Samstag, 13. Juni 2015

~ Dickes B an der Spree ~

Wenn ich an Berlin denke, dann denke ich an Schmutz, an Lautstärke, an Schrippen, an Subkultur und an öffentlichen Nahverkehr. In erster Linie denke ich nicht an die Prachtbauten, Prachtalleen und Reichtum - das gibts dort aber auch, zu Genüge.

Aber mich zieht es mehr zu den Erstgenannten Dingen - warum? Weil sie Berlin ausmachen? Ich weiß es nicht. Wer also von mir und von Berlin schöne Fotos erwartet... niente...

Wenn ich nach Berlin komme, fühle ich mich zu Hause. Das hab ich ansonsten nur noch in Hamburg. Es mag daran liegen, dass mein Bester hier 1,5 Jahre gearbeitet hat und wir viele Wochenenden gemeinsam Berlin erkunden konnten. Es mag aber auch an der Stadt oder an den Menschen an sich liegen. Die Mischung der Kulturen, die Berliner Schnodderschnauze, das Unperfekte, die Gegensätze.

Und was machen wir, wenn wir in Berlin ankommen?

Klar, Kölsch trinken. Das oder die StäV sind für uns ein Muss bei jedem Berlin-Besuch und verbindet für mich etwas mit meiner beruflichen Vergangenheit in Bonn. Ich habe seinerzeit, als der Berlin-Beschluss fiel, in Bonn gearbeitet und wir waren mehr als aufgeregt und später enttäuscht ob der Entscheidung. Ob sie richtig war? Für Berlin ganz sicher.


Und hier passiert mir ein vegan/vegetarischer Fauxpas, der mir in den über 6 Jahren nicht passiert ist. Ich bestelle einen Flammkuchen mit dem Bewusstsein, dass der "nur" vegetarisch ist und übersehe, dass darauf auch Salami angekündigt wird. Da steh ich da im kurzen Hemd. Das Gericht, dass ich ja so bestellt hab, zurückgehen lassen, geht gegen meine innerste Überzeugung. Fleisch essen natürlich auch. So pule ich die sichtbaren Salamistücke von dem Flammkuchen aber ich merke anhand des ausgetretenen Fettes, was ich dann ja doch esse, dass Fleisch essen dermaßen salzig ist. Noch am nächsten Morgen hab ich Durst und ich möchte arg betonen, dass es kein Nachdurst ist. Also echt.. ich kann gut auf Fleisch verzichten und generell auch auf alle anderen tierischen Produkte

Ein kleiner Spaziergang durchs Brandenburger Tor und an den Stelen vorbei zum Potsdamer Platz und wir haben die Touri-Orte von Berlin begrüßt.


Da mein Bester und ich über ein unterschiedliches Schlafverhalten verfügen, nutze ich die Zeit für einen morgendlichen Spaziergang in Lauflänge und starte um kurz nach 6.00 Uhr ins morgendliche Berlin.



Im Biomarkt Brötchen geholt und gestärkt für die Stadtwanderung durch Friedrichshain. Wer der Sache kundig ist weiß, dass genau hier das vegane El Dorado liegt..aber vor dem Essen liegt bekanntlich die Arbeit.


DDR-Prachtarchitektur.


Und zu diesem Foto muss man eigentlich die Hintergründe kennen. Hier "ruht" einer der angesagtesten Techno-Clubs - das Gelände mutet recht marode an - genau das ist es wohl, was die Techno-Freaks anzieht. Schön find ich es, aber der Musik konnte ich noch nie was abgewinnen - dafür aber Rosen an abgehalfterten Gebäuden.


DDR-Architektur... hübsch, oder?




Gestärkt gehts weiter. Die Eastside-Galery darf man natürlich nicht verfehlen... zu viele Leute hier.


Und hier wieder das, was ich an Berlin mag - ein altes Fabrikgelände mit Clubs, Kletterarealen, Biergarten, Möbelverkauf (alte Möbel natürlich) und der Basis für Hot Rods - aber das folgt später.



