Sonntag, 5. Juli 2015

~ Verhältnismäßigkeiten ~

Gestern hatte ich Premiere, den ersten Dienst im Café. Bisher nur gebacken aber noch nie im Café bedient. Das hat durchaus Spaß gemacht und "Dank" des Wetters hielt sich der Stress auch schwer in Grenzen - es wagt sich bei dem Wetter kaum jemand vor die Tür. Ab und zu kann ich das mal machen - immer auf der Hut, mich mit all meinen Interessen und Aktivitäten bloß nicht zu übernehmen. Es darf nur so viel sein, dass es eine Erholung ist - die Hauptenergie muss ja nach wir vor in den Job fließen. Aber ich find, ich hab das ganz gut im Griff. Alle Aktivitäten dienen der Erholung. Und wenn ich nach einer harten und heißen Woche noch bis 22.00 Uhr in der Küche stehe, um Brownies, Eis-Kuchen und Eiersalat zu mixen und zu backen, leidet mehr das Nervenkostüm des Besten. Die offene Küche ist nicht immer ein Vorteil. Für mich ist es in der Tat Entspannung.

Im Café Gespräche, wie schnell sich das Leben ändern kann. Noch frisch und noch zu sehen, was man daraus macht. Ich kenne das.

Als ich nach Hause fahre, sehe ich schon den Hubschrauber, der flach über den Rhein fliegt. Mittlerweile weiß ich, was es bedeutet. Wenn es keine Übung ist, kein gutes Zeichen. In der Tat ist bei uns im Rhein mal wieder ein Kind von der Strömung erfasst worden, es hat es nicht geschafft. Die Gedanken ziehen an meinen innersten Organen. Auch wenn ich weder Kind noch Eltern kenne, so schmerzt es mich, was die Menschen jetzt aushalten müssen - nie mehr wird es sein wie vorher.

Meine Freundin in Hamburg bangt um ihren fellnasigen Liebling. Gift gefressen. Ausgelegt wahrscheinlich von irgendwelchen Hundehassern. Ich lese das in letzter Zeit häufiger. Kommt das häufiger vor oder ist es so, dass man es durch die sozialen Medien einfach mehr liest? Krank und schlimm. Nach 2 Nächten scheint er es Gott sei Dank überstanden zu haben. Ich bin froh, hab ein wenig mitgelitten. Nicht auszudenken, wenn "unserem" Fidel so etwas passiert.

Und alles geht mir einfach näher als früher. Meine Haut wird dünner mit den Jahren. Aber grundsätzlich ist das gar nicht wirklich schlimm.

So... und jetzt schreibe ich die Gedanken nieder und jammer in 2 Stunden wieder über die Hitze - ohne Verhältnismäßigkeit. Aber so ist das eben.

Damit das hier nicht fotolos ist, gibt es 2 Fotos der Hortensie, die ich im letzten Jahr geschenkt bekam. Gegen Herbst hatte ich sie kläglich vernachlässigt und dann stark zurück geschnitten. Mittlerweile sprengt sie fast den Blumenkasten - ist quasi explodiert. Das mit den blauen Blüten ist mir zwar nicht gelungen aber was solls.

Habt eine gute Zeit und denkt dran - jeden Tag so genießen, wie es Euch genehm ist. Morgen kann die Welt schon ganz anders aussehen. Mit den Gedanken schicke ich ganz große Wünsche über den Teich nach Canada.. falls Du es hier liest.

Kommentare:

  1. Dieses Ausmaß an Küchenaktivitäten, wie du sie beschreibst, könnten bei mir niemals als Entspannung funktionieren. Egal, mit welchem Hintergrund. Alle Achtung.

    Zu allem anderen und insbesondere der "zunehmenden Dünnhäutigkeit" (und wie gut ich das kenne und sehr oft sehr anstrengend finde), lasse ich mal was vom "Abreisskalender" da:

    Mitgefühl ist die Antwort des Herzens auf den Schmerz. Wir haben Anteil an der Schönheit des Lebens und am Ozean der Tränen. Das Leiden am Leben ist Teil unseres Herzens sowie Teil dessen, was uns miteinander verbindet. Es trägt eine Zärtlichkeit in sich, ein Mitgefühl und ein Wohlwollen, das alle Dinge umfängt und jedes Wesen berühren kann.
    Jack Kornfield (* 1945)


    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Lizzy,

      im Moment ist das wirklich Entspannung, das kann natürlich total schnell umschlagen. Aktuell bespreche ich ein Kochbuch, das genau nach meinem Gusto ist. Rezepte, die nicht mal nebenher gekocht werden und die noch super fotografiert sind. Großartig.

      Danke für den Abreisskalender. Das ist ziemlich gut.

      Löschen
  2. Was ist das für ein Café, in dem du zeitweilig aktiv bist ?

    Was die weniger schönen Ereignisse im eigenen Leben und dem anderer betrifft, so traurig und prägend Schlechtes, Unerwartetes ist, es prägt das eigene Leben entscheidend, macht demütig und dankbar, das hast du selbst erleben müssen, wenn du schreibst : " und alles geht mir einfach näher als früher. Meine Haut wird dünner mit den Jahren. Aber grundsätzlich ist das gar nicht wirklich schlimm.".

