Samstag, 11. Juli 2015

~ Na endlich ~

Endlich wieder Wandern, endlich wieder Bewegung.

Samstag früh, 7.00 Uhr, Köln-Porz, Kölnpfad.

Mit leichtem Gepäck aber auf jedem Fall einem Frühstück starte ich an der Groov - Ihr erinnert Euch an den Schwan (den großen zum Treten?). Zwei kleinere Exemplare stechen weiß aus dem dunklen Grün hervor.


Es wird hauptsächlich am Rhein lang gehen. Ich treffe auf die ersten frühen Vögel. Ältere Herren mit ihren kleinen Hunden. Die riechen komisch, die älteren Herren. Ob es ein Alte-Herren-Parfum gibt? Ich meine jetzt nicht, dass sie ungepflegt riechen - sondern eben nach alte Herren. Ich schaue demnächst mal in einer Parfumerie vorbei und befragte die gut geschminkten Damen danach.

Einer dieser Duftträger spricht mich an als er sieht, dass ich fotografiere und fragt mich: "Sollichse knipsen?" Kurzer Ausflug ins Rheinische: Fotografieren sagt man hier nicht, Knipsen ist das Wort dafür. Bei dem Soll geht die Zunge gebogen unter die obere Zahnreihe, so dass der rheinische Singsang entsteht. Die Worte "Soll ich Sie.." werden im Prinzip in einem gesprochen. Also... listen and repeat: "Sollichse knipsen?" The Queen ist amused. Ich verneine im übrigen und lasse den Herren weiter mit seinem Hund spielen.

Die Brombeeren treiben wie wild aus. Hier hat jemand versucht, dem Ganzen Herr zu werden, so dass die Rheinpromenade gefahrlos begangen werden kann. Anne, warst Du hier auch unterwegs?

Die Sträucher hängen voll mit Früchten. Ich freue mich schon auf die Ernte. Brombeermarmelade.


Und immer wieder öffnet sich der Blick auf den mächtigen Fluss, der nun von der frühen Sonne angestrahlt wird.


Auf dem Weg komme ich an zahlreichen Balkonen vorbei und bestaune die gartenbaulichen Tätigkeiten, die hier mancherorts an den Tag gelegt werden. Und immer wieder Buddha-Figuren. Buddha-Figuren auf Balkonen scheint ziemlich trendig zu sein.

Das Rascheln unter meinen Füßen irritiert mich für einen Moment. Ob der Baum erkältet ist oder schlicht zu wenig Wasser bekommt - es ist Herbststimmung, mitten im Sommer.


Die Angler am Fluss liegen noch in ihren Zelten. Ich vermute bei dem Anblick immer, dass das Angeln an sich nebensächlich ist. Mit anderen Männern in grünen Zelten liegen und so etwas wie Abenteuer spüren, das ist es doch eher, oder?


Jetzt wirds aber Zeit fürs Frühstück mit kleiner Rast an einem Stück Strand. Heute nachmittag sicherlich wieder gefüllt von Sonnenhungrigen.. schwimmt nicht zu weit raus und passt gut auf die Kids auf.


Hochwassermarken - immer wieder faszinierend. An die beiden Hochwasser kann ich mich gut erinnern. Die letzten wirklich großen hier am Rhein. Die Vorstellung, dass der Rhein, der jetzt sicherlich 2-3 Meter unter mir ans Ufer schlägt hier oberhalb meines Kopfes gestanden haben soll, ist faszinierend wie erschreckend.


Und dann entdecke ich wieder etwas Neues in meiner Stadt. Obwohl ich nur ca. 2 Kilometer Luftlinie von hier gearbeitet hab, wusste ich das nicht. die Westhovener Aue. Ein Naturschutzgebiet und eine Überflutungsfläche. Aber eben früher ein Teil eines Militärübungsgebietes.

Die Kornblumen stört das nicht.



Aber große Schilder weisen auf die Gefahren hin - hier sieht man die Panzerstrecken. Interessant.


Es nähert sich die Rodenkirchener Brücke. Nee Quatsch, die bleibt ja, wo sie ist, ich nähere mich der Rodenkirchener Brücke. Und während ich mich an der Regenbogenfahne am Dauercampingplatz erfreue, bemerke ich an manchen Stellen wildes Treiben. Ach ja.. heute sind Kölner Lichter. Das größte Höhenfeuerwerk von wasweiß ich.. aber auf jeden Fall in jedem Jahr ein riesen Spektakel. Ich habs noch nie gesehen. Für meinen Geschmack etwas zu viele Menschen auf einem Fleck.


Hier wird die Rheinseite gewechselt. Ich wackle mit den rüberfahrenden Autos und Lkws auf der Autobahnbrücke mit im Takt.


