Also gerade heraus... Und schnack führt der Weg - irgendwohin.


Nicht nur die A4 muss ich hinter mir lassen, sondern auch die A1 überqueren. Noch nicht so viel los auf den Straßen.


Schon lange höre ich sie, die Flugzeuge, die in Köln/Bonn landen. Ich bin in der Wahner Heide unterwegs, so heißt das Gelände rund um den Flughafen. Die landenden Maschinen fliegen direkt über mir her - eine erwische ich noch so gerade. Der erste Ohrwurm wird durch "Über den Wolken" abgelöst. Ok, ich ergebe mich.


Ein älterer Mann mit adäquatem altem Hund spricht mich an, ob ich alleine unterwegs sei. Als ich das bejahte und sagte, dass ich 18km alleine wandere, war er sehr erstaunt und fand mich mutig - also so allein durch den Wald. Ich mich nicht - bis mir einfiel, dass ich genau in dem Waldgebiet unterwegs bin, von dem mir eine Freundin erzählte, dass dort schon mehrere Frauen vergewaltigt wurden und der Täter nie gefasst wurde. Das ist dann weniger mutig als doof. Aber ich hatte es verdrängt.

Der gute Mann wars bestimmt nicht. Bevor der Hü gesagt hätte, wäre ich trotz Ischias über alle Troodelöhs gewesen. Bevor ich jemanden sage, dass ich in der Tat alleine bin, hab ich mir das schon gut überlegt.

Und dann irgendwo bei Porz spuckt mich der Wald wieder aus, die Randbebauung von Köln mutet dörflich an, wie wohl in jeder Stadt. Ich mags aber leider ist das Wohnen auch hier kaum finanzierbar. Außerdem will ich aus meinem Dorf ja gar nicht weg. Und hier mal flott die A59 queren - mit Autobahnen hab ichs heute aber auch.


Es werden so viele Leute, dass das Grüßen ausfällt. Schade finde ich das. Und was kommt da für ein Gefährt auf mich zu? Scootmobil mit Beifahrer? In der Tat - in Zweisitiges Scootmobil. Omi fährt und Opi fährt mit. Putzig und ist doch irgendwie ne coole Alternative, wenn es mit dem Auto fahren nicht mehr geht und zu Fuß auch schwer wird. Wird in mein geistiges Notizbuch aufgenommen.


Noch ein wenig durch stadtnahen Wald und Parkgelände schlurfen und ich bin schon am Ende der Tour. die hier "geschmückt" wird durch Neubauten. Sieht komisch und steril aus, oder? Obwohl mir der Baustil grundsätzlich gefällt. Wahrscheinlich fehlt einfach etwas Gestrüpps und ein wenig individueller darfs auch sein.


Etappe 9 (oder für mich 4) ist damit und mit 18km Geschichte. Der Chronometer zeigt 11.00 Uhr an - das heißt, der Tag kann noch viel bieten und das wird er auch. To be continued.

Kommentare:

  1. Noch so eine, die heute feiertagsfrei hat *seufz*

    Schöne Tour, wenn der Kölnpfad bei uns in der Nähe wäre, könnten wir mal drüber schnacken, ob ich die nicht auch mal laufen. Bei uns heißt Schnack nämlich Unterhaltung und schnacken eben sich unterhalten.

    Gut, dass Dir im Wald nichts passiert ist. Echt ätzend, dass Ihr Frauen da immer Sorge haben müßt.

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,

      Schnack als Unterhaltung ist mir auch bekannt - aber eben aus dem Norddeutschen. Wir schnacken den mal auf dem Schnacken Weg. So schnell passiert im Wald auch nichts. Gefährlich sind meist die Leute, die man kennt und nicht die Fremden.

      Gruß
      Anja

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  2. Bei Sonnenschein kommen die Bilder doch irgendwie netter rüber ;o) und schöne Wegenamen habt ihr da!

    Was die grausligen Ohrwürmer angeht, fühle ich mit dir - sowas passiert mir häufig und gerade ein erster erinnerte mich sofort an die Tage in Hamburg neulich. Dort hatte ich DREI TAGE LANG! und streckenweise auch über die Marathonstrecke Staatsbeamte von Georg Kreisler als Ohrwurm. So unabwendbar, dass ich nachts sogar vom Refrain WACH WURDE! ".. in den Arsch, in den Arsch, in den Arsch ... " *schmetter* *ächz*

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    1. Ok, ich bin also mit den Vulgärwörtern nicht allein... geht mir am Arsch vorbei. :-) Juhuuu...

