Montag, 21. September 2015

~ Nicht mit mir... ~

Wenn ich aus dem Urlaub zurück komme, vor der Eingangstür stehe und den Schlüssel im Schloss umdrehe, dann bin ich immer froh, wenn noch alles an seinem Platz ist und nicht jemand die Zeit der Abwesenheit für Unfug genutzt hat.

Das ich aber nach dem Urlaub über mehr verfüge als vorher, damit hab ich nicht gerechnet. Es gibt nämlich neue Untermieter. Die haben die 2 Wochen Abwesenheit ausgenutzt, mit der ganzen Familie in unsere Küchenschrank, genauer gesagt in die Weizenkleie einzuziehen. Mehlmotten.

Als die erste Motte mich freundlich aus dem Waschbecken begrüßt ahne ich es schon, hoffe aber noch auf Irrtum. Als dann links und rechts und vor allen Dingen beim Öffnen des Küchenschrankes weitere Familienmitglieder entgegen schwirren, weiß ich, es ist so weit.

Ich frage nach Gehaltsnachweis, Mietvertrag, Wohnberechtigungsschein - nix können sie mir vorlegen außer der Tatsache, dass das Glas der Weizenkleie leicht geöffnet und damit zum Wohnen eingeladen hat.

Da kann ich so vegan sein wie ich will. Wenn man sich bei mir nicht ordentlich anmeldet und nach Unterkunft fragt, wird man rausgeschmissen, so einfach ist das - oder nicht?

Auf jeden Fall fliegen alle offenen Lebensmittel in das schwarze Behältnis vor unserer Haustür - samt Bewohner. Die, die es schaffen, vorher noch in die Lüfte zu fliegen oder aber sich schon eine Zweitwohnung im benachbarten Küchenschrank anschauen, werden - ja, ich muss es so sagen - von mir umgebracht. So... so weit vegan, sag ich nur. Naja, Küchenschrank ausgewischt und ALLE Lebensmittel für ein paar Stunden in den Gefrierschrank. Eigentlich hatte ich mir die Urlaubsrückkehr anders vorgestellt.

Meine Lebensmittel teile ich nur freiwillig, nicht gezwungenermaßen.

Seit mal eine Kollegen vor 30 Jahren!!! eine ganze Armee dieser nicht so possierlichen Tierchen hatte und die nicht weg bekam, hab ich Horror vor diesen Mietnomaden. Fast alle Lebensmittel (Getreide, Gewürze etc.) sind in verschlossenen Behältern eingetuppert, eingedreht o.ä.  Aber wie man sieht, nützt nix.

So... was tun? Abwarten und Tee trinken? Ach neee.. hab ja keinen Tee mehr, hab ich ja gestern alles weggeschmissen.

Googeln? Ganz blöde Idee. Aber ich weiß, es gibt eine angeblich wirksame Methode: Schlupfwespen.

Also bestell ich mir Schlupfwespen. Wie versprochen, sind die am nächsten Tag da. 4 Briefchen mit Hunderten von diesen noch ungeschlüpften Wespen. Die legt man dann in die Nähe der Lebensmittel und lässt sie arbeiten. Sie fressen die Maden der Mehlmotte (falls welche da sind - ich mache mir vor, die Motten noch rechtzeitig entdeckt zu haben) und ersticken so das Problem im Keim.

Ich hab keine Vorstellung, wie eine Schlupfwespe aussieht - angeblich ist sie klein, verhungert, wenn sie keine Maden findet und zerfällt zu Staub. Aha! Ich lege also die lustigen Briefchen in die Schränke und warte ab. Ich stelle mir vor, wie die Wespen in diesen Briefchen aufwachen, sich den Ausgang suchen und orientieren. Ohh... ich lauf mal zu den Müslieriegeln, da ist immer was zu holen. Ich nehm mir lieber die Schokolade vor, da laufen die Mehlmotten ja auch gerne mal vor.

Mir Argusaugen beobachte ich das Geschehen und tatsächlich, heute früh, sehe ich so kleine schwarze Punkte durch den Schrank flitzen. Ist gar nicht ihhh, wie ich es mir vorgestellt hab. Die sind so super winzig. Nun hoffe ich, dass sie ihr Werk verrichten. Ich hab noch mal zum Appell geblasen, ihnen den Feind vorgestellt und sie gebeten, ihn nicht lebendig sondern nur tot zu bringen oder besser mit Haut und Haar aufzufressen.

Ist das vegan? Wahrscheinlich nicht aber wenn jemand an meine Lebensmittel geht, dann hört der vegane Spaß auf. Echt jetzt mal.

