Sonntag, 19. Juli 2015

~ Lieber Herr Gesangsverein ~

Es sollte eigentlich heißen: Lieber Herr Eifelverein... aber das klingt, als ob ich ein nettes Schreiben aufsetzen wollte.. nein hier kommt ein kleines empörtes... Mein lieber Herr Gesangsverein.

Nach meiner Tour gestern war für mich schon klar, dass heute noch mal eine Etappe ansteht. Der Herr des Hauses will einen Lese-Couch-Tag machen. Gestern noch in Düsseldorf im Museum die großformatigen Fotos des Herrn Wim Wenders angeschaut und beim Ingwerbuam (Gingerboy) lecker mit Freunden gespeist, zieht es mich heute schon wieder nach Draußen.

Wenn da nicht dieser fette, fiese Landregen wäre.

Vor Schreck lässt Roberta schon ihrer neuen Blüten auf den Boden fallen und mein Optimismus fällt auch erstmal ins Wasser. Gegen Regen hab ich ja nix aber bei dem Regen bleib ich doch zu Hause.



Aber kommt Zeit, kommt Kölnpfad und um 9.00 Uhr bin ich dann doch am Start. Es regnet wohl noch aber das ist nur das Wasser, das von den Bäumen auf mich runter tropft. Den Regenschirm mal vorsichtshalber unter den Rucksack geschnallt - da kann mir nix passieren.


Nach ein paar Schlenkern und Sraßenkreuzungen und dem Römischen Wasserkanal, den ich hier aufgrund frühmorgenlicher Knipsuntauglichkeit nicht als Bild präsentieren kann, lande ich in dem Teil des Grüngürtels, den ich wie meine Westentasche kenne. Hier hab ich meine ersten längeren Laufrunden gedreht, damals, über 10 Jahre her. Für nur 3 Jahre war es mein Laufrevier und wie man sehen kann, nicht nur meins. Ich glaube, das ist DIE Kölner Laufautobahn oder das, was für die New Yorker der Central Park ist.


Und obwohl ich damals hier viel unterwegs war und auch schon mit Kamera bewaffnet lief (lustig, damals gab es noch keine Smartphones) ist mir nie aufgefallen, wie eigenwillig die Bäume hier gewachsen sind.


Ein wenig Dunst liegt noch überm See.. idyllisch ist es schon.


Und ein Waldkindergarten ist hier - hätte ich Kinder, ich hätte sie möglichst so unterbracht. Was muss das toll sein, den ganzen Tag in der Natur zu sein und mit dem zu spielen, was sie einem bietet. Ich durfte so aufwachsen aber wie vielen Kindern ist das heute verwehrt.


Und - mein lieber Herr Eifelverein - hier fangen Sie an, mich ein wenig auf den Arm zu nehmen. Ich kenne die Strecken gut und kann wahrscheinlich noch auf den Kilometer genau sagen, wie weit es bis zum Stadion ist. und was machen Sie, Herr Eifelverein? Sie schlagen Haken - kreuz und quer - durch diesen Bereich des Grüngürtels.

Das bringt mich psychisch ein wenig aus dem Gleichgewicht. Ich kenne hier ja alles, auch wenn es so schön ist, ist es irgendwie ein ganz klein wenig langweilig auch wenn ich mich auf die Begegnung mit meinem alten Laufrevier gefreut hab.

Und das ist gar nicht schön, Herr Eifelverein, wenn Sie den Kölnpfad hier künstlich verlängern.

Wer findet im übrigen die Läuferin?


Interessant wird es hier, weil dieser Schäferhund laut bellend auf uns runterschaut und scheinbar das Fort IV bewacht. Während der Hund, der unten mir entgegen kommt, als Reaktion mich anbellt aber noch von seiner Halterin festgehalten werden kann.



Bezaubernde Märchenwelt, direkt hinter dem Fort.


Und nach mehreren Haken (Danke Herr Eifelverein) die harte Realität. Minigolf am Haus am See. Wobei mich hier schöne Erinnerungen an die Hochzeit meiner Freundin Carmen verbinden.


Jetzt kommt ein ganz böser Haken - es geht zurück am Wasser entlang in die Richtung, wo ich herkam - aber der Blick auf die Kastanien ist schön. Hier raschelt es im Herbst, was das Zeug hält und die Kinder sammeln jede einzelne Kastanie auf. Wer sieht die Läufer?


Ich überquere die Bahnstrecke der Linie 18 und das Feld öffnet sich.. Läufer.


Der nächste Haken folgt - ich bin psychisch labil heute morgen - ich will weiter, nicht hier immer hin- und herlaufen. Aber Schnecken mit und ohne Eigenheim sind unterwegs. Und dem aufkeimenden Impuls, die Strecke abzukürzen, kann ich widerstehen.


