Samstag, 14. November 2015

~ Schades of brown ~

Oder wie einem braune Scheiße den Tag verhageln kann.

Vorsicht: Destruktiver Beitrag!

Eine desaströse Attentatserie erschüttert Paris und damit die Welt. Wieder eine so unverständliche Tat von fanatischen Gottesanhängern.

Und prompt blitzen auf Facebook fröhlich geteilte Bildchen auf, die die derzeitige Flüchtlingssituation mit Attentaten in Verbindung bringen. Das wär ja das gleiche, als wenn die Deutschen, die in Krisenjahren nach Amerika oder Australien ausgewandert sind, dort mal sofort Konzentrationslager gebaut hätten. Watt für ein verf... Mist bringt einen zu solchen Gedanken?

Aber es kommt noch besser.

Wir fahren in meiner geliebten Domstadt in der Bahn, steigen ein, auf der einen Seite sitzen 3 Frauen mit Kopftüchern. Dieses Bild ist seit Jahrzenten in Köln so normal wie die Fleischwurst in der Metzgerstheke. Köln halt - schön halt.

Kaum hab ich in der Bahn den Stehplatz erwischt, höre ich hinter mir im breitesten Kölner Dialekt Sätze wie "Schau Dir das Pack da an, die all unser Geld bekommen. Schau Dir die Grazien mit ihren Kopftüchern an. Die sind schuld an all dem Mist." Dreh mich rum - ein Ehepaar jenseits der 80 lässt diesen braunen Mist aus ihren faltigen Mündern.

Naiv, wie ich bin, denke ich, dass ich mit Worten etwas erreichen kann und verbitte mir solche rassistischen Äußerungen. Als das Gezetere des älteren Ehepaares noch größer wird, versuche ich es mit Verbündung. Ich sage: "Wir sind doch Kölner, wir sind doch tolerant." Woraufhin sie sich Toleranz verbitten, darauf hinweisen, dass sie reinrassige Deutsche sind. Ich kann gar nicht wieder geben, welcher Mist hier weiter rausgehauen wurden. Ich versuche es mit "Sie haben doch den Krieg miterlebt, es kann doch nicht sein, dass sie die gleiche Richtung gehen." Alles nützt natürlich nichts. man würde Hitler wählen, der arme Kerl wär das doch gar nicht gewesen und noch viel schlimmer.

Als mein Bester und ich weiter gegen hielten, wurde ich als durchgeficktes Huhn und Hure, die mit DENEN durch die Betten rutscht, bezeichnet. Ich hätte solche Wörter bei dem Jahrgang gar nicht vermutet. Die ganze Situation ging 3-4 Haltestellen lang.

Die 3 Frauen mit Kopftuch taten so, als ob sie nichts mitbekommen. Sicher die beste Reaktion.

Im Nachhinein sind mir noch viele Dinge eingefallen, die ich hätte sagen können. Ich war und bin so schockiert, ob der Situation. Es ist, als ob die Dinge, die im Moment bei uns im Land passieren, den versteckten Nazis nun den Mund öffnen, sie sich trauen, ihre braunen Gedanken durch die mürbe Rübe aus dem fauligen Mund zu bringen. Es kann Zufall sein, dass ich das erleben musste aber ich glaube es nicht.

Als wir aus der Bahn waren, war ich den Tränen nahe, so wütend und tief getroffen war ich. Mehr, als den Mund aufzumachen, haben wir wohl nicht tun können. Aber es macht mir furchtbar Angst. Was, wenn da 2 dunkel gekleidete, junge, starke Männer gesessen hätten anstatt des älteren Ehepaares. Hätten wir in gleicher Weise den Mund aufgemacht? Hilfe von Mitreisenden kann man ja nicht erwarten. Ich hoffe, ich täte es.

Aufstehen, laut werden und signalisieren, dass man das in keiner Weise toleriert und akzeptiert und dass es falsch ist, oder? Ich werde noch lange drüber nachdenken.

Kommentare:

  1. Ich sitze hier schon wieder den Tränen nahe, wie den ganzen Tag schon.
    Ich weiß gar nicht, was "man" machen kann oder soll...nur dass man nicht NICHTS machen kann und darf. Ihr habt alles richtig gemacht. Auch wenn ihr bei diesem hasserfüllten Paar nix erreicht habt, habt ihr die Menschlichkeit vertreten.

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    1. Mein Gedanke war anschließend - wenn die 3 Damen mit den Kopftüchern die Hasstiraden verstanden haben (und warum sollten sie nicht, es war laut genug), wissen sie zumindest, dass so ein brauner Mist von den "anderen" nicht akzeptiert wird. Hach, ich bin immer noch völlig fertig.