Kommentare:

  1. Teufel noch eins! Ich hatte ja bisher immer Glück, obwohl bei mir tatsächlich ständig offene Mehltüten ewig rumstehen.
    Aber das mit den Schlupfwespen ist schon schräg....Schlüpfen, Fressen, Zu-Staub-Zerfallen. Ist jetzt auch nicht so das, was man sich unter 'nem erfüllten Leben vorstellt.

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    1. Und ich weiß noch nicht mal, ob ich denen jetzt adäquat was zu Essen anbieten kann. Im schlimmsten Fall schlüpfen die und verhungern stante pede in meinem Küchenschrank. Mehr Sinnlosigkeit im Leben kanns ja gar nicht geben. Nu muss ich mir überlegen, ob ich will, dass die einen Befall finden und vor dem Sterben noch fressen oder dass meine übergebliebenen Lebensmittel frei von Mehlmotten sind und die armen Viecher direkt nach dem Schlupf verhungern - so sieht das aus.

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  2. Liebe Anja,
    sowas von fies von der Sippe einfach bei dir einzufallen, während du in Island weilst! Das geht gar nicht und gehört geahndet. Veganer hin oder her, wenn die dir das Essen wegessen, gehören sie gefressen!

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    1. Liebe Doris,
      ja... so siehts aus.
      Gruß Anja

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  3. Uaaah, Hausbesetzer! Nee, auch wenn du vegan lebst und heute Tag des Weltfriedens ist - was nicht geht, geht nicht! Die Schlupfwespenbabies tun mir allerdings auch irgendwie leid. Kannst du nicht ein bisschen was Verseuchtes zurück in den Schrank tun? ;-) OK, kein konstruktiver Vorschlag, ich geb's zu!

    Waidfrau-heil und viele Grüße,
    Anne

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    1. Liebe Anne

      so sehr mir die kleinen Wespen leid tun, bin froh, dass ich alle offenen Lebensmittel aus dem Haus geschafft hab und nun auch schon länger keine Motte mehr gesehen hab. Ich vermute wirklich, dass die kleinen Dinger verhungern aber wehret den Anfängen, sag ich da nur.

      Gruß
      Anja

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  4. Von Schlupfwesepen habe ich noch nie gehört, aber danke für den gerade nützlichen Tipp :)

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    1. Gerne, ich hoffe, Du wirst ihn nie brauchen.

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  5. Die fressen auch Tee? In Münster hatte ich die Biester mal in den Schränken - wahrscheinlich kauft man die Larven irgendwann einfach mit. In Biogetreide oder Mehl sicher noch häufiger. Bei mir hat's damals gereicht, Mehl und Getreide wegzuschmeissen wenn ich mich recht erinnere. Brauche ich allerdings auch nicht nochmal und stelle gerade fest ... dass ich wieder sehr schluderig bei der Aufbewahrung angebrochener Mehle geworden bin. Die stehen alle wieder offen bzw. nur mit oben leicht zusammengeknüllten Tüten rum .. ich wäre leichtes Mottenopfer ... erschlag sie alle oder lass sie fressen! Nicht, dass die nach Bayern flüchten. Mehlmotten RAUS!

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    1. Besonders, wenn man Bio-Lebensmittel kauft, hat man sie gerne mal mit dabei. Ich hatte vor Jahren mal eine Tüte Haferflocken, da flog mir ne riesen Motte entgegen, als ich die Packung öffnete. Damals hab ich auch schon panisch reagiert und alle offenen Lebensmittel entsorgt. Danach war aber auch wieder Ruhe im Karton. Wahrscheinlich hätte das jetzt auch gereicht aber wo knows. Da ja schon Motten in der Wohnung waren, weiß man nie - also alle offenen Lebensmittel (auch Tee;-) entsorgt und Schränke gereinigt (schadet nie), alle verschlossenen Lebensmittel einmal in den Gefrier und eben die kleinen Schlupfwespen. Ich sorge schon dafür, dass keine mehr flüchten können.

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  6. Liebe Anja,

    hört sich alles gruselig an, erinnert aber irgendwie an die zunehmende Spinnundichte innerhalb des Hauses zu dieser Jahreszeit.
    Ich wünsche Dir viel Glück bei der Eradikationsmassnahme ;-)

    Salut

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    1. Lieber Christian,

      ich glaube, das ich ziemlich Glück hatte und eben die Zeit zu knapp war, sich reichlich zu verbreiten. Außerdem hab ich eben fast alle offenen Lebensmittel in irgendwas luftdicht verschlossen. Das Schlimmste ist ja, wenn das wieder und wieder auftritt. Mal schauen, ob ich Recht behalte. Aber ich bekomme ja noch 2 Lieferungen der Schlupfwespen, um genau das zu vermeiden.

