Freitag, 24. Juli 2015

~ Schlag mich ~

Die Stahltür rastet lautstark ein, der Schlüssel dreht sich im Metallschloss mit einem lauten Klick und es ist zu.

Die tiefe Stimme sagt zu mir drohend: "Guten Tag Frau Blumenmond, ich darf Sie heute quälen?"

Ich deute kurz eine Flucht an, lasse mich aber dann auf das Spiel ein.

Ein wenig später sprechen wir über schwarze Masken und Peitschen und das Leid des Physiotherapeuten, dass man bei Kieser weiße und keine schwarze Kleidung tragen muss.

So fängt das durchaus amüsante Training am Freitag Abend an. Hat es sich ja doch gelohnt, dass ich noch rechtzeitig von einem Feierabend-Koma-Schlaf aufgewacht und mit meinem spießergrauen Automobil in die Folterwerkstatt gefahren bin.

So richtig traue ich mich nicht zu fragen, ob sie mich in den zwei besonderen Foltermaschinen mal fotografieren. Eine dieser Maschinen ist auf deren Seite hier abgelichtet. Klick Diese dient der Lendenwirbelmuskulatur. Wenn die einen fertig in der Maschine fixiert haben, kann man außer den Oberkörper nichts mehr bewegen. Beine, Füße, Hüfte... alles fixiert. Ich bin sicher, ich bräuchte jetzt nur noch einen großen, weißen Helm und dann könnte ich in der Haltung ins All geschossen werden.

Die andere Maschine, von er ich leider (die wissen schon, wieso) kein Bild finde, ist eine Maschine für die Nackenmuskulatur. Hier wird alles ab den Oberschenkeln aufwärts fixiert, so dass man nur noch mittels des Kopfes (die Schultern werden so eingeklemmt, dass ich kaum noch atmen kann) das Gewicht bewegen kann. Hat beim ersten mal heftig Kopfschmerzen verursacht, jetzt gehts aber. Leute, ich werde demnächst nur mit der Kraft meiner Nackenmuskeln Umzugskisten schleppen. Ich schwöre.

Beckenboden ist heute ein Desaster - bei den anderen Maschinen schlage ich mich leidlich. Der Sado-Maso-Physio hat immer nen lockeren Spruch auf den Lippen - und zack, schon wieder ist die Zeit rum.

Fazit - auch ohne Lack und Leder eine gute Quälerei - ob genüsslich, weiß ich jetzt nicht - aber Hauptsache es hilft. Die Abstände des Schmerzes des Bandscheibenvorfalles werden kürzer. Ich muss weiter fleißig bleiben, dann wird es schon irgendwann werden, denk ich einfach mal.

Und zum Auftakt des Wochenende, die 436. Ausgabe von Roberta.. warum? Weil diese Nacht und Morgen Gewitterstürme drohen und ich fürchte, dass sich die vielen, vielen Blüten in Wohlgefallen auflösen werden. Meine Wandervornehmungen für Morgen sind damit auch vom Tisch.. aber es gibt ja noch andere Wandertage.

Schönes Wochenende wünschen Frau Blumenmond in Lack und Leder und Frau Roberta, ganz nackisch


Kommentare:

  1. Liebe Anja,
    vielen Dank, dass du uns so tiefe Einblicke in deine Art der "Freizeitbeschäftigung" gewährst! :D
    Tja, die einen lassen sich quälen, die anderen quälen sich eben lieber selbst (Ich sag nur Hügellauf bei drückend schwülen 26°)! Aber dein Gerät #1 erinnert mich doch sehr an eine modern gestylte Streckbank! Bist du sicher, dass das Studio in den späten Abendstunden nicht doch auch ein wenig anders genutzt wird??? ;D
    Du könntes die Blütenblätter von Roberta doch schon vor dem Gewitter sammeln und für das nächste Genußbad verwenden... dann würden sie nicht traurig durch die Gegend geweht!

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    1. Liebe Doris,

      nein, da bin ich mir nicht sicher. Und schon gar nicht, wenn dieser Physiotherapeut anwesend ist.

      Das mit den Blütenblättern ist ja ne gute Idee. Mir ist zwar bei dem Wetter so gar nicht nach Vollbad aber ich könnt meine Meinung dazu ja wunderbar ändern.

      Gruß
      Anja

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  2. Also zu meinen Kieser-Zeiten gab es keine Maschinen, an die man gefesselt wurde. Schade eigentlich! :-)))) Vielleicht ist das der Grund, warum es Kieser in Oldenburg nicht mehr gibt ;-)

    Im Ernst: Hauptsache es hilft!

