Samstag, 26. August 2006

DunkelBar

Felice hieß unser Kellner, der Mensch, der unser wichtigster Ansprechpartner für die nächsten Stunden ist.

Er leitet uns in die Schleuse und spricht erstmal mit uns - Beziehungsebene aufbauen nennt sich das wohl - um uns dann hintereinander, jeweils Hand auf die Schulter der Vorderfrau, in die DunkelBar zu führen. Essen hatten wir bereits vorher ausgesucht, das erste Getränk auch.

Es dauert eine Weile, bis Felice uns alle auf den Stühlen platziert hat. Dass er dabei, wie er sich selbst ausdrückte, an Ruths "Hupen" gekommen ist und sich dafür entschuldigte, ist noch erwähnenswert. Wir erfühlen unser Besteck und haben auch schon schnell das erste Getränk. Felice führt unsere Hände bei jedem neuen Getränk zum Glas, um uns zu zeigen, wo er es abgestellt hat.

Wir finden uns deutlich besser zurecht, als es sich vermuten ließ. Wir reichten sogar unsere Suppen rund, um gegenseitig probieren zu können. Das Essen funktionierte auch hervorragend (mit Messer und Gabel), ohne, dass wir uns bekleckerten. Warum das letzte Stück Brot im Körbchen aufgeweicht war, werden wir aber wohl nie erfahren.

2 Dinge sind mir/uns aufgefallen.
  1. Man nimmt als Sehender Mensch in absoluter Dunkelheit geräuschmässig nur noch den nächsten Mikrokosmos um sich um wahr. Ein Gespräch mit allen 7 Frauen war unmöglich und wir gaben das schnell auf. Die Gesprächspartnerinnen teilten sich in die 4 Mädels rechts und 3 links am Tisch ein. Wir waren nicht in der Lage, weiter zu hören.

    Felice animierte auch immer wieder alle Gäste, doch etwas leiser zu reden. Es hat den Anschein, dass alle lauter reden als sonst.
  2. Das Essen, das schon recht teuer war, schmeckte ok aber nicht brillant. Vielleicht fehlte aber auch nur die Optik, um das dem "OK"-Essen ein "Super-Essen" zu machen. Einmal hatte ich ein Ei im Mund und dachte zuerst, das wäre Schinken. Lustig oder? Vielleicht weil Ei und Schinken oft miteinander kombiniert sind. Artischocke und Bohnen hab ich dagegen sofort identifiziert. Rindfleisch schmeckt auch nach Rindfleisch (Gott sei Dank).
Nach ca. 3 Stunden war unser Menü "durch" und wir waren alle zusammen sehr ungeduldig, wieder ans Licht zu kommen, um unseren Sehsinn in unser Erleben mit einfließen lassen zu können. Wieder ab in die Schleuse. Erst Augen schließen, damit wir uns langsam wieder ans Helle gewöhnen.

Es war ein interessanter Abend, aber einer, bei dem die Erfahrung auch einmal reicht. Ich bin sehr glücklich, über alle Sinne zu verfügen.

Kommentare:

  1. Hochinteressant, Anja !
    Daß dem Essen ohne die dazugehörige Optik irgendwie etwas fehlt, kann ich mir sehr gut vorstellen.
    Ich find das echt total spannend und würde das auch gerne mal ausprobieren.

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  2. Laufen die Kellner eigentlich mit Nachtsichtgerät da rum?

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  3. ...wenn Anja da ist, laufen sie nicht. Dann wohken sie..;-)

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  4. Ja, das kann ich total nachvollziehen - ich würde es jedem uneingeschrönkt empfehlen, aber selber ´bezahlen würde ich das nicht mögen - da bekommt amn in Köln für das gleiche Geld ein bißchen mehr geschmacklichen Genuss - aber wenn man das als Event sieht, ist das echt mal was Neues...
    Felice ist echt ein Spaßvogel...der war bei uns auch ein wenig durchgeknallt ;-)

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