Auf der anderen Seite in Rodenkirchen ist die Etappe 11 (die letzte des Rheinsteigs aber da ich ja mittendrin losmarschiert bin, nicht meine letzte) zu Ende aber ich nehme direkt einen Part der Etappe 1 unter die Füße. Schließlich hab ich a) einen Plan und b) eine Notwendigkeit, wieder an mein Auto zu kommen.

Dass der Kölnpfad 11 Etappen hat, ist sicherlich kein Zufall. Alles, was irgendwie in Köln wichtig ist, hat mit der 11 zu tun. 11.11., die 11 Artikel des Kölschen Grundgesetzes, die 11.000 Jungfrauen und die 11 Spieler auf dem Feld des 1. FC Köln. :-)

Die Alte Liebe putzt sich auch für heute Abend heraus.


Die Drei hier (die 3. Person ist nicht ersichtlich) haben schon mal vorgefeiert und schlafen noch ihren Rausch des Vorabends aus.


Und während ich mein absolutes Lieblingshaus in Köln "knipse", sehe ich aus den Augenwinkeln einen Mann in Jeansrock.

Das würde mich in Köln und überhaupt eigentlich nicht irritieren. Irritiert bin ich, weil der Mann eher vom Typ Bauarbeiter (und damit meine ich nicht den von den Village Peoplen - sondern so einen ganz klassischen Mitvierziger Bauarbeiter) daher kommt und seine Beine eher die Marke kräftige Stempel als wohlgeformte Haxen tragen.

Ich hätt ihn fragen sollen - und es sah gar nicht schlecht aus nur eben ungewohnt.

Aber zurück zum Haus - es ist zum einen nicht verkäuflich und zum anderen wäre es sicherlich unbezahlbar. Rheinlage in Rodenkirchen und Bauhaus aus den 50igern vollständig renoviert (vermute ich zumindest, weil es in Reihe mit anderen Bauhaus-Häusern steht). Ich bin schon häufig dran vorbei gegangen und wenn ich ein Haus liebe, dann ist es das.


Der FC verblasst so langsam. Es wird Zeit für die neue Spielsession.. pardon... saison. Aber bald ist es ja so weit.


Der Rodenkirchener Campingplatz ist bis auf den letzten Platz belegt - Kölner Lichter, ich erwähnte es. Das ganz Rheinufer steht jetzt auf jedem erdenklichen Parkplatz voller Wohnmobile.

Aber hier ist es noch ruhig. Ein etwas verblasster Minigolfplatz (analog zum FC-Plakat) strahlt schon eine besondere Atmosphäre aus.


Und dann verschlingen mich wieder Wald und Felder - unglaublich, DAS ist Köln.



Und das Ende meiner Wanderung kommt in Sicht und somit für Euch auch das Ende der Photo-Love-Story. Hier wohnt der Fährmann der Personen- und Fahrradfähre Krokodil. Ganz sicher gehört er zu den Kölner Originalen.


Und hier kommt er auch schon angefahren und fährt mich exklusiv auf die andere Rheinseite. Wir tauschen uns noch über die Sinnhaftigkeit oder eben Unsinnigkeit von Feuerwerken aus und schon bin ich am Ziel.


Hier wartet er wieder auf mich, der große weiße Schwan, die wunderschöne Groov und das zweite Frühstück, bevor ich mich mit meinem spießergrauen Automobil wieder den Rhein abwärts Richtung Heimat begebe. 15km waren es gesamt. Und nun genieße ich den Sommer auf dem Balkon.


Kommentare:

  1. Stimmungsvolle Bilder, liebe Anja! 15 genussvolle km im Sack - da kann das Faulenzen auf dem Balkon ja kommen. Bötchen fahren mag ich immer sehr, und wenn's nur ein paar Minuten auf der Fähre sind.

    Viele Grüße,
    Anne

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    1. Bötchen fahren ist immer wie Urlaub - ich liebe ja auch hier unsere Fähre vor Ort und komme seitdem ich hier wohne ja häufiger in den Genuss.

      Das Krokodil ist aber auch noch was Besonderes. Der Fährmann, der auf dem Schiff neben der Anlegestelle wohnt, irgendwie kauzig, aber schön kauzig. Love it.

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  2. NA ENDLICH !


    Warum kommt mir das so bekannt vor ?
    Weil es hätte auch von meinen Lippen kommen können.
    ENDLICH wieder raus
    SEHEN
    HÖREN
    FÜHLEN
    FOTOGRAFIEREN
    GENIESSEN

    Wie gut, dass du das kannst
    dass wir das können
    und was du wieder alles mitgebracht hast !


    Sag' einer
    es geht uns nicht gut
    auch wenn es uns manchmal nicht gut geht !

    Schön, dass du soviel Freude daran hast - so wie ich auch - nur in anderer Umgebung .

