Freitag, 8. Januar 2016

~ Walking in the sunshine ~

Inkl. Gastkommentar von Monsieur Fidel:

Blumenmond: Kurzfristig melden sich Nichte und Fidel zum Besuch an. Freudig, mal Zeit zu haben, den Hund tagsüber zu sitten, da verwirft man auch gerne seine Saunabesuchpläne (was sich angesichts des herrlichen Wetters als absolut korrekt herausstellen wird).

Fidel: Manchmal - wenn Frauchen dieses Ding auf Rädern packt, worin sie ihre Kleider verstaut - gehen wir nicht nur in den Park sondern fahren mit diesen Dingern mit den 4 oder mehr Reifen. Meist geht es dann dorthin, wo Leute wohnen, die ähnlich sprechen und ähnlich riechen, wie Frauchen. Ich glaube, die sind mit ihr verwandt.

Aber erstmal im strömenden Regen Nichte und Hund am Bahnhof aufgelesen und heile ins Heim gebracht. Kleines Abendessen nach einem für mich emotional anstrengenden (Abschied bei den Kollegen) Tag.

Fidel: Gott sei Dank hab ich mein rotes Mäntelchen für solche Reisen. Das ist nass, das ist kalt, dass ist eklig. Und da freue ich mich, die Frau zu sehen, die so ähnlich spricht, wie mein Frauchen und dann darf ich nicht zur Begrüßung an ihr hochspringen. Versteh ich nicht. Sie faselt irgendwas von sauberer Jeans und so. Komisch.
Mein Plan für den nächsten Tag ist es, mit Herrn Fidel zu Wandern oder zu Walken - aber der Sturm und der Regen, der am Abend über uns zieht, lassen meine Pläne kritisch erscheinen. Ein Blick in der Wetter-App hätte geholfen aber überraschen lassen ist auch schön.

Fidel: Ich treffe in der Wohnung angekommen (Ich finde auf Anhieb die richtige Tür - logisch, kann ich ja riechen - werde dafür aber immer gelobt. Mann muss die Zweibeiner nicht immer verstehen) den Herrn des Hauses. Zumindest den darf ich standesgemäß begrüßen. Ich bin ein wenig enttäuscht. In dem Haushalt bekomme ich meistens kein richtiges Fleisch. Tofustücke oder Sojawürstchen oder ich darf die auf den Boden gefallenen Weihnachtskekse aufessen. Aber selbst da ist Margarine drin und keine Butter. Auf Eier brauch ich gar nicht hoffen. Nur manchmal... manchmal gibt mir der Mann im Haus die Ränder von seinem Schinken ab - aber auch nicht immer. Besser ist es, wenn ich bei den noch älteren Leuten bin. Die geben mir morgens immer mein Leberwurstbrot, da bin ich schon die ganze Nacht in Wartestellung, bis die aufwachen. Leberwurstbrot... ich liebe Leberwurstbrot.

So ist das Haus früh auf den Beinen. Der Mann zur Arbeit, die Nichte zur Uni und ich gehe die erste kurze Runde im Dunkeln mit dem Hund (und lasse ihn nur kurz von der Leine, weil ich das dunkle Kerlchen ja sonst nicht mehr wieder finde), hole Brötchen und versorge die Nichte mit geschmierten Käsebroten - mal sowas wie Mama spielen, auch schön. :-)

Fidel: Nach der ersten Nacht endlich pieseln. Die Frau nimmt mich mit in Richtung des großen Wassers. Nie darf ich auf dem Weg die Zäune der Häuser markieren, erst wenn keine Häuser mehr da sind, darf ich ran. Aber stopp... sie lässt mich gar nicht von der Leine wie sonst. Da bleib ich einfach erstmal stehen - so gehts ja nicht. Und kacken.. kacken werde ich auf keinen Fall, so lange ich an der Leine bin. Das ist mal sicher.

Ach.. jetzt kommt Licht an der Straße, jetzt endlich lässt sie mich los. Zur Belohnung und weil das alle immer so erfreut, kacke ich direkt mal auf die Grasbüschel - ist das schon mal erledigt.

