Mittwoch, 24. Juni 2015

~ Einfach nur ankreuzen ~

Da ich davon ausgehe - schon rein statistisch -, dass meine meisten Leser hier (auch die, die nicht Kommentieren und gerne einfach mal eine Huhu hinterlassen dürfen) keine Veganer sind, möchte ich an dieser Stelle sagen, dass der folgende Beitrag nicht persönlich zu nehmen ist.

Personen und Handlung sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Ich mag weder Veganer- noch Omnivoren-Bashing und mein Leben als Veganerin ist ja meist total normal. In den Anfangszeiten war das mitnichten so und Personen meiner Umgebung, die sich erst kürzlich zu einer veganen Ernährung entschlossen haben - also quasi Neuveganer (an deren Entscheidung ich ausdrücklich unschuldig bin) - sind immer wohl noch diesen meist ungewollten Fragen- und Antwortspielen unterworfen.

Und bevor hier jemand den Witz bringt: "Woran erkennt man einen Veganer? Er wird es einem sagen." Ja, der ist bekannt und ja, die Leute gibt es. Die letzten 6 Jahre hab ich auf dem veganen Weg eine Menge wunderbarer Menschen getroffen, die wenigsten davon haben das Sendungsbewusstsein, das man der großen Masse unterstellt. Ja klar.. ich thematisiere das ja auch zwischendurch. Aber es ist ein Teil meines Lebens und so lange ich Rezepte poste und meine Umwelt nicht mit (wirklich fürchterlichen) Tierqualfotos oder -videos konfrontiere, möchte ich auch nicht ungefragt mit Omnivorweisheiten belatschert werden und das passiert halt eben von der Seite deutlich mehr ungefragt als anders herum. Ich schwöre beim Leben meines Räuchertofus.

Heute postet mir mein liebster Neffe einen Link auf die Seite des Artgenossen hierzu und ich muss schallend lachen.

Bisher hab ich ja immer Veganer-Bingo empfohlen, wenn sich ein Veganer unwohl vor irgendwelchen Familienfesten fühlte - aber das ist auch eine schöne Form.


Darauf koche ich mir eine schnelle Pfanne mit frischer Rote Bete, Drillingen (nein, das sind Kartoffeln), Rote-Bete-Blättern und Kokosmilch - wenig Zutaten, sehr lecker.



Lacht mit mir und fragt die Veganer gerne die Frage, welche Produkte sie essen - die Frage find ich nämlich gar nicht doof. Auf dem Weg hab ich herausgefunden, dass Portugiese keine Erdmandeln kennen - dabei sind die in Spanien Gang und Gäbe. Sowas.

Kommentare:

  1. Das nette Blatt habe ich auch schon gesehen und mich herzhaft amüsiert. So herzhaft wie ich mich auch gerne mal über vegane Speißen hermache. Zwar selten, aber ich finde, immerhin!

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    1. Das ist köstlich - sowohl das Blatt als auch die veganen Speisen - natürlich nicht alle aber viele und auf jeden Fall, wenn ich sie koche.. hihihi...

      Es gibt viele interessierte Omnivore und das find ich toll.

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  2. Omnivore ist schon ein saublödes Wort, oder?

    Ansonsten dachte ich, das Thema als solches ist lange durch. Nicht?

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    1. Fleischesser klingt aber auch irgendwie doof. Allesesser? Tsss...

      Thema ist für mich meist durch - aber für Neuveganer scheinbar nicht. So höre ich ... Der Unterschied zu 2009 ist, dass man das Wort sagen kann und die meisten wissen, was das bedeutet und man nicht automatisch als Freak dasteht. Trotzdem passiert wohl noch genau das, was auf dem Zettel zu sehen ist.

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    2. Egal - ich habe nie Bedarf nach so einer Bezeichnung. Brauchte ich, glaube ich, noch nie *überleg* ...

      Dass das immer noch ein Thema ist, liegt vermutlich daran, dass alles ein Thema ist, das entweder ein bisschen kompliziert daherkommt oder aufgebauscht wird. Ich habe einen Arbeitskollegen, der ekelt sich vor gekochtem Gemüse in jeder Form (gibt's eine Bezeichnung für nicht-Gemüse-Esser?). Er pokelt also in der Kantine aus allem, was er sich an Essen auswählt, noch das kleinste Fitzelchen Gemüse - sofern nicht roh, das isst er - raus und lässt es liegen. Das ist ständig Thema. Es fällt auf, es wirkt pedantisch, es ist ungewöhnlich und man kann nunmal kaum ein Gericht hierzulande essen - außer Pommes-Currywurst o.ä. - in dem sich nicht irgendwas an weichem Gemüse versteckt. Also wird er wieder und wieder damit aufgezogen, erklärt auch gerne selber, wie, wann, warum das so ist etc.
      Die Vegetarier der - wechselnden und nicht ganz fest gefügten - Essensgehgemeinschaft (ich gehöre derzeit nich dazu - bin gerade auf nicht-Kantinentrip) sind kein Thema. Wüsste ich jedenfalls nicht.