Und endlich gibts für mich ein Süppchen beim Hot Dog Soup.. kennen und lieben wir seit Jahren.


Was Süsses für Zwischendurch - vegan natürlich. Man muss ja auch andere Cafés besuchen und schauen, was die so zaubern. Ich muss wohl noch was üben, wobei es geschmacklich leider enttäuschend war.


Direkt am Boxhagener Platz - hier würd ich wohnen wollen.. oder doch lieber in Kreuzberg?


Mit 11,5 Kilometern Stadtwanderung und meiner frühmorgendlichen Wanderung hab ich über 20km auf dem Ticker. Das merk ich in den Beinen und wir fallen nach einem hervorragenden Abendessen früh ins Bett.

Und ich dann am nächsten Morgen wieder früh auf den Weg.




Tempelhofer Feld ist dann heute unser gemeinsamen Ziel, das wollte ich schon immer mal sehen. Was für ein Ausmaß - irre und der Planet brennt.



Das muss zwingend mit einer (veganen) Currywurst belohnt werden. Bergmann Curry in Kreuzberg ist der Anbieter... soooo lecker. Kreuzberg im übrigen ein tolles Viertel - Markthalle mit ganz viel Angeboten an hochwertigen Lebensmitteln, schöne Cafés, schöne Restaurants, schöne kleine Läden - hier würd ich mich wohl fühlen.


Da die Temperaturen steigen und ich dann einen quengeligen Besten an meiner Seite hab, bietet sich für den nächsten Tag die Tour mit den Hot Rods an, die wir zufällig in Friedrichshain entdeckt haben. 2 Stunden fahren wir mit einem Guide die üblichen Sehenswürdigkeiten ab und sind die Attraktion für die Touristen. Das macht Laune, ist aber auch anstrengend. Die Lenkung extrem direkt, keine Federung und so manche Bodenwelle gibt die Stöße direkt in die Bandscheibe weiter... aber nix passiert. Nicht besser und nicht schlechter als vorher. Aber die Laune stieg ins Unermessliche. Fast hätte ich Herrn Tretin am Bundestag umgefahren aber ich konnte noch zeitig am Zebrastreifen anhalten.


Diesmal in Hotdog im Hot Dog Soup und chillig an der Spree sitzen - ein Spaziergang durch Kreuzberg...


.. und ein leckeres, leckeres Abendessen in Leib und Seele. Genau wie im Hot Dog Soup werden hier omnivore und vegane Gerichte angeboten und dass ist für uns perfekt. Das Essen super lecker, der Service nett und unkompliziert und wir konnte an den kleinen Tischen schön im Außenbereich sitzen - auch hier werde ich wieder hinkommen.



Den Abschluss unserer Reise macht einen kleinen Abstecher nach Potsdam. Nur einmal durchs Holländische Viertel laufen, die Nase in die kleinen Läden stecken und in der Sonne ein Mittagsmahl genießen.


Berlin war mal wieder eine Reise wert und irgendwie hab ich da wohl immer noch nen Koffer stehen.

Kommentare:

  1. Liebe Anja,

    Berlin ist tatsächlich immer eine Reise wert - in großartigen Bildern hast du die Eindrücke eingefangen, auch, aber nicht nur abseits touristischer Hotspots. Ach ja, ich freu mich schon auf November da komm ich wieder hin.

    Viele Grüße,
    Anne

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    1. Liebe Anne,

      lieben Dank. Die touristischen Hotspots hab ich vornehmlich bei meinen Morgenspaziergängen erkundet. Das Brandenburger Tor um 7.00 Uhr, so ganz ohne Touristen oder die Stelen ohne spielende Jugendliche - das hat einen ganz anderen Charme. Aber zum zweiten Mal hab ich um die Uhrzeit frustriert vor einem geschlossenen Starbucks gestanden. Ich sollte mir das mal merken. ;-)

      Gruß
      Anja

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  2. Liebe Anja,
    danke für die "anderen" Bilder aus Berlin.
    Ich glaube, dafür muss man die Stadt schon ein wenig kennen und/oder so wie du, das geschulte Auge einer Fotografin haben! So gefällt mir Berlin sehr gut! :)
    Und die Kilometer, die du (zu Fuß) zurückgelegt hast, stehen einem Wanderwochenende ja in nichts nach! :)

