Sonntag, 9. August 2015

~ Wanderweiberpremiere: Die 16,3 von Odenthal-Altenberg ~

Heute ein Gastbeitrag der wunderbaren Marion alias Hechta Schmitz oder alias irgendwas mit Montana... Love you, meine Spießerfreundin!

Sonntag, 2.8., zwölf Uhr undenbisschen: Die Mittagssonne lacht bei muckeligen mindestens 25° vom knatschblauen Himmel über´m Bergischen, als ich mit fast keiner Verspätung auf den Wanderparkplatz Schöllerhof rolle. Auf dem Beifahrersitz kippeln unternehmungslustig meine Wanderstiefel, direkt daneben das sorgfälig gepackte 25-Liter- Daypack. 
Schabbvorfreude. 

Heute isset soweit: Anja und ich gehen wandern. - Wer uns beide schon ein paar Tage länger kennt, wird sich ein nach innen geschmunzeltes „Wer hätte das gedacht..?“ kaum verkneifen können. 

Weiter vorne sehe ich ein paar leuchtendgelbe Laufschuhe mit Jeansshorts drüber - da is dat Wicht! Also flugs Karre abstellen und los. Abstellen scheint erstmal gar nicht sooo einfach, et is gerammelt voll hier. Aber dann habbich Glück. Im Rennen um den einzigen gerade freiwerdenen Parkplatz verweise ich einen Mitbewerber mit gleichermaßen freundlichen wie eindeutigen Zeichen zurück auf seine Warteposition und packe mein kleines Auto dankbar in die Lücke. 

Nach einem kurzen Abgleich mit Anja´s Wanderausrüstung - leichte Hokas an den Füßen, Shorts, Shirt, 5-Liter-Laufrucksäckchen, die EOS locker um den Hals baumelnd - nehme ich kleine Anpassungen auch an meinem Unterwegszeug vor. 

Foto Marion
Ich entscheide mich zum Beispiel, anstelle der wohl etwas übertriebenen Wanderstiefel ebenfalls auf meine Laufschuhe zu vertrauen - immerhin steht da sogar was von Trail drauf, das sollte genügen. Flott die Innensohle tauschen, und die Stiefel bleiben in der Karre - gut. Auch der Wanderführer (ach, Du hast den gleichen..?) fliegt wieder raus aus dem Daypack, ebenso wie eine zweite Tupperdose Müslibrocken. Mit einem weiteren gezielten Handgriff fische ich räuspernd meine Regenjacke von ganz unten zwischen einem Wollpulli und einer Fleeceweste heraus und lasse auch die etwas verschämt wieder ins Auto segeln. 
OK, wir können. - 16,3 Km durchs Bergische. Für Anja ein längerer Spaziergang, für mich die große Tour. 

Auf geht´s! - Erfreulich zügig auch auf dem richtigen Weg, denn lästiges Suchen nach dem Einstieg bleibt uns komplett erspart. Die schlaue Frau hat die Route als GPS-Track auf der Laufuhr. Schbinbegeistert. Kein Rumgerate über die Strecke, kein stirnrunzelndes Kopfschütteln, weil eine Kennzeichnung plötzlich endet oder in wirrem Schilderpuzzle mündet. Zwischendurch pfeift uns der digitale kleine Racker zurück auf die Spur, und so können wir einfach gehen und genießen.

Wie inzwischen schon oft erlebt beim Wandern, finde ich es auf belustigende Weise irritierend, wie spektakulär sehens- und fotografierenswert mir vieles erscheint. Ich bin ein Kind vom Dorf. Wald. Wiese. See. Bach. - Kennichalles. Fandich langweilig früher. Und heute bin ich komplett geflasht, als ich durch den Wald laufe und außer uns, ein paar halbdösenden Vögeln und einem beschaulich vor sich hin fließenden Bächchen ganz oft garnix höre. 
Boah, wat is dat schön, ich fühle ich großartig…!  

Einen winzigen Dämpfer bekommt mein Hochgefühl, als ein paar komplett austrainierte (ein bisschen übertrieben eigentlich..) Mountainbikermädels freundlich grüßend an uns vorbeiradeln, neben denen ich mich ein wenig adipös fühle. Gut, dass die schnell außer Sicht sind. Der Anblick ist einer eher kurzgeratenen Frau, deren Körpermitte derzeit eine eher hobbitmäßige Entwicklung aufweist, nu wirklich nicht lange zuzumuten. 

Foto Marion
Apropos Essen. 
Wir werden zwar heute abend zum krönenden Abschluss schön bei Bunte Burger aufschlagen, aber bis dahin isset noch lang. Und drum haben wir einen klitzekleinen, spartanischen Snack (Anjas Schokokuchen, Marke „LeiderGeil“, 2 Sorten Müslibrocken, wir sind ja schließlich auch irgendwie beim Spocht, ein Düppen mit Melone, ein Düppen mit Träubchen) dabei, um gegen den allerschlimmsten Unterzucker gewappnet zu sein. 
Ein gaaanz kleines bisschen davon testen wir nach vielleicht 4 Km bei einem frühen kurzen Boxenstopp, als mir der Magen auf Kniehöhe hängt. Und das nächste, größere bisschen, folgt, als wir nach gut halber Strecke an der „Rausmühle" mit gemütlichem Biergarten eine entspannte Rast samt kühlen Kaltgetränken einlegen. Die Biergärtnerin begrüßt uns „liebreizende Damen“ ausgesprochen herzlich, es gibt Leckereien, es gibt Platz für alle, keiner schubst, keiner nervt, alles ist grande. Und das an einem Sonntag bei bestem Wetter und an einem solchen Platz: Hämmerschen!!! - Sagte ich schon, dass ich begeistert bin..?
Frisch gestärkt und Näschen gepudert gehts weiter. Die Tour bleibt über die ganze Strecke schlicht und ergreifend großartig. Naja, eigentlich sind´s ja nur ein paar olle Bäume und Wiesen und Schäfchen und so. Natur halt. Is ja immer da, so what..? Und uneigentlich: Auf die beste Weise guttuend unspektakulär, die geht. 