      Ein Zeitarbeitskraft-Mitarbeiter hat mal, als er neu war und gefragt wurde, ob er mit in die Kantine geht, sehr deutlich gesagt, er stünde nicht so auf Kantinenessen weil er aus ethischen Gründen kein Fleisch isst. Hat keiner weiter drauf reagiert ausser mit: "ahso - also kommst du nicht mit?" - Nur ich habe ihm erklärt, dass es mehrere vegatarisch lebende Kantinengänger gibt und täglich ein fleischloses Gericht - zudem ein Salatbuffet und eine recht ansehnliche Beilagenauswahl. Habe dann zum Schluss gefragt, ob er "nur" Vegetarier ist oder Veganer ... da war er dann etwas geplättet ... wir übten uns dann zu dritt ein Weilchen im Mitbringen veganer Lasagnen - nach einer Woche dann schwenkte der ethisch begründete Vegetarier auf "ach, ab und zu esse ich doch Fleisch und heute gab's so leckeren Schweinebraten" um - wiederum war ich die einzige, die davon Kenntnis nahm, indem ich ein - zugegeben etwas höhnisch angefärbtes "na, das war ja mal ein kurzes Vergnügen mit dem Vegetarierdasein - und dann auch gleich das tolle Fleisch aus Billig-Qualaufzucht." zum besten gab. Ich weiß ja nicht, ob das hier in meinem bayrischen Behördenumfeld so untypisch ist. Aber das interessiert wirklich kaum jemanden, was einer isst oder nicht. Solange er nicht ständig nörgelnd noch das kleinste Gemüsefitzelchen aus den Gerichten pult *narg* ;)

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    3. Oh doch, das sorgt immer noch für Aufregung. Eine Kollegin von mir, die sich vor ein paar Monaten für die vegane Ernährung entschieden hat, hat mir häufig ihr Herz ausgeschüttet. Auf der Arbeit war das jetzt kein großes Thema mehr, da hab ich ja schon mal den Weg geebnet. Aber im privaten Umfeld (Eltern, Freunde) war das wohl recht kritisch. Naja, da kann ich zumindest mit Rat zur Seite stehen.

      Am besten haben aber meine Eltern damals reagiert und damit hätt ich echt nicht gerechnet. Scheinbar haben die nach all den Jahren so ein Urvertrauen in ihre Tochter, dass das schon gut sein muss, was ich da mache. Sie fragten mal kurz, ob ich so alle Nährstoffe bekomme und als ich das bejahte, war es gut. Mein Vater kredenzt mir seitdem fejahne (das spricht man in der Eifel mit einem scharfen "V" wie Vogel) Gerichte - total putzig.

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  3. Typisch deutsch, für alles gibt es Formulare. Ich rege mich lieber individuell auf! :-))))

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,

      dabei könnte Aufregen an der Stelle doch so einfach sein. Tsss...

      Gruß
      Anja

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  4. Hihihihi - irgendwie erinnert mich das an die "graue Vorzeit". Ich bin 1988 Vegetarierin geworden und die Fragen/Sprüche/Aussagen kommen mir soooo bekannt vor! :D
    Aber, sie wurden weniger und die Speisenauswahl in Durchschnittswirtshäusern stieg von 2 (geb. Champignon und Gemüseplatte [gerne mit Speckbohnen verziert]) ins Unermessliche!
    Man sieht: gut Ding braucht Weile! :)

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    1. Liebe Doris,

      siehst und das find ich so komisch. Ich war ja nun 40 Jahre lang Allesesserin - zwar immer mit wenig Fleisch und die letzten Jahre auch nur noch Bio (s. letzte Zeile des Formulares). Und wenn mit ein Vegetarier begegnete, dann war das für mich einfach eine Auskunft. Ich hab das nie hinterfragt sondern einfach geschaut (falls ich Gastgeber war), dass der Vegetarier kein Fleisch bekommt. Es gibt halt Moslems, die essen kein Schwein, dann eben Vegetarier, die essen kein Fleisch und meine Freundin Ulla mag keine grünen Bohnen. Mehr war das für mich nicht. Als ich dann selbst feststellte, dass vegetarisches oder veganes Essen zu einem Politikum oder Streitpunkt werden kann,war ich mehr als erstaunt. Ich lasse etwas weg und hoffe, damit weniger Elend auf der Welt zu verursachen und werde dafür angegriffen. Die Person, die mich angreift hat aber durch mein Verhalten gar keinen Nachteil. Das fand ich spannend und doof zugleich. Psychologie muss man dafür studieren.

      Nun ja, die Zeiten sind auch rum. Aber letzte Woche gemeinsam mit dem Portugiesen beim Essen hatte meine Kollegin nichts besseres zu tun als das allen zu erzählen und schwupps war es (aber nett) Gesprächsstoff für den ganzen Abend und für den nächsten Tag. Dabei versuche ich das gerade im beruflichen Umfeld einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Jaja.. Speckbohnen auf dem Gemüse.. aber sind doch nur ein paar Doris, da muss Du Dich nicht so aufregen. :-)

      hihi.. ja, gut Ding braucht Weile und wenn man sieht, was in den letzten 6 Jahren passiert ist, ist das schon ziemlich irre.