Wer kennt denn dieses Gewächs hier? Noch nie gesehen.


Das Terrain, was nun folgt, umschließt eine offizielle Laufstrecke der sogenannten Generalprobe. Diesen Halbmarathon bin ich zweimal gelaufen und meine Bestzeit hier abgesteckt. Erwähnte ich, dass ich das Terrain kenne?

Trotzdem ist es immer schön, den Adenauer-Weiher zu sehen und dahinter unser Stadion, dem ich mich nun endlich nähere.



Und nach wiederum einem Haken, kann man über die Jahnwiesen die Rückseite des Stadions bewundern. Hier vorne auf der Wiese hab ich Robbie geschrien, während Herr Williams bei Nieselregen ein großartiges Konzert gab.


Links vorbei am Stadion - diesmal ohne Haken -


um dann das Ganze von Vorne zu betrachten.


Und endlich beginnt für mich neues Terrain, zwar immer noch im Grüngürtel und immer noch mit leichten Haken und ähnlicher Landschaft aber wenigstens kenn ich hier nix.

Und auf einmal sehe ich das hier und lese an einer Tafel, dass es sich hier um unser "ältestes erhaltenes Bahnhofsgebäude Deutschlands an der ersten internationalen Eisenbahnverbindung weltweit „Eiserner Rhein“" handelt, nachzulesen hier Das Ganze in keinem guten Zustand und da ich nur eine Festbrennweite auf meiner Kamera hab, kann ich es auch nicht ganz zeigen Aber es soll wohl restauriert werden, sehr spannend.


Und nachdem mich das Bild belustigt, sehe ich, dass dahinter ein Haus ist, in dem viele Jahre der Bildhauer Gerhard Marcks gelebt hat. Gerhard Marcks hat u.a. die Bremer Stadtmusikanten "erstellt" - wusste ich nun auch wieder nicht, dass der hier gewohnt hat.


Was höre ich da? Gewittergrollen? Ich kanns nicht zuordnen, stehe gerade an einer Autokreuzung. Wie dem auch sei - es sind noch 5km bis zum Schluss der Wanderung und ich leg mal ein Brikett nach. Kann ja nicht schaden. Letztendlich sind es wohl Flugzeuge gewesen - Puh!

Ein Foto noch von der sich (Danke Herr Eifelverein) ändernden Landschaft und es geht ohne weitere Schlenker Richtung Bocklemünd.


Dort endet die Etappe heute nach 16,5km, ich bekomme direkt die Bahn, die mich auf kleinem Umweg wieder zum Signor Verde führt. Der lockt heute mit Luxusfrühstück - Kaviar mit Prosecco und einem riesen Frühstücksteller - ein nettes ausführliches Pläuschchen inklusive.



Zu Hause angekomme, schaffe ich es o gerade noch, die Bilder auf den Rechner zu ziehen - und falle in einen kurzen aber komatösen Schlaf. 2 Wanderungen, eine Ausstellung, ein Abendessen mit Freunden, 2 x Frühstück beim Grünen Herrn... was für ein Wochenende. Und da hab ich das Überraschungsfrühstück des Nachbarn und die selbstgemachte Limonade, die ich heute vor meiner Haustür fand, noch gar nicht erwähnt.

Lieber Herr Eiflverein, mittlerweile hab ich Ihnen die Schlenker verziehen und jetzt erhole ich mich mind. eine Woche. Noch geschätzte 2 Wanderungen, dann hab ich Köln mit den 170km umrundet. Muss ich noch mal erwähnen, dass das diverse Helden in einem Rutsch durch gemacht haben. Bei 40°C? Hammer!

In dem Sinne - bleibt gesund und habt ne schöne Woche und vielen Dank, dass Ihr so treu meinen ganzen Text lest und die Bilder schaut - ich kann so schlecht aussortieren.

Kommentare:

  1. Na bitte, ein bisschen Geduld - schon schlägt das Wetter um und es wandert sich mehr oder minder idyllisch! So ein Zickzacklauf ist allerdings schon sonderbar ... ;-)

    Kein Wunder, dass du nach diesem (Hyper-)Aktiv- und Schlemmerwochenende erstmal ein Schläfchen brauchtest!

    Das Gewächs ist übrigens Aronstab. Wunderhübsch, aber - wie die meisten Pflanzen mit knallfarbigen Beeren - hochgiftig!

    Viele Grüße,
    Anne

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    1. Aronstab - aha, noch nie gehört. Dass es giftig ist, hab ich vermutet. Wieder was gelernt.. ganz viel hab ich heute gelernt.

      Vielen lieben Dank, Anne!

