Samstag, 21. Juni 2014

~ 10 Jahre ~

Das wär mir früher nicht passiert, dass ich mein Laufjubiläum verschwitzt hätte. Aber vor Kurzem bei einem Kommentar vom DocRunner fiel es mir auf - 10 Jahre ist es her.

Ich hab mal geschaut, ich hab noch meine Aufzeichnungen von 2004 - so wie es damals anfing mit 2min Laufen - 1 min Gehen - nur wenige Wochen später mündete das in 25 Minuten Laufen am Stück.

Eine Menge ist seitdem passiert und ein wenig möcht ich das mal festhalten.

Wie alles anfing:

Es war auf einem Flug nach Canada als mit eine Fit for Fun inkl. eines kleinen Heftchens in die Hände fiel, das versprach, dass man innerhalb von 6 Wochen das Laufen erlernt. Zeitgleich lief ein Freund von uns Marathon und mit gefiel die akribische Vorbereitung und irgendwie das Drumherum - wir standen im Hamburg am Rand des Marathon, die Atmosphäre war unglaublich. Das gleiche für einen anderen Freund in Berlin. Dann lief die Sendung von 0 auf 42 und alles zusammen (und das Unglücklichsein über fehlende Fitness und 3 kg zu viel) führte dann dazu, dass ich Anfang März 2004 gestartet bin - erst mit einer Freundin nach der Arbeit gaaaaaanz langsam am Rhein entlang und dann - wie es für mich Erbsenzähler gehört - ganz korrekt nach Plan.

Der Ehrgeiz:

Nachdem ich dann die erste und zweite Phase des Trainingsplans durchlaufen hatte, war ich angefixt. Ein Halbmarathon war das Ziel - Hella-Halbmarathon in Hamburg 2005. Ich übertrieb das Training (s. Verletzungen) und startete trotzdem den Halbmarathon, den ich bei starker Hitze (das sollte mich bei meinen Wettkämpfen begleiten) stolz zu Ende brachte. Die erste lange Laufpause mit Shin Splint folgte prompt.

Anfänglich lief ich viel nach Plänen, alles wurde (bis heute) dokumentiert. Viele Laufbücher gelesen und auch viele Physiotherapeuten besucht. :-))

Heute hab ich meinen Ehrgeiz im Griff und das ist auch gut so. :-) Ich laufe gerne aber ich muss nicht schneller werden. Die Läufe einfach so sind das Wichtige, nicht irgendwelche Zeiten bei Wettkämpfen. 

Die Verletzungen:

Die dunkle Seite meiner Laufleidenschaft. Shin Splint - das war ich wirklich selbst schuld. Den Plan für den Halbmarathon musste ich immer überschreiten. Dehnen wurde halbherzig durchgeführt. Das Ergebnis: Shin Splint und das begleitete mich sehr lange.

Das nächste war ne ISG-Blockade und man lernt Begriffe wie Gluteus maximus oder Piriformis - ich wusste vorher nicht, dass ich sowas hab. :-)

Durch falsche Einlagen gabs dann ein wunderschönes Patella-Spitzensyndrom und die Achilles-Sehne motzte auch irgendwann. Dazu kam noch ein laufunabhängiges Morton-Neurinom (OP) und ein zwei Jahre lang unentdeckter Leistenbruch (OP).

Da ich ja auch ansonsten gerne dazu neige, eher seltene medizinische Dinge zu entwickeln, nahm ich als skurilste Läuferverletzung eine Entzündung der Membrana oturatoria - also an einer Membran in der Hüfte-  googelt doch selbst :-)

Ein Erklärung für diese ganz vielen Beschwerden fand ich, als 2009 eine bzw. zwei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse diagnostiziert wurden. Viele Patienten mit Hashimoto bzw. Morbus Basedow haben muskuläre Probleme und neigen stärker zu Entzündungen dieser. Ich hab mich damit arrangiert und möchte das Thema dann an der Stelle auch beschließen und mich der schönen Seite des Laufens widmen.

Die schönsten Läufe

Das ist wirklich schwer und ich fürchte, ich werde dem nicht gerecht werden - aber ich versuch es mal.
  • Mein erster 2 Stunden-Lauf 2004 ging in Hamburg von Blankenese aus bei klirrender Kälte und Sonnenschein an der Elbe entlang. Es waren wohl so 16-17km - damals hatte ich noch keine GPS-Uhr. Es war auf jeden Fall irre
  • Dann - wahrscheinlich auch 2004 oder 2005 - ein Lauf im Allgäu. Ich hab mich nen Berg hochgekämpft und sah dann von Oben die tolle Landschaft und war wie von Sinne, ob der Schönheit. Das war wohl das erste Runners High, an das ich mich erinnern kann.
  • Tussi&Schicksenlauf in Bonn mit dem Greenhörnchen, Hechta und anderen - leider gibt es den damaligen Blogeintrag vom Greenhörnchen nicht mehr im Netz.
  • Ein Lauf in der Toskana in Siena - ich wollte unbedingt mal am frühen Morgen die Stadt erkunden. Gesagt getan:


  • Der 6-Stunden-Lauf als Staffel in Troisdorf
  • Und natürlich die vielen Läufe am frühen Morgen bei aufgehender Sonne und am besten noch klirrender Kälte.
Ich bin an der Ost- und Westküste von Canada gelaufen (inkl. Bärenangst), ich bin in Irland, Schottland und England gelaufen, ich hab toskanische Morgenluft geschnuppert und in Barcelona den Strand besichtigt. Ich hab in Hamburg, München, Dresden, Erfurt meine Runden gedreht. Ich bin bei einem Stau von der Autobahn ab und hab die Wartezeit laufend irgendwo bei Münster begangen. Überall, wo ich über Nacht verweile, laufe ich auch, wenn es sich einrichten lässt und das ist einfach immer toll.
Die Wettkämpfe:

3 x Halbmarathon und eine Hand voll 5km oder 10km-Läufe waren es - dazu einige Firmenstaffelläufe. Ich mag die Atmosphäre. Wenn man man Start steht und runtergezählt wird, wenn sich die Massen in Verbindung setzen, die laute Musik, die Musik am Straßenrand, das Publikum. Es war immer schön. Trotzdem ist und bleibt es die Ausnahme. Meinen Ehrgeiz hab ich bei den Veranstaltungen nie im Griff und letztendlich schadet das häufig.

Das Wesentliche:

Laufen ist für mich Meditation - natürlich ist es körperliche Fitness und natürlich hilft es mir, auch im fortgeschrittenen Alter, wo die Figur mal gern etwas aus der Form gerät, einigermaßen schlank zu bleiben.

Aber im Vordergrund steht die Auswirkung auf meine Psyche. Meine Wahrnehmung ist während des Laufens geschärft, was sich - als ich entdeckte, dass es für mich gut ist, eine Kamera mitzuführen - oft in den Fotos zeigt. Ich nehme, vor allen Dingen, wenn ich alleine laufe, jeden Regenwurm wahr, der meine Spur kreuzt. Jede Blume am Wegesrand, jedes Tier, das ich sehe und jedes dieser Dinge erfreut mich dermaßen, dass jeder Lauf eine kleine Therapie des Alltags ist.

Wenn einem das Leben mal so richtig übel mitspielt, dann kann man während des Laufens so viel Szenarien durchdenken und immer ist es am Ende des Laufs besser als am Anfang. Der Stress lässt sich verarbeiten - es macht alles einfach besser. Das geht natürlich auch mit anderen Sportarten. Ich fahre auch gerne Rad - aber das Laufen ist immer noch für mich die meditativste und heilendste Sportart und das ist auch der Grund, warum ich trotz der vielen Rückschläge und langen Laufpausen immer wieder neu anfange.

Social Media oder "Was hat das Internet mit dem Laufen zu tun".

Ich weiß ja gar nicht, wie Langstreckenläufer früher überlebt haben, als sie nur auf Trainer und Ärzte angewiesen waren. ;-)

Heute hat man viele Trainer in vielen Foren. Leute, die genau wissen, was richtig ist oder Leute, die einfach von ihren Erfahrungen berichten. Es wird über andere Blogs motiviert und auf Ideen gebracht - es wird sich gegenseitig gefeiert und getröstet.

Das Wichtigste aber... was hab ich dadurch für nette Menschen getroffen. Welche Inspiration hab ich durch alle die Läufer bekommen, die ich lese und im wahren Leben getroffen hab und dann passiert es sogar, dass man Menschen noch nie getroffen hat, sie aber in schwierigen Zeiten einem virtuell so wichtige Stützen sind. Das ist interessant und eine schöne Erfahrung. Ich versuche immer, jedwede Möglichkeit zu nutzen (das geht durch meine berufliche Reisetätigkeit immer mal wieder), die Menschen auch zu treffen und hab so wunderbare Freundschaften geschlossen und so viele liebe Menschen kennen gelernt. Das ist einfach toll.

Als ich vor 10 Jahren mit dem Laufen anfing, wollte ich Sport machen und Abnehmen. Heute hab ich viel mehr bekommen als ich mir je erträumt habe. All die Verzweiflung angesichts der Verletzungen sind nix zu dem, was ich gewonnen hab.

Danke an Euch da Draußen. *schluchz*

So ein klein wenig Statistik zum Schluß:

2005: 10 km - 58 Minuten.
2005: Halbmarathon Hamburg 26.06.05 - 2:18:48 Std.
2007: 9,4km - 50:17 Minuten
2007: Halbmarathon Köln 01.09.2007 - 2:18:37 ;-)
2011: Halbmarathon Köln 04.09.2011 - 2:09:09
2013: Während der Staffel des FFM-Marathon - 10km - 57:25

Gesamt bin ich schätzungszweise 6.500km gelaufen - gibt keinen guten Schnitt in 10 Jahren, was all den Verletzungspausen zu verdanken ist. Trotzdem laufe ich mich voller Begeisterung und das ist das Wichtigste.

Kommentare:

  1. Liebe Anja,
    ***schluck***.
    Ich weiß gar nicht, was ich dazu noch sagen soll - du hast so viele Aspekte des Laufens angeführt, die ich so gut nachvollziehen kann.... Einfach schön! Danke!!