    Auch ich habe es erlebt, davon profitiert, schätze das Leben, den Tag, die Natur, alles Gute um mich herum noch mehr, bin dankbar dafür, genieße den Moment, mehr denn je, immer mit dem Wissen, dass es morgens ganz anders sein kann, wie mich meine direkte Umwelt gerade wieder belehrt.




    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Margitta,

      es handelt sich um das Laleli in Solingen. Das Café wird rein ehrenamtlich betrieben. Wir sind ein gemeinnütziger Verein, dessen Zweck die Förderung des Tierschutzes und des Umweltschutzes ist.

      Ansonsten.. ja, entweder man härtet im Alter ab oder man erweicht. Ich finde Letzteres gar nicht so schlecht.

      Alles Gute Deinem Umfeld. Es geht immer so schnell.

      Gruß
      Anja

      Löschen
  3. Liebe Anja,
    zum Glück haben wir alle diese Verhältnislosigkeit bis zu einem gewissen Grad. Sonst hätten wir doch alle ernsthafte Probleme, unser Leben einfach mal zu genießen oder eben auch mal über's Wetter zu meckern! ;)
    Dass es eben immer wieder Momente gibt, in denen die Prioritäten zurechtgerückt werden, sei es durch Gespräche, einen Hubschrauber, das stille sich Bewußtmachen der Tatsachen oder was auch immer, bietet uns doch andererseits auch die Chance, das was wir haben, bewußter zu genießen, mehr zu schätzen und wahrzunehmen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Doris,

      absolut - unterschreibe ich sofort. Genau das ist es - jeden Moment, so es geht, genießen. Du weißt nie, was morgen ist. Es ist auch gar nicht so, dass ich glücklich sein vor dem Hintergrund des Elends der Welt als schlecht empfinde, im Gegenteil.

      Wir waren gestern noch im Kino und haben das hier geschaut: http://www.kino-zeit.de/filme/trailer/am-koelnberg

      Wir waren nach dem Film mehr als beeindruckt und verstört. Aber es lehrte Respekt und Hochachtung vor genau diesen Menschen. Kann ich gar nicht beschreiben, man muss den ganzen Film gesehen haben.

      Aber wir brauchten ne Weile danach, bis wir wieder einigermaßen frei in Gedanken waren. Großartige Dokumentation von Filmstudenten eines absolut sozialen Brennpunktes in Köln.

      Leben genießen und auch etwas von dem Glück abgeben, das man selbst hat.

      Löschen
  4. Liebe Anja,
    ich stelle mir das sehr interessant vor, im Café mal mitzutun. Ganz etwas anderes, als ein Bürojob. Tja, von dem tragischen Unglück am Rhein habe ich auch gehört, schlimm. Und dann noch Giftköder für Tiere...
    So etwas geht mir auch immer nahe. Es zeigt, je mehr man solches hört/liest, je deutlicher, dass das Leben kein Abo auf Gutgehen ist. Von jetzt auf gleich kann sich etwas ereignen, das schlimmstenfalls alles auf den Kopf stellt. Umso mehr sollte man im Hier und Jetzt sein und jeden Tag bewusst genießen. Vielleicht ist das die Erkenntnis, die Du mit "dünnhäutig" beschreibst, ich würde sagen, man nimmt zunehmend bewusster wahr.
    Liebe Grüße
    Elke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja Elke, genau das ist es.

      Und bzgl. Café. Es ist wahrscheinlich schon anders, wenn man ein Café mit Laien betreibt. Das erfordert viel Organisation und ein paar Köpfe, die echt viel, viel Zeit rein investieren. Aber es ist so toll geworden und dann möchte man auch, dass es weiter wächst. Das Arbeiten an sich ist für mich kein Stress, weil es einfach komplett anders ist. Nur ständig würde ich das nicht wollen. Deshalb backe ich an jedem Wochenende und war jetzt zum ersten mal im Einsatz. Generell möchte ich am WE die Zeit für meinen Besten und unsere Unternehmungen haben - auch für uns ist es nicht selbstverständlich, dass wir das heute können. Von daher... liebe und leben oder so....

      Löschen
  5. Liebe Anja,

    dass die Arbeit für das und im Café (auch) Freude bringt und entspannt, kann ich gut nachvollziehen! Ich kann im Werkeln in der Küche auch total aufgehen und alles vergessen. Gerade den ganzen Quatsch und Banalitäten im Job, die mich manchmal unverhältnismäßig auf die Palme bringen. In letzter Zeit macht hat mir diese Unverhältnismäßigkeit manchmal ganz schön zu schaffen gemacht. Daher versuche ich jetzt wieder ganz bewusst das rechte Maß herzustellen und auch Dinge an mich ranzulassen, gegen die ich mich zuletzt hart gemacht hatte. Ich finde es nämlich auch gar nicht schlecht, (wieder) etwas dünnhäutiger zu sein - nur eben bezogen auf Geschehnisse, die wirklich Mitgefühl "verdienen" und dazu beitragen, das eigene Leben nicht zu wichtig zu nehmen. Klar, man lebt nur dieses eine Leben, und für das ist man verantwortlich. Aber trotzdem ist man nicht der Nabel der Welt!

    Liebe Grüße,
    Anne

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, liebe Anne. Das hat mich heute doch geerdet. Oft, wenn man sich aufregt und aufreibt, sind es doch die Interpretationen von Situationen. Vielleicht vom Gegenüber gar nicht so gemeint. Ich werde mir das im Mantra vorsagen. Danke dafür.
      Anja

      Löschen