    Schöne Grüße an dich von der Ostsee und von mir natüüüüüüüüüüürlich !

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    1. Ach Margitta,

      ich bin so froh, dass ich genießen kann. Und es wird auch immer besser mit dem Alter. Eine meiner Gedanken ging heute beim Wandern zum Alter und das jetzt irgendwie die 5 davor nicht mehr weit ist und dass auch das keinen Schrecken bei mir auslöst, wie all die anderen runden Geburtstage auch nicht. Und irgendwie dachte ich, wie schade es doch ist, sich mit solch trüben Gedanken zu belasten - über etwas, das man doch eh nicht aufhalten und ändern kann. Also die Zeit qualitativ so gut nutzen wie es geht und das ohne Druck. Und dafür braucht man mitunter einfach nur ein paar gute Schuhe und eine Lauf-/Wanderstrecke.

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  3. Liebe Anja,
    wieder eine schöne Tour am großen Fluss und in seiner unmittelbaren Umgebung! Die Kölner Lichter habe ich mal vor langen Jahren gesehen, als man noch nicht plattgetrampelt wurde. Heute schrecken mich auch die Menschenmassen ab, obwohl es sicher sehr schön ist.
    Und irgendwie erste Anzeichen von Herbstlaub habe ich gestern auch bemerkt. Aber hoffen wir, dass das noch ein wenig dauert.
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke,

      ich bin vor einigen Jahren mal morgens mit dem Rad nach den Kölner Lichtern die Altstadt erkunden, das war recht witzig. Wir planen das für morgen früh, um Fotos zu machen. Mal schauen, ob das klappt.

      Herbst? Nee, auch wenn ich es nicht so warm mag aber der kann noch ein wenig warten.

      Gruß
      Anja

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  4. Liebe Anja,
    faszinierend, was du immer so alles erlebst! Faszinierend, dass das Köln ist! Die Kornblumen haben recht, die wachsen einfach wo sie können... :)
    Und der Jeansrock-Mann... ein moderner Schotte vielleicht? ;D

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    1. Liebe Doris,

      man muss doch nur vor die Tür gehen, dann erlebt man viel, oder?

      Ja, der Jeansrock-Mann. Ich kann mir keinen Reim drauf machen. War im übrigen ein kurzer, gerade geschnittener Rock. Hätte aus meinem Kleiderschrank sein können. Hmmm...

      Anja

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  5. Liebe Anja,

    ich glaube ältere Herren riechen nach "Tabak original", das ist so ein klassischer Duft aus alten Zeten, habe ich mir sagen lassen ;-)

    Einmal klugscheißen muß ich auch noch: Die blauen Blumen sind keine Kornblumen, allerdings weiß ich nicht wie die heißen.

    Ansonsten muß ich sagen, dass de Kölnpfad ein schönes Wandergebiet darstellt und Ausblicke aufs Wasser liebe ich insbesondere immer wieder.

    Schön, dass Du Dir diese 15 km erwandern konntest.

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,

      ich muss mir in der Parfümerie mal ne Nase Tabak holen und prüfen, ob es das ist.

      Bzgl. Kornblumen - Frau Mohr hatte mich auf FB auch schon korrigiert - s. Lizzys Eintrag. Ich bin echt nicht bewandert, was Flora und Fauna angeht. Aber schön find ich sie. :-)

      Gruß
      Anja

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  6. Dritter Versuch - jetzt minimalistisch: die Blumen sind Wegwarten (sie warten da am Weg auf ihren "Prinzen", die dummen Dinger ;) und der Duft könnte auch Old "Schweisss" gewesen sein. Macht wohl neuerdings auf "jung", ist aber ein klassischer "Altherrenduft", nach dem früher ziemlich viele müffelten.

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    1. Liebe Lizzy, wolltest Du mir wirklich Fenistil verlinken? Old Spice... ja stimmt, da war was. Und Danke für die Wegwarten. Ich lerne immer wieder dazu.

      Gruß
      Anja

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    2. komisch - bei mir war das die werbung von Old Spice *grübel* - aber ich gestehe, dass ich nach zwei gefressenen Kommentaren (einer gestern, einer heute) keinen Bock mehr auf Prüfung des Beitrags hatte. Ist irgendwas schief gegangen - dabei war die "OldSpice"-Werbung wirklich extrem schräg ;)

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  7. Endlich wieder - wunderbar! Deine Wanderungen und die Berichte darüber gefallen mir seeehr gut. Was es so alles zu sehen und zu riechen gibt unterwegs - herrlich!
    Liebe Grüße
    Bianca

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    1. Danke, Bianca, das freut mich. Ja, zu riechen gibts ne Menge.. eben waren wir wieder unterwegs. Das gabs Gerüche, die will man auf gar keinen Fall haben - aber dazu im nächsten Blogeintrag.
      Gruß
      Anja

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