Sonntag, 19. August 2007

Kopfkino!

Sorry, schon wieder ein Eintrag... aber die nächsten Tage ist wahrscheinlich wieder Ruhe hier, könnt Ihr ja in Etappen lesen.

Heute mein "langer" Lauf, ich nehme keine Kamera mit. Zum ersten Mal starte ich eine längere Runde, ohne vorher genau bei Google Earth die Strecke abzumessen und ausgedruckt mitzunehmen. Ich hab grob ne Ahnung, wo ich hin will und starte freudig. Jetzt muss man dazu sagen, dass die Umgebung im Hinterland von einer vielbefahrenen Bahnstrecke und einer Autobahn durchschnitten ist - man ist also auf Brücken angewiesen.

Ich überleg noch, dass es vielleicht besser sei, wenn ich als erstes die Brücke nehme, deren Anfang ich zwar kenne aber nicht genau weiß, wo sie endet... ist leichter. Aber ich verwerfe diesen vernünftigen Gedanken und trabe auf die mir bekannte Brücke zu.

Natürlich verlaufe ich mich (mehrfach ein wenig) - nicht schlimm aber alleine traue ich mir nicht zu, die richtige Fußgängerbrücke auf dem Rückweg zu finden.

Ich sehe eine offene Bäckerei und beschließe, dort Rat zu suchen. Und jetzt fängt mein Kopfkino an, dass zeigt, was für ein schlechter Mensch (nicht in Taten aber in Gedanken) ich bin: Die Gedanken sind der Übersichtlichkeit andersfarbig markiert:

Ich: Hallo (an die Bedienung), kennen Sie sich hier aus? Ich suche die Fußgängerbrücke Richtung Hitdorf. Können Sie mir sagen, wo ich den Aufgang finde?
Bedienung schaut mich stumm an und zuckt mit den Schultern.
Ein älterer Herr Marke "Ich hab mein Leben für Bayer geopfert - abends brauch ich mein Bier - auf dem Sportplatz bin ich die Nr. 1, zumindest was die Theorie angeht - Lachen ist in meinem Leben nicht vorgesehen" wendet sich an mich und sagt: "Fußgängerbrücke? Da können Sie aber nicht mit dem Auto lang."
Ich: Hä? Meint der, ich schwitze vom Auto fahren so? Sieht man doch, dass ich laufe - auch meine Kleidung ist normalerweise ne andere. "Ähm, ich laufe doch, ich bin nicht mit dem Auto hier".
Er: "Ach so, ja dann kann ich Ihnen helfen - kommen Sie mal mit mir raus". Sie laufen hier einfach geradeaus die Straße lang, bis es nicht mehr geht und Sie an eine Kneipe kommen.
Ich: Logisch, dass der mir die Kneipe als Merkmal nennt, da war er gestern wohl auch noch ziemlich lange.
Er: "Dort gehts dann links ab Richtung der Brücke, das sehen Sie dann schon. Ist ungefähr noch ein Kilometer".
Ich schaue ihn trotz meiner blöden Gedanken freundlich und dankbar an (das bin ich auch tatsächlich). Wiederhole seine Aussage noch mal und denke: Ob das unangenehm ist, wenn die Tränensäcke von Innen gegen die Brille drücken?

Ich finde den Weg nach Hause und die Brücke nach seiner Beschreibung.

Ich bin ein böser Mensch!

Kommentare:

  1. Ein bisschen böse aber auch nur. Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert.
    Ich freue mich immer über Deine Blogeinträge und die angedrohte Ruhe vergnügt mit so rein gar nicht ;-)

    AntwortenLöschen
  2. Aber sowas von BÖSE !!!!
    Aber so sind halt nun mal die Frauen ! :-)

    AntwortenLöschen
  3. Ich find dich nicht böse. Nur objektiv. Jawohl :)

    Und überhaupt, wo kommen wir denn da hin, wenn du dich jetzt schon für deine Blogeinträge entschuldigst? *kopfschüttel*
    Gehts noch? ;-)

    Wie weit biste denn gestern gelaufen?

    AntwortenLöschen
  4. Nein, was für ein böses Mädchen!
    Herrlich.

    AntwortenLöschen
  5. Vor allem kann man sich diesen Menschen mithilfe Deiner Gedankengänge so richtig bildlich vorstellen:-)
    Und Du kennst doch dies Liedchen sicher "Die Gedanken sihind frei, wer kann sie erraten, sie fliegen vohorbei" usw.
    Also, schön böse weiterdenken:-)

    Gruß
    Manu

    AntwortenLöschen
  6. Vor allem kann man sich diesen Menschen mithilfe Deiner Gedankengänge so richtig bildlich vorstellen:-)
    Und Du kennst doch dies Liedchen sicher "Die Gedanken sihind frei, wer kann sie erraten, sie fliegen vohorbei" usw.
    Also, schön böse weiterdenken:-)

    Gruß
    Manu

    AntwortenLöschen
  7. Die Gedanken sind frei.............

    Gott sei Dank kann man denken, was man will , und keiner sieht es einem an, ich glaube, in meinem Kopf geht es auch manchmal ziemlich rund, aber es tut dem anderen ja nicht weh, und darum, warum nicht ??

    Wenn man so manchmal wüsste, was andere so denken ??? Lieber nicht !!