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    1. Liebe Doris,

      wir haben seinerzeit die Stadt mit Stadtwanderungen erkundet. Da gab es von der Berliner Zeitung Touren durch "Das dipolomatische Berlin" - vorbei an all den neuen und interessanten Botschaften. Oder durch "Das rote Berlin" - vorbei am sozialistischen Hintergrund. Oder "Das grüne Berlin" - Friedrichshagen mit Müggesee usw. usw.... so haben wir wirklich viele Stadtteile kennen gelernt. Diesmal haben wir uns Friedrichshain auch mittels eines "Wander"führers erneut erarbeitet. Kennen wir zwar schon haben aber auch wieder neue Ecken entdeckt. Hach... ich könnt sofort wieder hin. :-)

      Gruß
      Anja

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  3. Liebe Anja, das macht Lust, auch mal wieder nach Berlin zu fahren, machst du das eigentlich extra ??? Dazu noch dieses tolle Wetter, das hat schon was, du hast mich auf eine Idee gebracht, aber ich warte, bis es wieder ein wenig kühler wird !!

    Potsdam hat mir auch sehr gut gefallen !! Danke fürs Mitnehmen - trotzdem !!! ;)

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    1. Liebe Margitta,

      also bezahlt werde ich dafür nicht. ;-) Wir haben mit der Tour bzw. der Buchung des Appartments bis 12 Stunden vor Abfahrt gewartet, um zu checken, dass es nicht zu warm wird. So ging es ganz gut. Der letzte Tag war dann schon grenzwertig aber wir dann auch auf dem Heimweg.

      Und gerne.. trotzdem. :-)

      Gruß
      Anja

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  4. Flammkuchen mit Salami? Geht ja gar nicht - da gehören doch Schinkenwürfel drauf! ;o)

    Obwohl ich nie einen "Besten" in Berlin hatte und statt mit Koffer meist - selten, vielleicht 15 oder 16 Tage meines Lebens insgesamt, aufgeteilt in 6 Besuche über 35 Jahre - mit Rucksack dort unterwegs bin: Berlin find ikke ooch juut. Und tatsächlich ist - gefragt, was einer Großstadtbanausin ausgerechnet an Berlin gefällt - das vielfältig kunterbunte und meist unkompliziert-schnörkellose Essen einer der genannten Punkte.

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    1. Ja Lizzy, beim klassischen Flammkuchen gehört Speck drauf - aber ich hab ja den italienischen gewählt.. nunja.

      Und zu dem schnörkellosen Essen gibts so viele Restaurants mit Außengastronomie. Das unterscheidet Berlin extrem von Köln. Berlin (wie auch Hamburg) sind mit breiteren Straßen versehen, die bieten Platz für Autoverkehr, Parkreihen und Sitzplätze von den Restaurants. In Köln ist das alles so schmal beieinander, dass noch nicht mal ein Stuhl für Raucher passt. Und bei so nem Wetter geht ja auch alles nach Draußen... hach. Schön!

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    2. "italienischer Flammkuchen" ist ja irgendwie ein ... ich musste jetzt ein bisschen nach dem Fachbegriff kramen im Hirn .. ich glaube, es war das Oxymoron?

      Und die breiten Straßen, der Platz dadurch, die Außengastronomie ... das alles kommt dann bei mir in der Argumentation auch immer so vor *s* Und von München unterscheidet das Berlin noch viel stärker. Wenn auf München ein Adjektiv passt, dann ist es "eng". Außengastronomie erschöpft sich weitgehend in Biergärten. Wobei ich gegen Biergärten als solche gar nichts habe - es ist nur nicht das, was mich an gastronomischer "Legerness" (gibt's das?) anspricht. Das trifft Berlin deutlich besser mit dem kulturellen Durcheinander.

