Sonntag, 11. Januar 2015

~ Jetzt ist es passiert ~

Also.. ich hätte das freiwillig nicht gemacht und jetzt habt Ihr den Salat. Ich möchte nur von Anfang an sagen... ich habs nicht gewollt. Aber Markus, Markus meint, jeder könnte mal seine Stadt zeigen - also virtuelle Städtereise quasi.

Da steh ich da im kurzen Hemd. Leute, ich wohne in Leverkusen. Also zumindest postalisch... das kleine gallische Dorf, in dem mein Haus steht, weigert sich standhaft, sich so richtig zu Leverkusen zu zählen (und Ihr werdet gleich verstehen, warum das so ist) aber nun ist das nunmal die Stadt, die in meinem Pass steht - dann bekommt Ihr die.

Ich möchte aber vorwarnen. Menschen mit Neigungen zu Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen sollten an dieser Stelle meinen Blog schließen. Für irgendwelche Schäden physischer oder psychischer Natur werde ich keine Verantwortung übernehmen.

Nun.. kein Mensch baut irgendwie vom Stadtplan aus ne hässliche Stadt - das hat ja Historie.

Leverkusen ist - im Gegensatz zu den (teilweise sehr reizvollen) Stadtteilen - keine über Jahrhunderte gewachsene Stadt. Mitte des 19 Jahrhunderts gründete ein Herr Leverkus ein Chemiewerk - die Siedlung, in der seine Arbeiter wohnten, wurde Leverkusen genannt. 1930 wurde dann die neu gegründete Stadt komplett Leverkusen genannt und 1975 mit der üblichen Gebietsreform wurden dann viele kleinere Dörfer mit eingemeindet, so auch unser gallisches Dorf.

Um 1900 verlegte ein gewisser Herr Bayer dann sein Chemieunternehmen von Wuppertal nach Leverkusen (genauer gesagt in den Stadtteil Wiesdorf, der heute das Zentrum ausmacht). Ich will jetzt nicht mit zu vielen Zahlen langweilen aber rund um das sich immer weiter ausbreitende Chemiewerk entstanden Werkssiedlungen, Direktorenvillen und später natürlich auch unendlich viele Sportstätten.

Generationen von Leverkusenern arbeiten bei Bayer bzw. wie man hier sagt "Beim Bayer." In unserem Haus wohnen 14 Erwachsene, von denen arbeiten 5 beim Bayer. Eine Anstellung auf Lebenszeit und Ausbildungsstätte für Kinder und Enkel - zumindest war das früher so. Auch hier haben sich die Zeiten geändert aber die Identifikation mit dem Unternehmen ist ungebrochen hoch - ob man nun an die Werkself (auch Vizekusen genannt) glaubt oder ans Unternehmen - es gibt Leute, die das Bayer-Kreuz (also das Logo) sich in die Haut tätowieren lassen.

Und jetzt gehts los... haltet Euch fest, es wird schlimm (und lang):

Wir starten 6km von unserer Haustür weg - das Panorma der Stadt Leverkusen vom Rhein aus.


Auf der Tour kommen wir an diversen Werkstoren vorbei:


Die Stadt schlängelt sich durchs Werk oder das Werk durch die Stadt - das hier ist die Einfallstraße nach Leverkusen, die ich nehmen muss, wenn ich ins Zentrum will.



Große Bunker sind zu sehen - ich kann mir vorstellen, dass Bayer im 2. Weltkrieg Angriffsfläche war.


Auf oder vor dem Werksgelände finden sich diese roten Bayer-Fahrräder... das Gelände ist groß.



Direkt gegenüber vom Tor 6 die albanische Begegnungsstätte - klar doch, dass der Anteil an Immigranten hier hoch ist.


Und wieder ein Tor. :-)





Auf diesem Foto ist das Bayer-Kreuz zu erkennen, das nachts hell erleuchtet über die Stadt wacht und einem bereits von weitem sagt, dass man bald zu Hause ist. Die Leverkusener hängen dran - es stand mal an, dass es abgeschafft werden sollte... nein, das wurde nicht akzeptiert.


Die Ausfallstraße Richtung Köln.


Und dann biegen wir ab in den Park direkt neben dem Bayer-Gelände und wohl auch von Bayer betrieben. Hier können die Mitarbeiter mittags joggen, Spazieren gehen oder einfach mal in der Sonne liegen.


Aber überall sind die Zeichen zu erkennen.


Echte Highlights gibts auch, wie den Japanischen Garten.



Und schon wieder an den Verwaltungsgebäuden - man sieht, dass in unterschiedlichen Stilen immer wieder dazu gebaut wurde.


Und hier residieren die Chefs des Ganzen.


Wie geschrieben, entstanden Wohngebiete - hier die (wenn ich richtig informiert bin) Direktorenvillen. Die sind wirklich hübsch.




Und auch hier wieder ein Bunker, der - wie viele - nicht mehr zurückgebaut werden kann.