Aber halt.. warum werde ich jetzt hier wieder vor dem Haus mit der vielen Beleuchtung alleine gelassen? Ich will das nicht, ich will mich hier auch nicht setzen. Der Boden ist kalt und überhaupt. Ach.. da ist sie ja schon wieder. Ne Tüte unterm Arm. Riecht lecker aber nicht nach Wurst.


Das Bügelprogramm absolviert, kurze bescheuerte Foto-Session mit dem Hund und dann gehts raus. Ich bin gespannt, wie er reagiert, wenn ich mit den Stöcken unterwegs bin. Die ersten 3km muss er fast durchgängig an der Leine gehen. Erstmal will er den Stock schnappen, hat aber schnell verstanden, dass ich damit nicht spielen möchte.

Fidel: Was will sie denn jetzt? Zieht sich auch ein rotes Tuch an und was ist das da für ein Knubbel auf ihrer Nase? Als wenn die nicht ansonsten schon knubbelig genug wäre. Und warum muss ich neben ihr sitzen und in eine bestimmte Richtung schauen? Seltsam ist die schon, die kleine Frau. Liegt bestimmt an diesem komischen Tofu-Zeugs.

Aber endlich wieder raus. Die Stöcke zum Werfen hat sie schon mitgenommen. Das ist ja praktisch. Ich versuche, in den Stock zu beißen und merke, dass sich das unangenehm angefühlt. Außerdem werde ich getadelt.. verstanden. Diese Stöcke sind nicht zum Spielen da aber warum nimmt sie die dann mit?

Wir gehen zum Rhein und er biegt in die für ihn gewohnte Gassi-Runde ab... nein, ich bin stärker, andere Richtung. Die Sonne scheint schön über dem Rhein, der Himmel so blau, da muss das erste Foto her, später noch eins mit Fidel, bevor wir eine Strecke an der Hauptstraße lang zum Nachbarort und dessen Rheinbogen gehen.

Fidel: Wie jetzt? Nicht links sondern rechts? Wir gehen IMMER links... ich mag Rituale, mach doch sowas nicht mit mir.

Dort angekommen, kann ich das Fidelchen endlich von der Leine lassen und er düst sofort los. Erschnüffelt Hasenheimeingangslöcher, pieselt alle möglichen Grashalme voll und trabt munter los und ich hinterher.

Fidel: Boah, ich hab gedacht, die hält mich die ganze Zeit an der Leine. Unglaublich. Endlich kann ich Gas geben. Hallo... ich rieche Häschen, kleine schöne Häschen zum Jagen.. und schon wieder werde ich zur Ordnung gerufen. Nix darf man, verdammt!

Wenig Verkehr auf den Wegen, so muss ich ihn selten bei Fuß rufen und er kann ungehindert laufen, schnüffeln und pieseln.

Fidel: Nix ist hier los. Keine Radfahrer, die ich umwerfen kann, keine anderen Hunde, keine Jogger? Ok, dann les ich die Geschichte weiter, die mir die Schnüffelei auf dem Boden erzählt.









Auf dem Weg zurück wieder an der Leine. Da merkt man die Erschöpfung der doch langen Strecke doch gut, er zieht kein Stück mehr, will kaum noch sein Revier markieren und geht ganz kraftlos die Treppen zu unserer Wohnung hoch.

Fidel: Ich kann nicht mehr, wie weit ist denn noch? Warum muss ich wieder an die Leine und nicht auf den Arm? Puh!

Der erste Weg führt zum Kühlschrank. Hunger scheint er zu haben. Ich packe ihm sein Futter in den Napf, Fehlanzeige. Aber die Hypnose des
Kühlschranks wird fortgesetzt. Als er merkt, dass er hier nichts ausrichten kann, lässt er sich schlapp auf die Base fallen - feddisch.

Fidel: Oh Treppen, ich kann keine Treppen mehr. Aber oben bekomme ich bestimmt zur Belohnung ne Wurst. Werd ich direkt mal das Ding aufsuchen, aus dem die kalte Luft strömt und die Leckereien hervor kommen. Hey... warum gibst Du mir nichts aus dem silbernen Ding? Hallo.... hörst du mal auf mich? Och nö.. jetzt muss ich auf meine Base, warum das denn? Und warum bekomme ich keine Belohnung?

