Sonntag, 13. August 2006

Firmen-Staffellauf oder "Die Berge auf der rechten Rheinseite"

Vorgeplänkel:

Irgendwann entdeckte ich bei Laufen-Aktuell die Ausschreibung zum 1. GAG Erlebnis-Halbmarathon Köln rechtsrheinisch. Nicht, dass ich so bescheuert wäre, zu glauben, mit meinen ständig wechselnden Beschwerden nochmal einen Halbmarathon beschreiten zu können (zumindest nicht in diesem Jahr). Aber es wurde ein Firmenstaffellauf ausgeschrieben - pro Staffel 4 Personen. Au ja - datt isset. Wozu hat man Intranet. Es meldeten sich auch eine ungenaue Anzahl Personen, die willens waren, da mitzumachen.

Die Zeit verging, meine Laufperformance verbesserte sich nicht nachhaltig und ich hatte die Staffel nur noch halb im Blick, bis Fabian mich daran erinnert. Kurz rundgefragt, wir bekamen 2 Staffeln auf die Reihe und angemeldet. Noch ein bißchen Hin- und Hertauscherei, weil sich dann doch wieder anders entschieden wurden. Spätestens in dem Moment, als ich kundtat, dass wir uns um 8.15 Uhr treffen, gab es noch den ein oder anderen Protest.

Da ich selbst in den letzten Wochen doch mehr walkender- als laufenderweise unterwegs war, gab es Freitag einen 5km Testlauf - 31 Minuten. Damit kann ich leben. Dass ein Testlauf 2 Tage vor dem tatsächlichen Wettkampf bescheuert ist, weiß ich auch. Aber Vernunft gepaart mit Laufen hat bei mir noch nie so wirklich gut funktioniert.

Erlebnis-Halbmarathon:

4.30 Uhr - in einem erneuten Anfall von seniler Bettflucht schmeiß ich mich aus den Federn an den Rechner. Es ist kein Regen angesagt - prima. Bei LA gibts auch nichts Neues. Kaffee gekocht, Frühstück gemacht und ich war schon 1 Stunde, bevor ich überhaupt los mußte, startbereit und tippte ungeduldig mit den Fingern auf dem Tisch rum. Juhu ein Wettkampf, boah watt freu ich mich.

7.50 Uhr - 25 Minuten vor der vereinbarten Zeit bin ich an der Startnummernausgabe - noch schnell die Staffetten abholen und schon treffe ich Jo! Zu vorgenommenen und tatsächlich erreichten Zeiten soll er selbst erzählen. Hammer, sag ich nur! Miatara begrüßt - schön Dich kennengelernt zu haben und Haidée69 wiedergetroffen - auch mit ehrgeizigem und letztendlich erreichtem bzw. unterbotenem Zeitziel.

8.00 Uhr - so langsam trudeln meine Staffeln ein. Wenige mit Wettkampferfahrung, teilweise sogar ohne Lauferfahrung - eingesprungen für Kollegen, die kurzfristig absagen mußten. Dass wir nicht auf Zeit, sondern aus Spaß laufen, war spätestens zu dem Zeitpunkt klar.

8.45 Uhr - Start - wir brüllen unsere ersten Staffelies über die Startlinie und machen uns alle auf an unsere Wechselpunkte. Hechta und ich starten ab KM 12 bis KM 17. Startpunkt ist mitten in der Botanik. Wir sind früh genug da, so dass wir die Spitze der Halbmarathonis sehen können. Mit uns fiebern noch ca. 8 weitere Staffel-Läufer mit. Wir haben keinen, aber auch überhaupt keinen Plan, wann unsere Staffelläufer kommen werden, da es keine repräsentativen Bestzeiten gibt.

Jo kommt extrem dynamisch ziemlich an der Spitze der Läufergruppe um die Ecke geschossen. So schnell, dass mein Foto unscharf geworden ist. Ich stell es trotzdem ein:



Während uns ein Spaziergänger quasi ungefragt die Laufqualitäten seiner Teppichratte - ähm tschuldigung des Yorkshire-Terriers - per 10 minütigem Vortrag auftischt, warten wir auf unsere Staffeln bzw. Miatara. Miatara kommt als erstes vorbei und später auch Fabian, der mir den silbernen, kühlen Stab übergibt.

So, jetzt jeht et loss! Mist, auf den ersten Metern merke ich schon, wie die Luft eng wird, dabei geht es bergab. Uih, das kann heiter werden. Die Strecke führt laut Plan immer an der Autobahn vorbei - na super. Es entpuppt sich aber als sehr hübsche Strecke durchs Grün und vorbei am ländlichen Köln. KM 1 - ich schaue auf die Uhr - 5.30 Minuten/KM. Boah Doppelmist, das ist zu schnell für mich, das schaff ich nie auf 5km. Meine letzte schnelle Einheit liegt mehr als 1 Jahr zurück, seitdem bin ich nur noch langsam durch die Gegend geschlichen.