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  2. Liebe Anja,
    das ist ja ... ekelig, widerlich, schlimm! Richtig, dass Du etwas gesagt hast. Dein Gedanke, was wäre, wenn dort 2 junge Männer (eventuell noch mit maximal reduziertem Haupthaar) so geredet hätten, den teile ich leider auch. Da hätte ich wohl Angst gehabt. Aber so, wie solche Leute den Mund auftun, muss man dagegen halten. Und vor allem, wie sie gegen Dich geredet haben, nee, widerwärtig...
    Bleib wie Du bist und sag was Du denkst!
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke,

      ich hab echt fast 46 Jahre geglaubt, dass es so etwas in Deutschland nicht mehr geben wird. Ein paar versprengte Neonazis, ok. Aber so viel Hass, so viel unterschwelliger oder direkter Rassismus. Das hab ich uns Deutschen nicht zugetraut. Es macht mich so wütend und traurig und fassungslos. Und ich schäme mich so für das, was da den Menschen, die hier vielleicht schon sehr lange leben oder gerade Schutz suchen, angetan wird. Schlimm, schlimm.....

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  3. Liebe Anja,

    seit gestern abend bin ich aufgewühlt, frustriert, wütend, den Tränen nah. Weil diesem ganzen Elend der verblendeten Fanatikern einfach nicht beizukommen ist. Das gilt für islamistische Idioten genauso wie für das braune Gesocks und alles was es da noch gibt.

    Und das wir uns vor Hass alle an die Gurgel gehen, ist das Ziel dieser "Menschen" Diese Saat könnte aufgehen. Es gibt Tage wie diese da könnte man den Glauben an die Menschheit verlieren.

    Danke, dass Du den Mund aufgemacht hast, das ist ein Zeichen und sei es auch noch so klein!

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Es gab in den 80ern in Köln ja das legendäre Arsch huh Zäng ussenander (Arsch hoch, Zähne auseinander)-Konzert auf dem Chlodwigplatz. Hier heißt es:

      Wie wöhr et wenn du dämm Blaumann jetz sähs,
      dat du Rassistesprüch janit verdrähs?
      Wenn du en vüür dä Lück blamiers,
      endämm du'n einfach oplaufe löhß?
      Un övverhaup: wemmer selver jet däät,
      wemmer die Zäng ens ussenander kräät?
      Wenn mir dä Arsch nit huh krieje,
      ess et eines Daachs zu spät.

      Ich habe oft und oft beim Hören des Liedes gedacht, ob ich es mache - Arsch hoch, Mund auf! Ansonsten ist es eines Tages zu spät. Es gibt ja Gott sei Dank viele Leute, die das machen. Wir müssen das alle gemeinsam tun, immer wieder, immer wieder. Wenn wir zusammen kochen (um hier mal einen positiven Aspekt rein zu bekommen) erzähle ich mal eine andere unglaubliche Geschichte bzgl. Nazis. Auch hier haben wir alle den Mund aufgemacht und das hatte die richtigen Konsequenzen. Es geht, wenn man es tut und gemeinsam macht.

      Aber noch mal.. ich hoffe, ich traue mich das auch, wenn bedrohlichere Leute als alte Nazi-Säcke (sorry, heute ist Contenance nicht angesagt) vor mir stehen.

      Verzweifelte Grüße in den Norden
      Anja

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  4. Liebe Anja,

    auch ich sitze hier und bin schockiert, ratlos und wütend! Wütend auf die islamistischen Deppen, die dem braunen Pack Munition lifern. Und wütend auf die achsobesorgtenundbraven deutschen MitbürgerInnen, deren Abgründe unter solchen Bedingungen sich öffnen. Abgründe, die tiefer sind als all das, was ich je befürchtet habe. Und ich weiß einfach nicht mehr weiter - den Mund aufmachen, ja, das würde ich auch tun. Aber ich weiß spontan nicht, was ich tun würde und ob ich überhaupt irgendetwas "Richtiges" tun könnte, wenn dieses Mund-Aufmachen zur Eskalation führt. Dass wir alle zunehmend in einem Klima der Angst leben, sei es die vor dem islamistischen Terror oder die vor dem rechten Mob, ist einfach nur entsetzlich. Und mir fällt kein Mittel dagegen ein.

    Danke, dass du so viel Courage bewiesen hast. Vielleicht geht deine Saat später doch noch auf - manchmal soll es ja vorkommen, dass auch solche Menschen wie deine Gegenüber im Nachhinein noch zur Besinnung kommen und sich klar machen, welchen geistigen Unrat sie da von sich gegeben haben.

    Liebe Grüße,
    Anne
    Anne

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    1. Liebe Anne,

      wir haben heute (noch vor dem Vorfall) heftig diskutiert, was in den Menschen vorgeht. Was bewegt junge Menschen dazu, sich selbst in die Luft zu sprengen. Was bewegt erwachsene (und durchaus auch intelligente) Menschen dazu, rassistische Wege zu gehen. Es gibt bestimmt psychologische Hintergründe dafür aber vielleicht muss man einfach auch nicht alles verstehen können. Gruselige Zeiten.