      Gruß
      Anja

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  5. Ja, das Formular ist wirklich witzig! Ich kann da lachen.
    Seit ich meine Ernährung wenn auch in eine andere Richtung sehr radikal verändert habe, höre ich ähnliche Fragen auch und kann sozusgen besser mitfühlen.
    :)

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    1. Liebe Mandy,

      vielleicht magst Du bei Gelegenheit mal sagen, was es bei Dir ist - interessiert mich natürlich. Soja findest Du doof, das hab ich schon heraus gefunden. :-)

      Vielleicht gibt es ja auch dafür ein Bingo o.ä. Lachen hilft immer.

      Gruß
      Anja

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  6. Liebe Anja,
    hab mich sehr über das Formular amüsiert!
    Ansonsten: Soll doch jeder essen, was er mag oder nicht mag, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Begrüßen würde ich aber, wenn Veganismus (oder heißt das Veganertum) sich ausweiten würde. Und für die, die tierische Produkte essen, die Lieferanten wenigstens vorher ein würdiges Dasein hätten.
    Neulich fuhr ich länger hinter einem LKW her. Auf dessen Rückseite prangte ein großer Kuhkopf und die Schrift "Mein Leben vor dem Tod ist die Hölle". Mir war richtig schlecht.
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke,

      ja, jeder soll für sich selbst entscheiden können. Durch die Industrialisierung der Tier"produktion" ist Essen leider aber eben keine Privatsache mehr sondern mal ganz ab vom Elend der Tiere eben ein riesiges Umweltproblem. Von daher bin ich froh, wenn sich das Thema mitten in der Gesellschaft etabliert und viele anfangen, ihr Verhalten zu verändern. Wenn wir vom täglichen Fleisch"genuss" wegkämen, wäre schon viel gewonnen.

      Ich hasse mittlerweile die Fahrten durch Niedersachsen - früher war ich ein harter Hund, was sowas anging. Als Metzgersnichte hab ich schon als Kind Schlachtungen beigewohnt und das war für mich normal. Heute kann ich kaum an einem Tiertransporter vorbei ohne, dass mir die Tränen in die Augen steigen. Ich bin sensibler geworden - aber generell halt im Leben. Dafür musste ich ein wenig von meiner Schutzhülle einbüßen.

      Gruß
      Anja

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  7. Sehr schöner "Konter" für nervige und intolerante Vegan-Gegner!

    Was mich angeht: Ich bin bekennende Fleischliebhaberin, finde Sojaprodukte grauenhaft und hab meinen Lebensunterhalt von der Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter mit dem massenhaften Tod von Schweinen und Rindern bestritten. Das Formular brauch ich trotzdem nicht ... ebenso wenig wie jeden Tag Fleisch. ;-)

    Liebe Grüße,
    Anne

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    1. Liebe Anne,

      wahrscheinlich hat das auch was mit dem Selbstbewusstsein zu tun. Vor mir muss sich keiner rechtfertigen, was er/sie isst. Aber das scheint ein Reflex zu sein, wenn ich mich als Veganerin oute. Es gibt Menschen wie Du, die sich klar äußern und das find ich ja auch völlig ok. Meine Aufgabe ist es in keinem Fall, andere Menschen zu missionieren.

      Wenn aber wie ein Reflex die Aussage kommt: Aber ich lass mir mein Fleisch nicht verbieten und überhaupt, Ihr Veganer könnt die Welt auch nicht retten, dann zieh ich mich schnell ich mein Schneckenhäuschen zurück und warte, bis die Luft rein ist. :-)

      Es gibt nur einen Aspekt, bei dem ich schon mal andere Menschen anspreche - das ist bei Krankheiten. Ich habs ja an mir selbst erlebt, dass eine nicht in den Griff zu bekommende Urtikaria möglicherweise durch den Verzicht auf Milchprodukte weg ging. Sowohl der Heilpraktiker als auch die Hautärztin hatten mir geraten, Milchprodukte für eine Weile aus dem Portfolio zu streichen. Boah, was hab ich mich schwer getan, wollte ich doch nicht auf meinen Milchkaffee verzichten. Muss ich auch nicht. Gott sei Dank mag ich Sojaprodukte und eben auch Sojamilch aber Alternativen gibt es genug. Dann erzähl ich schon mal davon und rate, es einfach mal ein paar Wochen auszuprobieren. So schwer ist es nämlich nicht. Ich behaupte nicht, dass Fleisch generell ungesund ist. Ich denke, in Maßen ist es sogar gesund. Aber Milch halte ich persönlich nach all meinen Erkenntnissen wirklich für viele Leute und vor allen Dingen in den Massen, die wir es nach der Industrialisierung konsumieren, als ungesundes Lebensmittel.

      So... was wollte ich eigentlich sagen? :-) Ja... manchmal missioniere ich dann doch aber eben individuell und will dann nur sagen, dass ein paar Wochen Milchverzicht sich lohnen, um mal zu probieren, ob man wahlweise von Hautproblemen, Allergien oder Magen-Darmproblemen wegkommen kann.

      Puh... :-)

      Anja

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