    AntwortenLöschen
  8. Offen gesagt geht's mir wie Hase (jedenfalls, wenn da keine Ironie drin war). Ich sehe die Bosheit der Gedanken nicht.

    Nr. 1 stellt fest, dass er es hätte sehen müssen, wie du unterwegs bist. Vielleicht in einem etwas schnoddrigen "Gedankenton" aber das ist erstmal nix schlimmes. Weder das zu denken noch dass jemand so "schlampig" wahrnimmt und es eben nicht sieht.

    Nr. 2 schlußfolgert aus einem vermutlich etwas derangierten Aussehen spekulativ auf eine vorangegangene alkoholisierte Nacht. Auch zulässig und nicht sonderlich böse

    Nr. 3 ist eine Frage. Sollte der Mann Tränensäcke gehabt haben, die sich am Brillenglas abzeichneten, dann eine nüchtern sachliche.

    Wo steckt jetzt die Bosheit?

    Einen etwas schalen Beigeschmack (würde ich aber auch nicht mit "böse" bezeichnen) erhielten die Punkte lediglich, wenn du aus ihnen eine Minderwertigkeit der Person (insbesondere im Vergleich zu dir selber) folgern würdest. Aber das tust du ja nicht.

    AntwortenLöschen
  9. Offen gesagt geht's mir wie Hase (jedenfalls, wenn da keine Ironie drin war). Ich sehe die Bosheit der Gedanken nicht.

    Nr. 1 stellt fest, dass er es hätte sehen müssen, wie du unterwegs bist. Vielleicht in einem etwas schnoddrigen "Gedankenton" aber das ist erstmal nix schlimmes. Weder das zu denken noch dass jemand so "schlampig" wahrnimmt und es eben nicht sieht.

    Nr. 2 schlußfolgert aus einem vermutlich etwas derangierten Aussehen spekulativ auf eine vorangegangene alkoholisierte Nacht. Auch zulässig und nicht sonderlich böse

    Nr. 3 ist eine Frage. Sollte der Mann Tränensäcke gehabt haben, die sich am Brillenglas abzeichneten, dann eine nüchtern sachliche.

    Wo steckt jetzt die Bosheit?

    Einen etwas schalen Beigeschmack (würde ich aber auch nicht mit "böse" bezeichnen) erhielten die Punkte lediglich, wenn du aus ihnen eine Minderwertigkeit der Person (insbesondere im Vergleich zu dir selber) folgern würdest. Aber das tust du ja nicht.

    AntwortenLöschen
  10. Tja Lizzy - inwieweit grenzt man nicht negativ oder positiv von sich selbst ab. Ich denke, das ist doch genau das, was man macht, wenn man Menschen in Schubladen packt. Genau das hab ich getan.

    Weiß ich, ob der Kerl nicht schwer krank ist, sich Zeit seines Lebens nie bewegen konnte, deshalb dick und aufgequollen ist und vielleicht schon seit Jahren keinen Alkohol trinkt, weil es die Medikamente nicht zulassen?

    Irgendwie ist es schon böse, Menschen abzuurteilen. Aber es ist genauso menschlich, denke ich!

    Ich kenne nur einen Menschen, der - nach eigenen Aussagen und vor allen Dingen auch nach den Taten - Menschen wirklich erstmal annimmt, ohne vorab zu urteilen oder zumindest ein Schublädchen aufzumachen.

    Ich kann das nicht!

    AntwortenLöschen
  11. Schubladen ansich sind auch nicht sofort böse, finde ich. Und "ab""urteilen" also: runterstufen ... tja ... das tut wohl tatsächlich jeder Mensch mit anderen Menschen mehr oder weniger schnell. Aber natürlich nicht jeder aufgrund derselben Kriterien. Das ist dann wieder eine Frage der persönlichen Neigung, Erziehung etc.

    Bei mir sind das eben nicht alkoholische Vorlieben oder Tränensäcke etc. sondern andere Merkmale. Aber natürlich hast du recht: auch bei mir existieren davon welche, die ziemlich flott die "widerlicheType-Schublade" bevölkern lassen.

    Hat mich jetzt glatt auf eine Idee gebracht, diese für andere vermutlich ätzend klugscheisserische Auslassung - danke dafür :o) Später (kann auch deutlich später werden) vielleicht nochmal mehr dazu.

    AntwortenLöschen
  12. Schubladen ansich sind auch nicht sofort böse, finde ich. Und "ab""urteilen" also: runterstufen ... tja ... das tut wohl tatsächlich jeder Mensch mit anderen Menschen mehr oder weniger schnell. Aber natürlich nicht jeder aufgrund derselben Kriterien. Das ist dann wieder eine Frage der persönlichen Neigung, Erziehung etc.

    Bei mir sind das eben nicht alkoholische Vorlieben oder Tränensäcke etc. sondern andere Merkmale. Aber natürlich hast du recht: auch bei mir existieren davon welche, die ziemlich flott die "widerlicheType-Schublade" bevölkern lassen.

    Hat mich jetzt glatt auf eine Idee gebracht, diese für andere vermutlich ätzend klugscheisserische Auslassung - danke dafür :o) Später (kann auch deutlich später werden) vielleicht nochmal mehr dazu.

    AntwortenLöschen