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  3. Nicht schlecht! Du lässt es ja wandernderweise echt krachen! Und die Fotos sind auch wieder schön. Ja, Katzen fotografieren ist nicht einfach. Spreche da aus eigener leidvoller Erfahrung. Übrigens, jeder Ohrwurm ist besser als "Atemlos"… (hihi, jetzt viel Spaß damit!)
    :D

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    1. Wahh.. hör auf, ich will das nicht hören. Nicht, dass sich da ein Ohrwurm etabliert.

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  4. 18 km - super! Und schön isses da schon, wo du unterwegs warst. Nur die Geräuschkulisse - ich glaub, ich bin da echt empfindlich ...

    Toll auch, dass du so früh "in die Puschen gekommen bist". Ich war nicht ganz so früh unterwegs, aber auch früher als die meisten - und hatte ebenfalls nach dem Sport noch sehr viel vom Tag. Einfach gut!

    Viele Grüße,
    Anne

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    1. Liebe Anne,

      ich kann echt schon gut ausblenden aber heute hat es mich auch gestört. Der frühe Vogel fängt den Wurm.. den will ich ja gar nicht aber eben dann noch so viel vom Tag haben finde ich sehr komfortabel.

      Gruß
      Anja

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  5. Liebe Anja,
    dieser Kölnpfad ist ja wirklich ein wunderschön angelegter Rundweg! :) Die Holzstoß-Bank ist ja auch der Knüller - ich glaube, ich hätte mich dort hingesetzt und mir den Stapel in Ruhe angesehen...
    Wie ich Trododelöh las, dachte ich erst, du meinst Trüdeldü und Trideldei, aber der heißt ja wirklich so!!!!!! :D

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    1. Liebe Doris,

      ja, es ist echt Troodelöh... sowas fällt auch nur den Kölnern ein. Aber charment, finde ich.

      Gruß
      Anja

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  6. Liebe Anja, dass du dich in den tieeeeeeeeefen Wald ganz alleine wagst, Kompliment, ich mache das nicht, bei mir läuft die Angst immer mit, zumal sie hier in unserem Wald in 2007 ein junges Mädchen umgebracht haben, seitdem traue ich mich nicht mehr, abgesehen davon, dass ich sowieso ein Sch.....bin. Pass gut auf dich auf, schön ist es natürlich, wie man wieder an deinen " Beweisfotos " wunderbar erkennen kann, gute Stimmung bei dir ebenfalls - da bekomme ich richtig Lust !

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    1. Liebe Margitta,

      soweit ich weiß, finden die meisten Übergriffe durch Personen statt, die man kennt. Also die Nachbarn sind im Zweifel gefährlicher als der Wald. Man kann ja im Leben den Gefahren nicht gänzlich aus dem Weg gehen. Ich hab in der Tat eher weniger Angst - manchmal je nachdem, wer mir entgegen kommt. Aber den größten Teil nicht.

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  7. Liebe Anja,
    ha, da kann ich mal mitreden: Wahner Heide kenne ich und die ist erstaunlich lauschig, außer wenn gerade so ein Flieger drüberdonnert.
    Ja und KÖBES....! Gibs zu, da fehlte nur noch ein frisches Kölsch... lalalahlalalalahhhh!
    Liebe Grüße
    Elke

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  8. Liebe Elke,

    um 11 Uhr schon eine 18 Kilometer lange Wanderung bewältigt. Wow, warst Du früh unterwegs.

    So eine Mischung aus Natur, Autobahnen und Flugplatz gibt es nur am Rande einer Großstadt. Sicher interessant, was Köln dort zu bieten hat.

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    1. Liebe Grüße
      Rainer

      Das hatte noch gefehlt, aber blogspot hat mich wieder rausgeworfen, bevor ich am Ende war ...

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    2. Hahaha,.. Rainer. Also, ich hab Doris schon Elke genannt. Doris an mich schon Elke genannt und jetzt reihst Du Dich auch ein. Als ich bin Anja, Doris ist auch nicht Elke und Elke ist Elke... gg

      Früh unterwegs ist ja meine Spezialität. Die Mischungen haben in der Tat auch ihren Reiz auch wenn eine Wanderung pur in der Natur natürlich noch schöner ist.

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  9. Liebe Anja,

    da ist so viel auf deiner Wanderung passiert - Aussichten, Ohrwürmer, Gipfel, Begegnungen, dass ich gar nicht glauben kann, dass es 'nur' 18 km waren. Schön der Kölnpfad!

    Herzlichen Gruß!

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    1. Liebe Nido,

      und ich hab wohl nur die Hälfte erzählt. :-) Ja, der Kölnpfad ist echt schön. Freue mich schon auf die nächste Etappe.

      Gruß
      Anja

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