Sonntag, 23. Januar 2011

~ Kleines Paradies ~

Ich muss und darf öfters Auswärts essen. Das ist manchmal schön und manchmal nicht. Ich denke, jeder "Handlungsreisende" weiß, wie wertvoll das eigene Bett und der eigene Esstisch ist. Nun stehe ich ja mit meiner Ernährungsform vor noch anderen Herausforderungen und ich darf feststellen, dass sich die Restaurants in den meisten Fällen sehr viel Mühe geben, wenn man ihnen die Gelegenheit gibt. Ich habe sogar den Eindruck, dass man immer aufgeschlossener wird. Ob das an den Medien liegt, die nun in den letzten Monaten vermehrt über vegetarische Ernährung berichten und das - so les ich es im Moment öfters - nun "in" ist oder ob es an meiner Fragetechnik liegt, die den Restaurants hilft, das Richtige für mich zu brutzeln. Wie dem auch sei... es klappt.

Aber trotzdem ist es immer noch das Beste, wenn man ein vegetarisches oder veganes Restaurant findet und man einfach mal so von der Karte bestellen kann, ohne sich groß erklären zu müssen. Mein Trip in den letzten Tagen nach Hamburg bescherte mir die Möglichkeit, ein solches Restaurant zu probieren und mich zusätzlich noch mit einer "Gesinnungsgenossin" zu treffen.

Fast in Handreichweite meines Hotels fand ich u.a. das "Piccolo Paradiso" - ein vegetarisch ausgerichtetes Weinrestaurant - und reservierte telefonisch einen Tisch. Auf die Frage, wie ich denn auf ihr Restaurant gekommen sei (ich liebe es, wenn Menschen ihr Handwerk verstehen) antwortete ich brav, dass ich auf der Suche nach einer veganen Restaurantmöglichkeit auf sie gestoßen sei - Internet halt.

Beim Eintreffen im Lokal wurde ich auch direkt freudig mit "Ach, Sie möchten doch vegan speisen, nicht wahr?" begrüßt (ich liebe es, wenn Menschen ihr Handwerk verstehen) und man schlug uns einen gemischten Teller mit Tapas, Mezze, Antipasti an und ich bin froh, dass wir hier zugeschlagen haben. Das Handybild gibt es leider bei weitem nicht wieder. Jede Kleinigkeit für sich war toll gewürzt, man hatte immer wieder andere Geschmackserlebnisse vom Rosenkohl in Sesam über Möhren in Zimt, Kichererbsensalat, vegane Chivapchichi etc. Dazu leckerstes Sesambrot mit Aufstrich... der Chianti Riserva, den ich mir dazu ausgesucht hatte, war ebenfalls hervorragend.

Das Restaurant ist sehr gemütlich und warm eingerichtet und die Inhaber des Lokals kamen auf einen kurzen aber nicht aufdringlichen Schwatz vorabei (ich liebe es, wenn Menschen ihr Handwerk verstehen) und so war es zusammen mit der netten Begleitung ein perfekter Abend.

Die Kollegen, die ich anschließend noch in einer Pizzeria um die Ecke abholte konnte ich aufgrund des traurigen Anblicks ihres Essen nur bedauern, was ich ihnen aber wohlwissend verschwieg.

Dass ich am nächsten Morgen noch die Landungsbrücken, den Hafen und den Michel vor dem Frühstück laufend bestaunen durfte, war ein zusätzliches Geschenk und versöhnt mit der Reiserei.

Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch in Hamburg. :-))

Kommentare:

  1. Das klingt ja wirklich einladend! Da werde ich bei meinem nächsten Hamburg-Besuch mal vorbei schauen!

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  2. wie gut, dass Chianti vegan ist :-)

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  3. @Birdie... ja mach, lohnt sich.
    @Lizzy... ich weiß jetzt nicht, ob das Provokation ist oder nicht. Es kann durchaus sein, dass der Chianti noch nicht mal vegetarisch ist. Aber das ist wirklich extrem schwer rauszufinden. :-)

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  4. ähm - nein, das war keine Provokation. Das war einfach nur ein Spontangedanke hingeschrieben. Unterton des Gedanken: (wein)freundlich :)

    ich weiß jetzt nicht, wie tiefe Rückschlüsse auf das Bild, das du von mir hast, ich aus der Reaktion ziehen könnte. Wenn ich wollte. :-D

    Aber wenn ich länger drüber nachdenke: was - außer vielleicht den Hefebakterien und mit in die Kelter geratenen Tierchen sollte an Wein NICHT vegan sein?

    Und das trifft ja immer auf alle frischen (oder frisch gewesenen gewachsenen) Lebensmittel zu, dass da eine Fruchtfliege o. ä. drangepappt haben könnte. Und Hefe geht eh durch, oder? (ich gestehe: ich habe mich mit den Feinheiten des "vegan-Begriffs" noch nie auseinandergesetzt)

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  5. Schade, dass man Fotos nicht kosten kann. Ich war geneigt, am Bildschirm zu lecken umd das Erlebnis erneut zu haben. Toll beschrieben, liebe Genossin.

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  6. Du weißt ich bin ja eher der Fleischesser-aber dieser Teller ist eine klasse für sich! Den könnte sogar ich mal testen.

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  7. @Lizzy - Wein kann, wie z.B. Fruchtsäfte auch, mit Gelatine geklärt sein. Damit kann Wein u.U. noch nicht mal vegetarisch sein. Ich habe das aber nicht hinterfragt... ich dachte, Du wüsstest das und würdest deswegen nachfragen. :-)) Kannste jetzt drüber grübeln.

    @Tuepfel äh.. Genossin... Dein Bild ist viel schöner geworden.

    @Martin - defintiv eine Versuchung wert. Hmmm...

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  8. *Restaurantnotier*

    Hamburg die schönste Stadt der Welt und ja, ich liebe es auch wenn Menschen ihr Handwerk verstehen und wenn andere dies zu schätzen wissen und es weiter erzählen ... ;)

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  9. eigentlich hab' ich gegen Gelatine nix - aber im WEIN?! :-O da grübel' ich jetzt aber wirklich drüber ... klingt erstmal grauslich.

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