Ich muss ihn wg. Physio-Termins alleine lassen, packe ihn ins Büro. Übe ein paar mal "Heimkommen", damit er weiß, dass ich wiederkomme. Aber die knappen 45 Minuten waren ihm dann doch zu viel. Er quietscht, bellt, rennt zweimal die Holztreppe hoch und runter (was er nicht darf und was dort direkt mit Kratzern belohnt wurde) und war nicht zu halten, bis ich ihn streng auf seine Base verwiesen hab. Jetzt kann er in Ruhe schlafen, ich bin da und er erschöpft und ich glaube, ich mach das jetzt auch.

Fidel: Und jetzt kommt echt die Frechheit. Sie schließt mich in das Zimmer ein, in dem ich immer bin, wenn es dunkel ist. Aber es ist noch gar nicht dunkel und mein Frauchen liegt auch nicht in dem weichen Ding da rum. Hey.. ich will hier raus. Wo bist du? Meine Aufregung scheint sie nicht zu verstehen, als sie mich nach einer Ewigkeit befreit. Dass ich daraufhin belle, will sie auch nicht und ruft mich schon wieder zur Ordnung. Hey, ich bin nicht schuld, Du hast mich verlassen! OK, ich bin brav, leg mich auf die Base und jetzt kann ich auch wieder in Ruhe schlafen.

Nicht immer alles ganz leicht bei der Frau, von der ich nie ne Wurst bekomme.

Kommentare:

  1. Liebe Anja,

    ich wusste gar nicht, dass Du Gedanken von einem Hund lesen kannst ;-)
    Toll geschrieben und wirklich, so könnte es gewesen sein :-D

    Salut

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    1. Lieber Christian,

      es war so - Fidel bestätigt das. :-)

      Gruß
      Anja

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  2. Herrlich, liebe Anja & lieber Fidel! Wie unterschiedlich sich so ein Tag doch aus der Perspektive von Hund und Mensch darstellt! Fazit: Leine doof - Einsperren doof - Rumstöckeln und den Sonnentag an der frischen Luft genießen ganz einsame Spitzenklasse! :-)

    Viele Grüße,
    Anne

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    1. Liebe Anne,

      genau, über den schönen Sonntag und die Bewegung haben wir uns gleichermaßen gefreut. :-)

      Gruß
      Anja

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  3. Liebe Anja, lieber Fidel,
    super!!! Einfach köstlich euer Bericht! :D
    Ein Tag, zwei Ansichten...

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    1. Liebe Doris,

      vielen Dank - ja, so war es. :-)

      Gruß
      Anja

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  4. Hihihi... das ist ja wirklich super geschrieben - ich habe Dein Bericht genossen von oben bis unten :-) Und nie gibt es ein "richtiges" Würstchen bei Dir... herrlich!!! ;-)

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!!

    Liebe Grüße Anna

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    1. Liebe Anna,

      das wünsche ich Dir auch und vielen Dank.

      Gruß
      Anja

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  5. Wie kann der arme Fiedel das verstehen? Zwei gleich ausehende Kühlschränke und in einem ist nur Leberwurst!
    Gruß von daheim

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    1. Liebe Eltern,

      so hab ich das ja noch gar nicht gesehen aber stimmt.

      Gruß
      Anja

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  6. "Seltsam ist die schon, die kleine Frau. Liegt bestimmt an diesem komischen Tofu-Zeugs"

    Tja, Fidel, darauf kann ich leider nicht näher eingehen, sonst kommt mich die kleine Frau demnächst nicht besuchen ;-))))

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,

      kannst es mir ja im Vertrauen sagen, ich verrat es auch nicht weiter.

      Gruß
      Fidel

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  7. Liebe Anja,
    hihi, lustiger Post. Ich frage mich auch öfter, was denn die lieben Haustiere so über uns 2beiner so denken mögen...
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Die halten uns alle für ziemlich verrückt, da bin ich mir sehr sicher.

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