    Und die gute Roberta wird sich vom morgigen Unwetter auch noch wieder erholen. Für Foto Nr. 437 und folgende ;-)

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. dass sie die Leute an MAschinen fesseln, trauen sich die Kiesers vermutlich erst, seitdem dieser schattengraue Massentrend salonfähig geworden ist. Und sprechen seitdem ein breiteres Publikum an - siehst ja: sogar für Anja dürfen Peitschen und Kabelbinder gezückt werden :-p

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    2. Gibts gar nicht. Jetzt verschwinden sogar meine eigenen Kommentare. Also.. Volker, tut mir leid, dass es bei Dir diese Art von Training nicht gab. Und ja, Hauptsache, es hilft.

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    3. Und Lizzy, ich vermute, du hast so wie ich das Buch nicht gelesen und trotzdem wissen wir, worum es geht. Und sollte der Physiotherapeut beim nächsten mal Kabelbinder rausholen, weiß ich Bescheid.

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    4. diese Bücher braucht man genaus wenig zu lesen wie Dschungelcamps und Konsorten zu gucken. Die Medien - auch die, die gemeinhin unter "seriös" oder sogar "anspruchsvoll" gelistet werden - verhindern auf diverse, nicht umgehbare Arten, sowas NICHT zu kennen in gewisser Weise. Streckenweise hat mich das sehr genervt - im Moment isses mir mal wieder wurscht und immerhin gibt`s in der Familie einige, die von Büchertrends profitieren ;)

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  3. Höma Anja - wenn ich das hier lese, kann ich mir nicht vorstellen, dass Du aus Spinning geil finden würdest. Wenn Du willst, kannst Du Dich dabei auch schwarz anziehen und/oder einen Helm aufsetzen. - Okay, das mit dem Helm lass lieber... ;-)

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    1. Und wie ist es mit Latexmütze? Nee.. Quatsch. Es wird wohl der Tag kommen, an dem ich Spinning ausprobiere.

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  4. Wenn die Tür erst mal ins Schloss gefallen ist, ist Schluss mit lustig, aber es ist wie im " richtigen " Leben - from nothing comes halt nothing ".

    Qualen gehören dazu, die einen mit Foltergeräten, die anderen ohne.

    Auch ich bin durchs finstere Tal, und jedes mal, wenn meine liebe Physiotherapeutiin ( 1,83 groß, Schuhgröße 43) sich vor mir aufbaut, wird mir Angst und Bang, ABER - jetzt kommmt das große ABER, sie hilft mir, dafür lasse ich mich quälen - du weißt jetzt auch, dass die Qualen nicht umsonst sind - oder was ?

    Roberta indes verzückt immer aufs Neue unsere Gemüter, möge es immer so bleiben.

    In diesem Sinne, liebe Anja, halte durch - es lohnt sich !!

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    1. Genau, von Nothing comes nothing. So siehts aus. Ich quäl mich ja eigentlich ganz gerne und es ist ziemlich gut, dass jemand auf mich aufpasst. Ich neige ja eher, zu viel zu machen und die bremsen mich ein wenig aus. Und ich bekomme auf einmal wieder Muckis an den Oberarmen. Das steht mir gar nicht schlecht.

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  5. Liebe Anja,
    ja wie sagen wir hier so schön: "Von nix kütt nix". Ich habe aber meinen Myo-Menschen auch schon einmal spaßeshalber gefragt, ob ihn schon jemand auf Schmerzensgeld verklagt hat...
    Ich verstehe nur nicht den Satz " Die Abstände des Schmerzes des Bandscheibenvorfalles werden kürzer" Sollten die Abstände der Schmerzattacken nicht länger werden bzw. der Schmerz nachlassen...?
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke,
      der Physiotherapeut erzählte mir von einem Lehrer, der die Schüler fragte, wer von ihnen denn ein Sadist sei.. lange Geschichte aber zum Schluss hat er eben erklärt, dass man für den Job sadistische Züge haben müsse, sonst würde man den Schmerz und das Problem nicht finden.

      Was ich sagen wollte: Die Abstände der schmerzfreien (bzw. .-reduzierten) zu den schmerzhaften Zeiten werden größer. Ich bin mehr schmerzfrei bzw. schmerzreduziert als schmerzhaft unterwegs. Deutsche Sprache iss aber auch schwer.
      Gruß
      Anja

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  6. Brrr, an eine Maschine fixiert zu werden, klingt gruselig. Aber was soll's, Hauptsache es hilft dir, liebe Anja! :-)

    Viele Grüße & weiterhin amüsante Erlebnisse im "Folterkeller",
    Anne

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    1. Liebe Anne,

      es scheint zu helfen - langsam aber hoffentlich irgendwann mal endgültig.

      Und die Erlebnisse im Folterkeller hängen mit ihrem Amüsement stark vom Kerkermeister ab.

      Gruß
      Anja

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