Freitag, 3. April 2015

~ Die Ritter der Autobahn ~

Mal wieder beruflich unterwegs. Mal wieder Hamburg aber nur für eine Stippvisite. Meine Überlegung, das Ganze mit der Bahn zu bewältigen, lässt Sturm Niklas und das komplette Einstellen des öffentlichen Nahverkehrs im Keim ersticken.

Ich geb zu, dass mir angesichts der knapp 900 Kilometer und immer noch anhaltenden Sturms etwas mulmig ist, machen mir solche Strecken und das Auto fahren an sich aber üblicherweise nix aus. Ein Tag auf der Autobahn ist pure Erholung gegen einen Tag im Büro.

Das auf dem Kopf liegende Auto und der Schnee schon direkt im Bergischen lassen mich vorsichtig fahren. Es kommen immer noch starke Böen von der Seite und beide Hände am Lenkrad (auch wenn die Fotos das nicht suggerieren) ist nach Fahrsicherheitstraining absolute Pflicht (generell immer aber manchmal vergess ich das bei langen Strecken - nicht so vorgestern).


Im Stau kann man dann selbstverständlich ne Ausnahme machen und da sieht man auch schon am Horizont den Wechsel des Wetters - so ging es ständig. Regen, Schnee, Sonne... 


Und manchmal fährt man an Fahrzeugen vorbei und traut seinen Augen nicht. Da ist wohl eine Predigergruppe im Namen des Herrn unterwegs. Mich beschleicht bei solchen Dingen ja immer ein großes Unwohlsein. Ich hoffe, den Leuten, die da mit Jesus unterwegs sind, gehts dauerhaft gut.


Kurz vor Hamburg sehe ich schon die dunkle Wolke bedrohlich über der Stadt schweben. Als ich dann in sie reinfahre (also in die Wolke, nicht in die Stadt), kommen die Graupelkörner fast waagerecht von links angesaust - hier fährt alles nur noch im Schrittempo.


Ich fahre zeitig um 15.00 Uhr wieder los, mit dem Gedanken, dass ich dann noch vor der RushHour aus Hamburg rauskomme. Tja.. der Gedanke war gut aber Niklas machte mir auch hier eine Strich durch die Rechnung. Es war nur ein Bürohaus, bei dem sich an der Dachkonstruktion etwas gelöst hatte - deshalb war die vierspurige Querstraße gesperrt und stadtauswärts staute sich schon um die Uhrzeit alles. Ich möchte nicht wissen, was die armen Pendler nach Feierabend erlebt haben.

Die Radiosprecher überschlugen sich mit Meldungen von gesperrten Brücken und Autobahnen. Ein Umweg über die A7 war keine Alternative, so ließ ich mich also zwischen Hamburg und Bremen vom Wind freundlich mit kräftigen Stupsern von der Seite überraschen.

Das Foto hab ich eigentlich wegen der - wie ich fand - geschmacklosen Werbung gemacht. Aber die kommt hier leider gar nicht zur Geltung. Dafür aber das Wetter, das mich dann die letzten 1-2 Stunden begleitete. Links Wolken, gerade abgezogener Regen und Sonne mit starker Spiegelung auf der Fahrbahn. Unangenehm war das.


Meine Ankunftszeit in Essen, wo ich mit einem Freund zum Essen (haha) verabredet war, schob sich immer weiter nach hinten.

Knapp 900km auf dem Buckel und ein leckeres Essen später war ich dann gegen 23.00 Uhr zu Hause.

Eine Fahrt durch 10 Jahreszeiten (wenn es die denn gäbe) und glücklich, wieder wohlbehalten zu Hause angekommen zu sein. Es gibt schönere Tage, um Auto zu fahren.

Kommentare:

  1. Gut, dass du wohlbehalten durchgekommen bist!

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Anja,
    bewundernswert, dass du überhaupt gefahren bist... An solchen Tagen überkommt mich ganz automatisch der Totstell-Reflex, wenn es heißt, ich müsse auf die Straße! ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Doris,

      man kann sich ja manchen Verpflichtungen nicht entziehen. Der Termin stand seit Wochen. Sicherlich wäre es vernünftiger gewesen, daheim zu bleiben aber Tausende andere sind mit mir gleichgezogen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass es Leute von der Straße abgehalten hätte. Respekt hatte ich bei jedem LKW, an dem ich auf freier Strecke vorbei musste. Das ist ja nicht kalkulierbar, was so ne Windböe mit nem Anhänger macht.