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  2. Liebe Anja,
    dein Schläfchen war wohlverdient. Wer kreuz und quer durch die Botanik eilt und dann noch so tolle Bilder mitbringt, hat ja schließlich was geleistet! :)
    Ich mag die Läufersuchbilder - sowas hatte ich früher oft von unseren Motorradurlauben, wenn doch die Gegend so toll war, dass man schlußendlich den Fahrer nicht mehr sah! :D

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    1. Liebe Doris,

      ich hab versucht, die Läufer zu zählen, die mir begegnet sind und irgendwann aufgegeben. Aber selbst das Areal hatte ich früher meist für mich - der frühe Vogel und so...

      Ich glaube, ich schlafe heute tief und fest.

      Gruß
      Anja

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  3. Also ich arbeite mich gerne durch Deine Texte und Bilder weil ich es liebe andere Regionen unserer Republik auf diese Weise kennenzulernen. Das wir dabei auch noch die Wiege Deines Läuferlebens erleben dürfen, macht es doppelt spannend :-)

    Woraus macht man denn in der veganen Welt Kavier?

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,

      lieben Dank - ich fürchte manchmal, dass ich mit meinen langen Texten und vielen Bildern etwas zu viel abverlange.

      Bzgl. veganem Kaviar - das hab ich heute auch gefragt, wobei die Antwort ganz logisch ist. Algen und Geliermittel - schmeckte echt gut. ich geb zu, dass ich nie ein Kaviarfreund war, schmeckte mir oft zu fischig - aber das hier war echt lecker.

      Gruß
      Anja

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  4. Die Pflanze habe ich auch schon gesehen - aber keine Ahnung, wie sie heißt.

    Diesmal kann ich mich angesichts der gigantischen Fotoausbeute wirklich nicht auf einen Favoriten festlegen!

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    1. Anne hatte es ein Stück weiter vor benannt - Aronstab heißt dieser Beerenstengel.

      Mein Favorit ist der verwunschene Pfad - aber ich hab ja auch das Original vor Augen, das noch viel hübscher war - wie ja so häufig.

      Gruß
      Anja

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  5. Hallo Anja,

    da ist sie ja schon die nächste Etappe und diesmal (bis auf Haken) vor allem positiv und keinesweg zu lang im Bericht.

    Mein Lieblingsbild ist die Märchenwelt. Die schrägen Bäume: vom Menschen an der Innenseite beschnitten (sieht rechts genauso aus) oder vom Wind verweht (rechts hängt über den Pfad.)

    Und was ist an Minigolf harte Realität? Doch ein netter Zeitvertreib.

    Herzlichen Gruß!

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    1. Hallo Nido,

      Minigolf ist für mich irgendwie eine extrem spießige Angelegenheit. Die Anlagen oft (nicht in dem Fall) sehr runtergekommen und wenn man vorher mehr oder weniger in der Natur unterwegs ist, ist eine Minigolfanlage doch das Zeichen, dass das hier einfach künstlich und für die hier wohnenden Menschen angelegt ist - so ungefähr. Bei mir rufen Minigolf-Anlagen immer komische Gefühle hervor, dabei haben die mir nix getan, wenn ich mal so drüber nachdenke.

      Gruß
      Anja

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  6. Liebe Anja,
    Du bist ja echt konsequent auf Schusters Rappen unterwegs! Ha, und das Terrain kenne ich ja, vom Torura-Lauf (Im September wieder). Warum man da eine Zickzackroute für die Wanderung gelegt hat, erschließt sich mir nicht so ganz. Aber mit dem Bahnhöfchen, das ist ja dann wieder entschädigend. Interessant, das war mir auch neu!
    Danke fürs Mitnehmen und liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke,

      naja, konsequent oder einfach bewegungslustig. Ja, ich hab an Euch gedacht - wusste aber nicht, welchen von den "Bergen" ihr da hochgelaufen seid. Die Zickzackroute an sich ist ok, wenn man das Gelände nicht kennt. Es führt schon an schönen Gegebenheiten vorbei - nur wenn einem das alles bekannt ist und man weiß, dass es generell Richtung Stadion gehen soll, dann ist das schon komisch.

      Den Bahnhof und andere kulturelle Ortschaften in Müngersdorf werde ich demnächst mal mit meinem Besten erkunden. Müngersdorfer Kulturpfad.

      Gruß
      Anja

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  7. Ach ja, liebe Anja, habe ich es schon gesagt, wenn nicht, ich wiederhole mich gerne, freue mich über " unseren " erneuten Ausflug in deiner Heimat, macht Spaß - und sogar Kaviar mit Prosecco gab es, ich kann nicht meckern !

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    1. Liebe Margitta,

      dann ist ja gut. :-)

      Gruß
      Anja

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