Jetzt nähern wir uns der Fußgängerzone von Leverkusen... man versucht es wohl etwas aufzuhübschen. :-)


In den 70/80er Jahre erbaute Einkaufspassagen verursachen tiefe Depressionen.. wir laufen schnell durch.


Rialto-Bouleveard... keine Ahnung, wer sich diesen Namen ausgedacht hat - es ist die Brücke zum Bahnhof.


Trotzdem können wir vernünftig einkaufen - vor allen Dingen Dank der vor wenigen Jahren erbaute Rathaus-Galerie.


Direkt hinter der Galerie... ja, schön ist anders.


Wir verlassen die Innenstadt und schauen noch, dass wir Euch die BayArena zeigen - dort wo die Werkself Heldentaten verbringt (oder auch nicht).


Auch hier wieder wunderbare Bauwerke - das ist die A1 ziemlich dicht hinter der maroden Autobahnbrücke Richtung Wuppertal.

    
Wir sahen schon rund um die Sportanlagen, dass heute hier viel los ist - erst in dieser Unterführung sehen wir, das wir etwas verpassen. :-) Für uns wurde das Schild nämlich nicht aufgestellt und auch nicht für den unbekannten Herrn im Hintergrund.


Zurück in der Innenstadt gehts noch durch die Werkssiedlung. Hier stehen diese hübschen Häuser - sehen aus wie Villen. Früher wohnten hier aber mehrere Familien in einem Haus - alle mit kleinem Garten und Hasenstall. Das hat wirklich Ambiente, finde ich.




Wir schließen den Lauf im Neulandpark ab, dem Gelände der ehemaligen Landesgartenschau (schön häufiger von mir gezeigt).


Am Schluss hatten wir 13,5 km auf der Uhr - ich fuhr und mein Bayer-Nachbar (na klar, wo soll er sonst arbeiten) lief noch den Rest nach Hause, um seinen Halbmarathon voll zu machen.

Eine hässliche Stadt, ein schöner Lauf. Hier die Karte dazu. Wir haben hier nicht extra die ugly destinations abgelaufen sondern ungeschminkt die Stadt gezeigt.


PS: Das übliche Schlußbild.. in Sachen LALELI... es gibt u.a. Pecannuss-Cranberry-Schoko-Kuchen. Leider geil. :-)


Kommentare:

  1. och, soooo schlimm finde ich ... den Kuchen ... gar nicht :-p

    die Leverkugel ist aber trotzdem mein Favorit :o)

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  2. Bekomm ich Asyl in Bayern? Ich spreche auch zu Hause deutsch. ;-)

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    1. bei mir bekommen Leute nicht wegen Sprache und Herkunft Asyl sondern wenn, dann weil sie nett sind - nagut, wenn's mal ganz arg wird da oben, dann bekommst du bei mir Bett und (veganes) Süppchen ;)

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  3. Eeeeeeeeeeendlich mal ein Blick nach Leverkusen
    wollte ich schon immer mal nach Leverkusen
    Danke für den Rundgang
    dann kenne ich mich schon ein wenig aus
    wenn ich demnächst nach Leverkusen reisen werde ! ;),

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    1. Ha Margitta, wenn Du jetzt noch nach Leverkusen willst, ist Dir wohl nicht zu helfen. :-) Wobei es viele hübsche Dörfer drumrum gibt... nur das Zentrum ist halt nicht so wirklich schön. :-)

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  4. Och so'n bisschen Industrieromantik hat doch was :). Schon hässlich, aber es erinnert mich doch sehr an zu Hause (wo das Urbayerwerk steht.) Danke für die Reportage.

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    1. Ja... da gibt's auch so hübsche Ecken. ;-)

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  5. Liebe Anja,
    also so eine Direktorenvilla würde ich schon nehmen. ;)
    Obwohl diese Bunker an sich ja schon auch irgendwie faszinierend sind... Wenn da nur einer so alleine in der Gegend rumstehen würde oder so. :D

    Danke für die Einblicke, da warst du ja fleißigst am fotografieren!

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    1. Ja Doris, die Direktorenvillen sind schön - auch die Arbeiterhäuser sind toll (wenn sie denn renoviert sind). Aber direkt an Tor1 vom Bayer-Werk würd ich dann auch nicht wohnen wollen.

      Und ja... und dabei hab ich noch ganz viele gelöscht - aber gelaufen sind wir auch.

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  6. Meinst du, den Gartenzwerg würde jemand vermissen? Ich steh ja auf sowas - nicht in größerer Menge, aber so als Einzelexemplar ... ;-)

    Ansonsten finde ich, dass Leverkusen durchaus seine ansprechenden Ecken hat, sowohl die Direktorenvillen als auch den Park und die Häuschen mit Fachwerkgiebel. Und ganz ehrlich: Über eine Stadt, in der ein so appetitlich aussehende (und offenbar auch noch fantastischer schmeckender) Kuchen serviert wird, will man doch eigentlich nichts Böses sagen, oder?