Foto Marion
So mag ich das: Gedankenpfützenspringen, Gehen, Reden oder Klappe halten, bisi in die Gegend gucken hier, bisi Schäfchen fotografieren da: Schön isset. Nix ändern. 
Am Ende der 16 hätte ich gut und gerne noch bisi weiter gewollt, so gut geht´s mir grad beim Wandern, aber die Aussicht auf lecker Burger und ein „das machen wir mal wieder!“ stimmt mich ausgesprochen zufrieden, und so soll´s das für heute gewesen sein im Oberbergischen. 

Schön haben die dat hier. Bin froh, dass ich das jetzt  auch - wieder;-) - weiß.

Liebste Marion, besten Dank für diesen wunderbaren Bericht. Ich denke, wir sind ein Wander-Dream-Team - wer hätte das damals gedacht.. ich wollte Dich ja nicht. Hahaha... da wär meinem Leben aber echt watt durch die Lappen gegangen. 


Kommentare:

  1. ...hui, da hast Du aus meinem kleinen Text aber wat richtich Hübsches gemacht - en Jedeeesch!:-)
    Jau, my dear: Ich finds auch sehr, sehr schön, dass wir uns über den Weg gerannt statt durch die Lappen gegangen sind!

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    1. Wir sollten schon mal die Kalender für die nächste Wanderung prüfen. :-)

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  2. Liebe Wanderweiber,
    vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht! Jetzt hab ich Lust im Wald spazieren zu gehen (obwohl ich doch gerade erst vom Laufen zurück gekommen bin) und viel Obst, Müsliriegel und vegane Burger dabei zu essen! :D
    Schööööne Bilder!

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    1. Liebe Doris,

      und, noch mal losgezogen?

      Gruß
      Anja

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    2. Ja, aber doch nicht in den Wald, sondern (mal wieder) an den See, zum abendlichen Schwimmen! :)

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  3. Liebreizende Damen,

    das klingt doch nach einer rundumgelungen Sache. Ich bin auch wirklich beruhigt, dass Ihr Euch ausreichend kulinarisch gewappnet hattet und Ihr die Strecke deshalb wohlbehalten überstanden habt. Is aber auch wirklich wat schön da im Bergischen.

    Liebe Grüße
    Volker
    (der sich fragt, wie man eigentlich so gespießte Burger ist, ohne das das ganze in tauschend Teile zerfällt)

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    1. Lieber Volker,

      wenn Du gehört hättest, wie wir zwischenzeitlich geflucht haben (z.B. über durchtrainierte Damenkörper, die nicht unsere sind), würdest Du das liebreizend nicht schreiben.. aber es gab ja die Vorlage. :-)

      Und zu der Frage.. weiß ich auch nicht. Es ist alles in tausend Teile zerfallen.

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  4. Hübsch sieht das aus, wo ihr wart - und kulinarisch hat die Tour ganz offensichtlich keinerlei Wünsche offen gelassen ... ;-)

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  5. Keine Wünsche offen, alles perfekt. Wobei.. die Bremsen, die hätts nicht gebraucht.

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  6. Herrlich, liebe Anja! Deine Wanderstouren finde ich immer so schön! Und wenn dann noch eine nette Begleitung dabei ist, dann macht es bestimmt doppelt soviel Spaß.
    Liebe Grüße
    Bianca

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    1. Liebe Bianca,

      ja, das war ein Spaß. Ich gehe gerne alleine aber eben auch mit so einer tollen Begleitung.
      Gruß

      Anja

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  7. Ja als Kind war's unspektakulär und nun lieben wir den Wald - einfach so. Das Alter ist merkwürdig. Ein schöner Gastbericht, es scheint ein perfekter Tag gewesen zu sein!

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  8. Macht immer Spaß, mit dir zusammen zu wandern, auch in Begleitung anderer, das macht Lust, auch mal dabei zu sein !!

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    1. Gute Idee Margitta,

      komm vorbei und wir Wandern ne Runde, so lange das mit dem Laufen noch nicht klappt.

      Anja

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  9. Hallo Mädels,
    schöne Tour, danke fürs Mitnehmen! Nicht nur was für die Beine, auch für den Geist und den Magen hat Euch der Tag gebracht. Ich vermute, man darf demnächst wieder hier von Euch lesen...?
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke,

      ja, bestimmt. Leider passt es hier aus diversen Gründen nicht hin, warum es so großartig ist, dass wir gemeinsam Wandern (anstatt zum Beispiel packungsweise Ziigaretten zu rauchen und Kölschen zu trinken). Ja.. wir werden älter und weiser. :-)

      Gruß
      Anja

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  10. Wieder ein sehr schöner und toll illustrierter Wanderbericht. Ich bin gespannt, was da noch folgt.

    Liebe Grüße
    Rainer

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