      Löschen
  3. Also, das war sicher keine angenehme Fahrt. Gut, dass Du gesund angekommen bist!

    AntwortenLöschen
  4. Bäh, dieses 10-Jahreszeiten-in-einer-Stunde-Wetter hat sich bis gestern hier im Norden gehalten. Bin am Mittwoch und Donnerstag bei strahlendem Sonnenschein losgelaufen und klatschnass zurückgekommen. (Am Dienstag hatte ich eh Ruhetag, da wäre hier gar nichts gegangen.) Aber das alles ist mir doch lieber, als bei diesen Verhältnissen stundenlang im Auto fahren zu müssen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das waren wirklich heftige Wechsel. Bei meinem kurzen Aufenthalt in der Hansestadt wechselte es auch fortwährend zwischen Sonne und Regen.

      Löschen
  5. Boah, das ist ja schlimmer als im Krimi, aber ich muss dir schon sagen, auch ein wenig leichtsinnig, beim Fahren zu fotografieren, besonders bei diesen Witterungsverhältnissen, einer muss mit dir schimpfen - zum Glück bist du heil, gesund und munter zurückgekehrt und kannst jetzt in aller Ruhe und Muse darüber schreiben !

    Dabei ist HH soooooooooooooooooooo schön !

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Margitta,

      ich hab schon drauf gewartet, dass geschimpft wird.

      Ja... HH ist soooo schön. Ich bleib auch gern für länger da. Aber manchmal gehts nicht anders.

      Löschen
  6. Liebe Anja,
    ach Du mein Heimatland, das war ja eine Mordstour! Hoffentlich konnte Dich das Essen in Essen dann wieder etwas versöhnen.
    Bei solchen Bedingungen Autobahn fahren und dann noch solche Distanzen, das ist ja auch eine besondere Art von Konditionstraining. Ein Glück, dass alles gut ging. Und: Möge Deine nächste lange Tour entspannter verlaufen ;-)
    Liebe Grüße
    Elke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Elke,

      diese Distanzen sind in meinem beruflichen Umfeld durchaus normal und machen mir auch wenig aus. Das Wetter in der Tat schon.

      Gruß
      Anja

      Löschen
  7. Eine ganz schön spannende und anstrengende Tour hast Du da hinter Dich gebracht. Ich gehe nun einfach mal davon aus, dass Du die Kamera fest auf dem Armaturenbrett montiert hattest. Andernfalls war es nich gerade ungefährlich, diese Fotos zu schießen.

    Unabhängig davon: 900 Kilometer an einem Tag sind ganz schön heftig. War da nichts mit einer Zwischenübernachtung zu machen?

    Hauptsache, Du hast das gut überstanden!

    Liebe Grüße
    Rainer

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Rainer,

      natürlich.. und mit Sprachsteuerung der Kamera. :-) Was anderes würde ich hier nie behaupten.

      Wie ich gerade schon schrieb. Das sind bei mir durchaus übliche Distanzen. Der Tag war insofern noch entspannt, dass ich nur 4 Stunden Aufenthalt in HH hatte. Eine Anfahrt ab morgens um 5.00/6.00 Uhr- Arbeiten von 10.00 bis 17.00 Uhr und dann Heimfahrt sind auch nicht unüblich. Nicht nur für mich sondern für viele, die im vertrieblichen Umfeld unterwegs sind. Arbeitszeit = Arbeitszeit - Fahrzeit = Freizeit. Da kann man wahrlich drüber diskutieren, ob das sinnvoll ist. Wenn man mal bedenkt, was bei Brummifahrer auf die Lenk-/Arbeitszeiten geachtet wird. Da haben viele Handlungsreisende deutlich mehr auf dem Ticker.

