Samstag, 5. August 2006

Von Chips, Mobiltelefonen und vom lieb sein!

Als Kind hab ich sie gemocht - die "Feten" (damals hieß es Feten, nicht Partys), die meine Eltern mit ihrem großen Bekanntenkreis in regelmässigen Abständen geschmissen haben.

Das lag zum großen Teil daran, dass meine Mutter Stunden vorher schon die Knabbereien, zusammengestellt aus Chips, Salzstangen, Kräckern und Studentenfutter, in den Keller vor den Partyraum stellte (Partykeller waren ja in den 70ern ein "Muss" und sie hießen interessanterweise Partykeller und nicht Fetenkeller). Dass die meisten dieser Sachen schon weich waren, wenn sie zum Verzehr auf die Tische gestellt wurden, hat meine Mutter wohl nicht so sehr gestört - um so besser, dass ich mich schon vorher daran gütlich getan hab, da hatte wenigstens eine frische Chips. Heute haben Onkel Chio und Tante Funny viel in ihren Chemielaboren gehext - heute bekommt man Chips noch nicht mal weich, wenn man sie 24 Stunden neben einen Luftbefeuchter stellt. Wahrscheinlich sind dort die Inhalte der kleinen Tütchen eingearbeitet, die die Feuchtigkeit aus Handtaschen rausziehen, bevor wir sie für ne Menge Geld erwerben.

Irgendwann in den 80ern verlor ich die Lust an diesen Festivitäten, die dann auch irgendwann vom Partykeller ins Wohnzimmer abwanderten. Da konnten mich selbst Chips nicht mehr locken und ich ließ mir viele Ausreden oder auch keine einfallen, um nicht teilzunehmen.

Auch noch heute bin ich keine Freundin dieser Veranstaltungen, sitz aber meistens mit Schwester und/oder Nichte in einer Ecke und bin böse... böse, weil wir lästern oder uns nur anschauen, wenn uns die Kommentare nicht passen.

Gestern war es wieder so weit. Ja echt? Ich hab mich wirklich in all den Jahren nicht verändert? Ach wirklich, bin ich wirklich noch die Zuckerschnute? Jaja, ich weiß, ich war immer die kleine liebe Anja. Und ist klar, ich bin so schlank, weil ich ja so gute Anlagen hab - könnte mal jemand auf die Idee kommen, dass ich u.a. dafür Sport mache und auf meine Ernährung achte?

Irgendwann an diesem Abend wurde aber mein Weltbild - geprägt vom Porzellan "Roter Fasan" von Villeroy und Boch und den handgeschliffenen und mundgeblasenen sauteuren Kristallglästern - jäh aus den Fugen geworfen. Da klingelten bei der Gesellschaft mit Damenüberschuß permanent irgendwelche Mobiltelefone... Ja wo simmer denn hier? Ich dachte auf ner Fete meiner Eltern und nicht irgendwo im Club bei 18jährigen. Just in dem Moment, als mein Vater seiner Gitarre rauskramte und ein paar Liedchen angestimmt wurden, rückte alles wieder in die richtige Form. Puh Glück gehabt... bleibt doch alles wie es ist.

Auf der Rückfahrt hab ich mir nochmal bestätigen lassen, dass ich ja schon immer so lieb war.... nee iss klar... und der Mann der anderen ist sauber, durfte ich mir noch anhören... hörte sich an, als ob sie über einen Hund sprache.

Ich bin nicht lieb - wirklich nicht, nicht mehr!

Kommentare:

  1. echt nicht? BEWEISE, BEWEISE, BEWEISE ...

    ich kenn' dich ja nicht - aber sooo böse hab' ich dich noch gar nirgendwo gelesen. Was ich aber auch gar nicht schlimm finde. 'Liebsein' ist doch nix schlimmes, ehrenrühriges oder wertminderndes? (Anmerkung am Rande: Gemeinsames Ablästern im Eckchen gilt nicht, ist eher ein typisches Merkmal der Braven. :-p )

    allerliebste Grüße (und MIR ist überhaupt nicht klar, warum immer mal wieder was anderes behauptet wurde ;-)

    Lizzy

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  2. echt nicht? BEWEISE, BEWEISE, BEWEISE ...

    ich kenn' dich ja nicht - aber sooo böse hab' ich dich noch gar nirgendwo gelesen. Was ich aber auch gar nicht schlimm finde. 'Liebsein' ist doch nix schlimmes, ehrenrühriges oder wertminderndes? (Anmerkung am Rande: Gemeinsames Ablästern im Eckchen gilt nicht, ist eher ein typisches Merkmal der Braven. :-p )

    allerliebste Grüße (und MIR ist überhaupt nicht klar, warum immer mal wieder was anderes behauptet wurde ;-)

    Lizzy

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  3. Ja, definiere lieb sein. Lieb sein im Sinne von "Vorstellungen der anderen, wie Frau zu sein hat, erfüllen" - das ist in dem Zusammenhang damit gemeint.