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    3. Ach, schau an. Ich hätte München jetzt doch mehr Weite attestiert. Wann warst Du das letzte mal in Köln? :-)

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  5. Feine Bilder, die mir wieder Lust machen auf eine Reise :)
    Letztes Jahr im September war ich zum ersten, aber sicher nicht zum letzten Mal! Für meine nächste Reise werd ich mir deinen Bericht in Evidenz halten.

    Hach.... :)

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    1. "in Evidenz halten" - welch schönes Wort. Hach. :-)

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  6. Tolle Bilder!

    Finde es übrigens gut, dass du keine militante Veganerin bist, sondern eben doch ißt was auf den Tisch kommt. Vor allem wenn du es bestellt hast. Dumm gelaufen, aber ich finde das gehört sich so!

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    1. Mir kommt halt zugute, dass ich mich vor Fleisch nicht ekle. Ich will es nicht mehr essen und die Hintergründe bzgl. FleischPRODUKTION find ich wirklich, wirklich schlimm. Aber Lebensmittel wegwerfen, find ich auch gar fürchterlich. Wobei ich nichts essen würde, bei dem ich das Fleisch an sich mitessen müsste - das geht nicht aber. Aber schön war es auch nicht. Der Gaumen entwöhnt sich dieser starken Würze mit den Jahren sehr.

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  7. Liebe Anja,
    lach, nach Berlin zum Kölsch-Trinken! Aber ansonsten, ach wie werde ich wehmütig. Ich fahre immer wieder gern nach Berlin und genieße wie Du dieses spezielle Ambiente dort. du hast es richtig schön eingefangen mit Deinen Bildern!
    So eine Hot-Rod-Tour kannte ich noch gar nicht, scheint Spaß zu machen!
    Und dann noch Potsdam?! Du lässt aber auch nichts aus, nu werd' ich mal ganz neidisch...
    Dennoch liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke,

      das Leben ist doch bekanntlich zu kurz für halbe Sachen, oder?

      Ja, Berlin ist immer eine Reise wert. Aber das Ambiente im StäV mit den aus vielen Ecken erkennbar heimatlichen Klängen hat auch irgendwie was.

      Gruß
      Anja

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  8. Liebe Anja,

    wieder mal sehr schöne Fotos. Nach Berlin würde gerne mal wieder hinfahren.

    Die Fabriksgelände und die dort befindliche Kultur haben es mir auch immer sehr angetan, sowie all die kleinen schmuddeligen, kuriosen und etwas anderen Ecken. Gut eingefangen!

    Herzlichen Gruß!

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    1. Hallo Nido,

      die Strecke ist natürlich für Dich etwas weiter zum Besuch. Aber ansonsten ja wirklich immer ne Reise wert.

      Gruß
      Anja

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  9. Liebe Anja,

    wir haben die gleichen Metropolvorlieben. Hamburg und Berlin. Inzwischen tue ich mich mit der Rangfolge etwas schwer. Hamburg liegt nicht mehr meilenweit vorne.

    Die Freiflächen des Flughafen Tempelhof habe ich auch schon erkundet, echt irre, hoffentlich kann das weitestgehend so erhalten bleiben.

    Wer nach Jahren bei Ausversehenfleischessen gleich Salami isst, darf sich allerdings über den salzigen Eindruck nicht wundern.

    Schöne Impressionen der Stadt. Da wächst meine Vorfreude, da wir das erste Juli-Wochenende in Berlin sein werden.

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,

      ich muss hier ausdrücklich betonen, dass ich keine Salami gegessen hab - es reichte das ausgetretene Fett auf dem Flammkuchen. Ich ess doch KEIN Fleisch... ok, macht eigentlich keinen Unterschied aber trotzdem. :-)

      Ja, Hamburg und Berlin... schön. Ich hoffe, mein Köln hat Dir auch ein klein wenig gefallen auch wenn es mit den beiden anderen Städten architektonisch (mit Ausnahme des Doms natürlich) nicht mithalten kann.

      Und überhaupt, warum ist Dein Bericht noch nicht online. :-)
      Anja

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    2. Dein Köln hat auch sein eigenes Flair mit Rheinpromenade und entspannten Leuten :-D

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