      Aber meine Kollegen und ich machen das auch oft freiwillig. Die Faszination des Reisens geht schnell verloren - am liebsten liegt "man" halt im eigenen Bett.

      Gruß

      Anja

      Löschen
  8. 900 km an einem Tag? Bei Sturm? Jesus Christ! (Paßt zu diesem Sektenauto) Bist Du denn des Wahnsinns?

    Ein Wochen vorher geplanter Termin hin oder her. So wichtig kann das doch gar nicht sein, dass man sich so einen Horrortripp antut.

    Freut mich aber, dass alles gut gelaufen ist.

    Liebe Grüße
    Volker

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hm Volker, da bestimm ich ja nur bedingt die Wichtigkeit des Termins. Da gibts ja noch andere "Leutchens", die über mich "richten". Wenn ich mich allerdings nicht in der Lage dazu gesehen hätte oder zwischendurch gemerkt hätte, dass es nicht geht, hätte ich schon abgesagt. Ich bin ne recht sichere Autofahrerin und bin wirklich sehr konzentriert und deutlich langsamer gefahren als sonst. Angst hatte ich nur vor den LKWs, die ja wirkliche so ne Windböe nicht abfangen können. Mein kleiner SUV ist zwar auch windanfällig aber das geht noch.

      Bin heile zu Hause und merke, dass ich über die anderen Tripps, die ich so fahre, wohl besser nicht berichte. *räusper*

      Gruß

      Anja

      Löschen
  9. Mit dem letzten Satz machst Du mich natürlich neugierig !!! :-))

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Naja, rühmlich ist das alles nicht. Sondern läuft nüchtern betrachtet unter Harakiri und "et hätt noch immer joot jejange". Viel zu viel Kilometer mit viel zu viel Arbeit dazwischen oder - und das ist sicher schlimm - viel zu wenig Schlaf. Als ich mit Mitte 20 die Nase in den ersten Vertriebsjob steckte, wurde erwartet, dass man morgens um 4.00 Uhr los fährt - um 8.00 Uhr irgendwo in Erfurt auf der Baustelle steht, den ganzen Tag dort die Besichtigungen macht, um dann gegen 17.00/18.00 Uhr den Heimweg über die zum damaligen Zeitpunkt noch nicht ganz fertigen Ost-West-Autobahnen zu fahren. Und wenn man sich die Himmelsrichtigung anschaut und über die A4 Richtung Westen fährt, hat man dann abends immer die Sonne bis sie untergeht im Gesicht - das fährt sich nicht schön. Damals haben sich meine Schlafstörungen etabliert. Und da will man dem Chef ja nicht sagen, dass das zu viel ist - die alten Hasen schaffen das ja schließlich auch. Unvernünftig, unvernünftig. Aber auf dem Rücken der Mitarbeiter die Hotelkosten sparen, war da sehr beliebt. Und alle machten mit..

      Kürzlich hab ich mal gelesen, dass jemand mit einer Schilddrüsenunterfunktion ähnliche Reaktionsschwierigkeiten hat wie jemand mit über 0,8 Promille Alkohol im Blut. Auch in der Zeit dieser Probleme musste ich ja arbeiten und irgendwie durch den Tag und meine Aufgaben kommen...geh mal zum Chef und sag: Ich hab was mit der Schilddrüse, ich kann keine langen Strecken mit dem Auto fahren... da man das von Außen ja nicht erkennen kann, erklärt einen da ja jeder wahlweise für Verrückt oder einen Simulanten. In der Zeit bin ich aber auch viel mit der Bahn gefahren, weil ich das ansonsten gar nicht geschafft hätte. Da ist man froh, wenn man irgendwas schafft.

      Ich möchte nicht wissen, in welchen Zuständen Handlungsreisende oft über die Autobahn preschen. Ich halte mich trotz dem hier Beschriebenen noch für eine Besonnene und Vernünftige meiner Zunft. Vertriebler stehen ja oft unter einem hohen (Zahlen)Druck und Vergleich mit Kollegen - da will doch auch keiner Schwäche zeigen.

      Löschen
    2. Ohje, Dein Job würde mich umbringen :-(

      Löschen