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  4. Ja, definiere lieb sein. Lieb sein im Sinne von "Vorstellungen der anderen, wie Frau zu sein hat, erfüllen" - das ist in dem Zusammenhang damit gemeint.

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  5. Genau - das meint das allgemeine 'lieb'. Wie bei der 'kleinen Hexe', die eine 'gute Hexe' sein sollte und wollte und das ganze komplett missverstanden hat ;o) Eine gute Hexe ist eben nicht notgedrungen eine liebe Hexe.
    Aber dein Text endet damit, dass du findest, nicht mehr lieb zu sein. Wo erfüllst du die Erwartungen, wie Frau zu sein hat, also nicht mehr? Wessen Erwartungen eigentlich? So ganz allgemeinfilosofisch die der Gesellschaft? oder die im beruflichen Umfeld oder der Partnerschaft? Alte Kindheitstraumata und Elternkonflikte? Wer - außer du selber? - presst dich in eine Rolle, die dir nicht vollumfänglich zusagt? Was wäre die Konsequenz eines (Aus)Bruchs?
    Wenn's dich nervt, dass ich mal wieder Haare spalte (es regnet und ich warte darauf, dass das Essen fertig kocht ;-), dann sags einfach bzw. schreibs einfach ... ich bin durchaus auch ruhig zu kriegen ... manchmal ... *s*
    Liest sich übrigens für mich schon nach 'Ausbruchswünschen'. Aus was möchtest du ausbrechen?

    Lizzy

    mehrfach im Leben aus- und auch eingebrochen

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  6. Genau - das meint das allgemeine 'lieb'. Wie bei der 'kleinen Hexe', die eine 'gute Hexe' sein sollte und wollte und das ganze komplett missverstanden hat ;o) Eine gute Hexe ist eben nicht notgedrungen eine liebe Hexe.
    Aber dein Text endet damit, dass du findest, nicht mehr lieb zu sein. Wo erfüllst du die Erwartungen, wie Frau zu sein hat, also nicht mehr? Wessen Erwartungen eigentlich? So ganz allgemeinfilosofisch die der Gesellschaft? oder die im beruflichen Umfeld oder der Partnerschaft? Alte Kindheitstraumata und Elternkonflikte? Wer - außer du selber? - presst dich in eine Rolle, die dir nicht vollumfänglich zusagt? Was wäre die Konsequenz eines (Aus)Bruchs?
    Wenn's dich nervt, dass ich mal wieder Haare spalte (es regnet und ich warte darauf, dass das Essen fertig kocht ;-), dann sags einfach bzw. schreibs einfach ... ich bin durchaus auch ruhig zu kriegen ... manchmal ... *s*
    Liest sich übrigens für mich schon nach 'Ausbruchswünschen'. Aus was möchtest du ausbrechen?

    Lizzy

    mehrfach im Leben aus- und auch eingebrochen

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  7. Hi Lizzy,

    nix ausbrechen. Da hab ich vor über 10 Jahren hinter mich gebracht. Ist keine akute Situation.

    Ich finde es nur interessant (und manchmal anstrengend), dass ich in den Augen mancher Menschen eben immer noch die "liebe" Anja bin, die ich tatsächlich mal gelebt hab. Also die angepaßte, die es immer allen Recht machen wollte.

    So, wie es heute ist, ist es prima.:-)

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  8. Hi Lizzy,

    nix ausbrechen. Da hab ich vor über 10 Jahren hinter mich gebracht. Ist keine akute Situation.

    Ich finde es nur interessant (und manchmal anstrengend), dass ich in den Augen mancher Menschen eben immer noch die "liebe" Anja bin, die ich tatsächlich mal gelebt hab. Also die angepaßte, die es immer allen Recht machen wollte.

    So, wie es heute ist, ist es prima.:-)

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