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  2. Das ist nicht nur interessant zu lesen, sondern vor allen Dingen kommt so richtig Deine Laufbegeisterung rüber. Eben nicht hetzen - sondern genießen. Ich staune vor allem, dass Du Dich nicht hast unterkriegen lassen von den verschiedenen medizinischen Scharmützeln, die Du so durchlaufen hast, Hut ab! Dein Post zeigt damit auch, wie gut es ist, dran zu bleiben und sich zu besinnen, was einem wesentlich ist: In Deinem Fall der Genuss am Laufen, an der Wahrnehmung der Umgebung, am Fotografieren, am Kontakte knüpfen. Das können Bestzeiten nicht ersetzen.
    Ach Du hast es perfekt ausgedrückt, Danke!
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Auch Dir, lieben Dank für die netten Worte.

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  3. Einfach nur schön. Danke! :-)

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    1. Bitte gerne... wenn wir uns nicht getroffen hätten, hättest Du keine Rhabarbermarmelade unterm Tisch und ich würd immer noch der Allgäu sagen. :-)

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  4. Liebe Anja,

    ich gratuliere zum Jubiläum und vieles was Du schreibst ist doch sehr typisch für eine "spät" begonnene Läuferkarriere, es kommt einem bekannt vor.
    Ich lese immer sehr gerne von den Beweggründen und v.a. der mentalen Entwicklung beim Laufen, obwohl ich es damit auch nicht übertreiben will, ich meine das Romantische und Philosophische. Du nennst es Meditation und oft genug ist es genau das.
    Auf die nächsten 10!

    Salut
    Christian

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    1. Vielen Dank, lieber Christian. Manchmal ist es tatsächlich nur Bewegung - aber oft eben auch mehr.

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  5. 10-Jähriges - ganz herzliche Glückwünsche, liebe Anja! In so vielem finde ich mich wieder, was du schreibst. Gerade das, was du als das Wesentliche am Laufen beschreibst, darf auch ich immer wieder erleben und genießen. Trotz gelegentlicher verletzungsbedingter Laufpausen und eines Auf und Abs der Laufumfänge - das mit dem Laufen und uns ist wohl ist eine Liebe für's Leben!

    Liebe Grüße,
    Anne

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    1. Danke, liebe Anne. Ja, ich glaube, wenn man einmal angefixt ist, dann verlässt es einen nicht mehr - mich zumindest nicht.

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  6. so - jetzt kann ich endlich auch meinen Senf dazugeben (vom iPad geht einfach nicht *pfü*)

    Senf:

    Frühling 2004 - das ist auch die Zeit, in der ich meine ersten Laufschritte absolviert habe. Dokumentiert habe ich damals gar nix. Also gehe ich einfach davon aus: es war derselbe Tag, an dem wir erstmals die Laufschuhe schnürten. Daher gestatte ich mir die Freiheit, deinen Beitrag dazu zu ge(oder miss?)brauchen, meinen eigenen "Bericht" dranzuhängen:

    - einiges war genauso
    - einiges war ähnlich
    - einiges war total anders

    :o)

    *Weinglas mit Saale-Unstrut-Silvaner erhebend*:

    "Auf die nächsten zehn gemeinsamen virtuellen Laufjahre in anhaltender Begeisterung"

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    1. Und darauf, liebe Lizzy, dass wir uns doch mal persönlich treffen. Ist ein ein Unding, dass das noch nie passiert ist.

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  7. Gratuliere Dir zum 10-jährigen!

    Vieles was Du schreibst, kommt mir irgendwie bekannt vor. Wie Christian schon schreibt, geht es wohl einigen so, die recht spät mit dem Laufen begonnen haben.

    Du läufst voll Begeisterung, dass ist das wichtigste! Der Schlußsatz ist die Kernaussage!

    Liebe Grüße
    Volker
    (der im Januar 10-jähriges hat ...)

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    1. Die Beweggründe, mit dem Laufen anzufangen, sind in unserem Alter wahrscheinlich immer ähnlich. Manche laufen dann extrem leistungsorientiert, manche einfach aus Genuss und manche mit Fotoapperaten. :-)

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  8. Ein schöner Rückblick! Toll, dass Du Dich von den ganzen Laufpausen micht hast unterkriegen lassen. Dann wohl mal auf die nächsten 10 Jahre! Prost!

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    1. Danke. :-) Nix... wir lassen uns doch nicht unterkriegen, oder?

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  9. Du warst der erste Laufblog den ich las und bis heute einer der wenigen den ich immer noch super gerne lese. Besonders mag ich Deine Leidenschaft und das nicht alles nur Laufen ist. Schön da Du läufst!

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    1. Danke liebe Julia. Ich freue mich sehr, dass Du so treu bist. Wahrscheinlich ist es ähnlich wie mit Deinem Blog. Ich lese jeden Eintrag (verlässlich) aber kommentiere eher selten. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie wir uns über die Füße gelaufen sind und ich wusste gar nicht, dass ich Dein erster Laufblog war. Sowas. :-)

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