KM 2 - wieder 5.30er Schnitt... uihh, ob das mal gut geht. Ungefähr bei KM 2,5 (oder 14,5) treff ich einen anderen Staffelteilnehmer, über dessen Straßen-Sneakers ich vorher schon gelästert hab, gehend wieder. Ich klopf ihm auf die Schulter und motivier ihn, mit mir weiterzulaufen, was auch ne Weile klappt.

Irritierend bemerkte ich, dass ich ständig von den Halbmarathonis überholt werde - kann doch nicht sein, oder? Die laufen 21,x km und ich nur 5 - boah watt bin ich ne Schnecke! Aber auch mit noch so viel Willen, es geht einfach nicht besser.

Irgendwann überschreiten wir die Ortsgrenze zu Merheim und ich denke - Dreifachmist, ich will eigentlich mehr heim als nach Mehrheim - aber hier hört ja keiner auf mich. Kurz vor KM 16 gibts ne Kurve und ich hör mich laut fluchen "oh scheiße" - schon wieder eine Brücke, schon wieder geht es aufwärts. So langsam verkrampft meine komplette Bauchmuskulatur. Aber nützt ja nichts, Jens wartet bei KM 17 auf mich, ich kann mich ja jetzt schlecht von der Autobahnbrücke schmeißen und aufgeben.

Ich näher mich KM 17 und hänge nur noch an dem Gedanken, dass es jetzt bald vorbei ist. Lt. Uhr dürften es nur noch 1-2 Minunten sein. Ich sehe von der Ferne das KM 17-Schild, was ich aber verdammt noch mal nicht sehe, ist der Wechselpunkt für die Staffel. Hey Leute, so war das nicht verabredet. Ihr habt mir versprochen, dass ich ab KM 17 den Stab und den Löffel abgeben darf. Das könnt Ihr nicht tun.

Drecksverdammter Mist - ich laufe weiter und suche und suche. Ich überlege, ob es erlaubt ist, den Staffelstab einem anderen Läufer in die Hand zu drücken und mich meinen Schmerzen zu ergeben. Wenn die den Wechselpunkt "aus Versehen" auf KM 18 gemacht haben, dann hab ich hier ein echtes Problem. 1000 Gedanken jagen mir durch die Birne, bis ich endlich das nächste hellblaue Poloshirt erspähe, die Staffette Jens in die Finger drücke und erstmal japsend meine Arme auf die Oberschenkel stemme. Ich vergeß natürlich, meine Uhr zu stoppen, was ich aber weiß, dass ich bei KM 17 28 Minuten auf der Uhr hatte - 28 Minunten also für 5km, eine Zeit, die mich überaus zufrieden stimmt, angesichts nicht vorhandenem Trainings.

Ich warte auf Hechta, die mindestens genausoviele Tode gestorben ist wie ich. Zusammen begeben wir uns zurück zum Start/Ziel und dürfen Jaqueline, die den letzten Staffelstab über die Ziellinie bringt, noch hineinjubeln. Ich weiß nur, dass eine Staffel unter und eine über 2.00 Stunden gelaufen ist - aber das ist auch völlig egal.

Fazit 1: Wir hatten mächtig viel Spaß. Wir wollen es nächstes Jahr wieder tun und dann aber mit Training - dass wär doch was!

Fazit 2: Autobahnbrücken oder andere Fußgängerüberführungen werden von mir zukünftig als Berge bezeichnet, denn so fühlen sie sich an, wenn man untrainiert ist.



Kommentare:

  1. Ich finde 28 Minuten auf 5 km sehr, sehr schnell! Und das nach deiner langen Verletzungspause!
    Gut gemacht, Anja! Bravo!

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  2. ..mehr heim als nach Merheim! Jenau so waret! Andere Läufer beauftragen, den Blechknüppel zum Wechselpunkt zu bringen: NATÜRLICH!!! Ich Döspaddel bin nicht mal auf die Idee gekommen...
    Undannläufsedattding in 28 Minuten nach Hause... Watt soll ich sagen? AGS!!!!
    (und ein ebenso a.g. Blog!! Watthabbichjelacht!:-))))

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  3. Delegieren Hechta, delegieren... aber was ist AGS??

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  4. ok, Du wolltest es nicht anders: ARSCH GEILE SAU!;-)))

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  5. Ich kenn die Frau nicht! Die verirrt sich nur ständig in meine Blogs, in mein Arbeits- und in mein Privatleben!

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  6. ...kann nix sehen, mir hängen die Haare in die Augen..!

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