    Obwohl: Ich glaube, es würde mir reichen, da zum Kuchenessen hinzufahren - wohnen möchte ich doch an weniger industriell geprägten Orten.

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    1. Anne, es war der einzige Zwerg vor der Tür - der würde sicherlich vermisst. :-)

      Ich kann jeden verstehen, der in Leverkusen nicht wohnen möchte. Als ich vor vielen Jahren im Rahmen meiner Tanzerei zum ersten mal in Leverkusen war, (natürlich auf einer Gala bei Bayer :-), da war - so von der Eifler Heimat verwöhnt - mein erster Ausspruch "Hier möchte ich nie wohnen." Nun erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Aber Leverkusen hat selbstverständlich schöne Ecken und ich laufe ja schließlich hier und meine Fotos sind auch eben von Leverkusen. Aber das sind immer die äußeren Ortsteile - Leverkusen als Stadt in der Innenstadt ist genau so, wie gezeigt.

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  7. Liebe Anja,

    ich habe ja den Verdacht, dass Du mit Absicht, mehrheitlich die nicht so schönen Seiten Deiner Stadt hier zeigst ;-)
    Du kannst ja auch in die andere Richtung laufen und wir durften hier schön schönere Laufrunden bestaunen, also vergiss "Deine Stadt" :-)

    Salut
    Christian

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    1. Lieber Christian,
      da täuschst Du Dich. Wie ich gerade bei Anne schon schrieb. Leverkusen als Stadt - also die Innenstadt - ist genau so wie hier abgelichtet. Schön kann es hier auch sein aber eben nicht in der Nähe zum Bayer-Werk.
      Das Ganze hab ich auch nicht ernst gemeint und mich nach dem Zuzug hier vor 8 Jahren arrangiert. Aber darüber hinwegsehen kann ich auch nicht wirklich. :-)
      Gruß
      Anja

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  8. Ich habe wirklich vieles erwartet und schon gesehen. Aber das ist ja wohl eher keine Stadt zum Leben sondern rein zum Arbeiten.
    Wohlfühlambiente? Nicht vorhanden! (so wie es aussieht)

    Aber immerhin wohnst du nicht genau da drin sondern etwas außerhalb wo es dann hoffentlich angenehmer ist

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    1. Siehste Markus... das hast Du NICHT gewollt. :-)

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  9. Irgendwie hatte ich Leverkusen auch genauso in Erinnerung, liebe Anja.

    Ich weiß noch, dass meine Schwester damals in einem Azubi-Wohnheim von Bayer wohnte, in dem über die Zimmerdecken! geheizt wurde. Regulierung ging nur über das Fenster. Stand das den ganzen Tag auf Kipp, war nachmittags ein ausgelegter PH-Teststreifen aufs extremste verfärbt.

    Wenn die Stadt auch nicht schöner geworden ist, so hoffe ich doch, dass die Luft inzwischen sauberer ist.

    Gut, dass Du es in Deinem gallischen Dorf schöner hast. Wegen der Depressionen und so ...

    Liebe Grüße
    Volker

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  10. Liebe Anja,
    ja, so isses da wohl. Ich kenne LEV sonst nur vom Vorbeifahren per Bhn oder Auto, ein- oder zweimal war ich "drin", und hatte jedemal so den Stilmix erlebt, wie Du ihn hier darstellst. Aber so ist es nunmal in unserem land. Es gibt die schönen Flecken, und es gibt die Orte, wo das Geld verdient wird, damit wir uns die schönen Flecken leisten können...
    Danke fürs Zeigen und liebe Grüße
    Elke

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  11. Also ich mag Leverkusen. Echt. Beim dortigen 10er-Straßenlauf bin ich doch glatt mal eine 38:40 gelaufen, eine sagenhaft schnelle Strecke. Direkt beim Bayerwerk übrigens.

    Das ist allerdings schon 28 Jahre her!
    Aber ob sich in der Zeit echt was verändert hat? ;-)

    Egal. Vielen Dank für's Mitnehmen! Und als Kind des Ruhrgebiets find ich das Stadtbild gar nicht sooooo schlimm :-)

    Viele Grüße
    Lars

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    1. Hallo Lars,

      ich glaub nicht, dass sich so viel verändert hat... und ich find es immer noch schlimm. :-)
      Gruß
      Anja

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  12. Ich bin früher immer gern mit meinen Eltern zum Einkaufen nach LEV gefahren. Das weckt Erinnerungen. :) Besonders mochte ich den Brunnen, der so riesige Metallschaufeln hat, die sich mit Wasser füllen und dann kippen. Gibt's den noch?

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    1. Ich glaube, der ist dem neuen Einkaufszentrum gewichen. Wir haben echt überlegt, ich kann mich auch dunkel erinnern, wüsste aber nicht, dass er immer noch da steht. Beim nächsten Innenstadtbesuch halte ich die Augen offen.

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