      Gruß
      Anja

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  7. Hallo Anja,
    uuuh, das wäre mein mega-GAU! Ich habe auch alle losen Lebensmittel in verschlossenen Dosen im Schrank. Ich wünsche Deinen kleinen Schlupf-Heinzelmännchen viel Erfolg! Obwohl das ja eine leicht krasse Sache ist, dass die ihren selbstlosen Einsatz mit dem Leben bezahlen... Aber da würde ich wie Du handeln: Ein unverseuchtes Heim ist wichtiger.
    Ich drücke die Daumen, dass Du Deine Quälgeister damit los bist!
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke,

      lieben Dank - wie man sieht, kann man trotzdem bei verschlossenen Lebensmitteln (wie auch immer der Deckel aufgegangen ist), das Problem bekommen. Nun ja.. ich bin zuversichtlich. Keine weitere Motte mehr gesichtet, seit Tagen und die kleinen Wespen verrichten ihren Dienst.

      Gruß
      Anja

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  8. Liebe Anja,

    warum kommt mir das sooooooooo bekannt vor ?
    Genau, weil ich es selbst am eigenen Leib
    genau wie du
    erfahren habe
    wie ich letztendlich davon los gekommen war (ist schon eine Weile her )
    weiß ich nicht mehr
    aber es war sehr, sehr zäh und langwierig
    wenn schon Gäste
    dann bitte nur willkommene.

    Halte durch, ich weiß, du schaffst das
    hast schon ganz andere Sachen auf die Reihe bekommen !

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    1. Liebe Margitta,

      Du sagst es - Gäste bitte nur, wenn eingeladen!

      Gruß
      Anja

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  9. Also, kleine Tiere im Lebensmittel - da hört der Spaß auf! Ich hatte auch mal irgendeinen Käfer, ich glaube Kornkäfer, bei mir zu Hause. Alles habe ich rausgeschmissen und trotzdem waren sie nicht ganz weg... wo die sich überall versteckt hatten, sogar in den schärfsten Gewürzen... irgendwann habe ich sie doch überall gefunden und bin sie dann los geworden.

    Du hast das genau richtig gemacht und Dir Hilfe geholt! Schlupfwespen, da habe ich erstmals Googeln müssen - was es nicht alles gibt. Ich hoffe sie können Dir helfen und Du wirst die ungebetenen Gäste endgültig los!!

    Liebe Grüße Anna

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    1. Liebe Anna,

      ja, das ist wohl das Gefährliche an den Biestern. Die nisten sich in den Regallöchern der Schrankwände ein und in irgendwelche Ecken, bei denen Du beim Putzen nicht dran kommst. Ich meine, ich hab beim Wischen nichts gesehen und bis jetzt auch keine Motte mehr in der Wohnung gehabt. Aber lieber direkt richtig handeln als in mehrfachen Wellen arbeiten. Kornkäfer.. hab ich noch nie gehört. Uahh...

      Gruß
      Anja

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  10. Nee, DAS geht mal gar nicht! Ich würde auch radikal gegen diese Motten im Essen vorgehen bevor sie sich ausbreiten.
    Was für eine unangenehme Überraschung nach dem Urlaub! :(
    Liebe Grüße
    Bianca

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    1. Liebe Bianca,

      ja, wobei, wenn ich recht überlege - lieber Motten als irgendwelche ungebetenen Gäste, die die Wohnung umkrempeln.

      Gruß
      Anja

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  11. Liebe Anja,

    Mehlmotten sind mir leider aus Bioladenzeiten gut bekannt. Selbst wenn man die Getreideprodukte in ein Glas füllt sind sie ja manchmal schon drin. (Erkennt man gut an so Körnern die drinnen an den Tüten zu kleben scheinen. Irgenwann habe ich mal eine Dose Haferflocken geöffnet und es flatterte mir so entgegen. Gewürze, Tee alles gern genommen. Ausser wegschmeissen und akribisch putzen war mir allerdings nichts bekannt. Die Schlupfwespen sind da ja interessant.
    Und ungebetene Gäste mag ich auch gar nicht - hier sind es Ameisen und Kakerlaken, die gerne mal einziehen. Die Geckos und Spinnen akzeptiere ich ja...
    Herzlichen Gruß!

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  12. Liebe Anja,

    keine shöne Überraschung nach dem Urlaub. Die Viecher sind einfach nervig und lästig.

    Dass Du nun zur Vernichtungsschlacht im Küchenscharnk geblasen hast, ist allerdings eine interessante Sache und offenbart die Dunkle Seite der Seele ... Ist als Scherz gedacht ... Ich hoffe, Du bekommst das Problem in den Griff und kannst wieder ungestört veganen Genüssen fröhnen.

    Liebe Grüße
    Rainer

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  13. Wer hätte gedacht dass du zu solch monstermäßigen Taten fähig bist :-)
    Ist ja wie im alten Rom, da wurden auch Tiere aufeinander gehetzt!
    tststs

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