      Die Saat wird bei den alten Leuten sicherlich nicht aufgehen aber vielleicht bei allen, die um uns rum standen. Vielleicht sind sie die nächsten, die den Mund in einer ähnlichen Situation aufmachen. Wenn das passiert und wenn sich die 3 kopfbetuchten Frauen etwas beschützt gefühlt haben, dann hab ich mein Ziel erreicht.

      Ich merke, dass ich - nach einer ansonsten sowieso für mich extrem aufregenden Woche (neuen Vertrag unterschrieben, Job gekündigt) - gerade echt die Pumpe geht, weil ich mich so aufrege. Ich bekomm mich überhaupt nicht in den Griff. Das ist unüblich für mich. Aber es geht ja auch gar nicht um mich. Es geht um viele, viele Menschen, die unschuldig sterben - ob bei Anschlägen, bei Fahrten übers Wasser oder bei braunen Attentaten. In welcher Welt treten 15jährige Jugendliche eine schwarze hochschwangere Frau krankenhausreif und das wird kommentiert mit "man muss auch mal Verständnis für die Ängste der Bevölkerung haben." Was muss man? Nix muss man! Ich weiß gar nicht, wie viel Pest in solchen Leuten an den Hals wünschen soll.

      Boah.. reg ich mich auf.

      Anja

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  5. Liebe Anne,
    soviel Hass macht mich sprachlos.
    Ich bin froh, dass du es nicht warst. Ich glaube den Mund aufzumachen und dagegen zu reden ist wichtiger, denn je. Nicht, dass ich glaube, irgendjemanden von seiner "Gesinnung" abbringen zu können. Aber um deutlich zu machen, dass man nicht ihrer Meinung ist und sie auch nicht gewillt ist zu tolerieren.

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    1. Ha.. Anne.. ;-)

      und ja, ansonsten absolute Zustimmung. :-)

      Gruß
      Anja

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    2. Manno - immer diese vielen unterschiedlichen Namen ;D - könnten wir uns nicht mal auf einen weiblichen und einen männlichen Namen für ALLE Blogger einigen, dann hätte zumindest diese verwechslungsanfällige Sache ein Ende!!!!! :D

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  6. Liebe Anja,

    es macht einen einfach nur sprachlos und auch ratlos...leider sind es nicht nur die "Braunen" in der Nachbarschaft, sondern auch die konservativen Politiker, die braunes Gedankengut in einer solchen Situation schüren...ich bin einfach nur traurig.
    Schade, dass Du so etwas erleben musstest :-(

    Salut

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    1. Lieber Christian,

      ach, es geht ja gar nicht um mich. Dass es das gibt, dass ist schade, traurig, dumm und schlimm. Ob mich so ein alter Nazi als durchgeficktes Huhn bezeichnet (war im übrigen das erste mal in meinem Leben, dass man mich so auf niedrigem Niveau beschimpft hat), berührt mich ja gar nicht. Mich berührt, dass hier Menschen im Land Angst haben müssen. Schlimm.
      Gruß
      Anja

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  7. Es sind Situationen wie diese, die du erlebt hast und leider noch viel mehr, was mich fortlaufen lässt, um Ruhe zu finden, um zeitweise zu vergessen, aber es holt uns/mich wieder ein, wenn man zu Hause ist.

    Liebe Anja,

    es macht traurig, Unrecht, Fremdenhass, Töten miterleben zu müssen.

    In deiner Situation hätte ich auch nicht stillhalten können, wir müssen zeigen, wenn wir Unrecht an anderen Menschen erleben. Danke !

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    1. Ja, das müssen wir. Da ich es jetzt einmal erlebt hab, hab ich mir Strategien für ein nächstes mal zurecht gelegt. Ich glaube, man muss alle anderen drumherum mit aktivieren. Wie wäre es, wenn alle in der Bahn in Buh-Rufe verfallen - so was kann man provozieren. Das würde zwar immer noch nicht deren Gedankengut ändern aber es wäre ein Bloßstellung und es würde mehr Menschen aktivieren. Da wir ja gegen gehalten haben, sah sich sonst keiner in der Notwendigkeit, es zu tun. Wir hätten als Menge Menschen mehr machen können.

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  8. Oh Mann Anja, das ist ja echt heftig. Ich finde es so unendlich TOLL und bewundernswert, wie du dagegengehalten hast. Klasse! Ich muss ehrlich zugeben, dass ich noch nie wirklich - direkt oder auch indirekt - mit so einem braunen Mist konfrontiert war (in welcher heilen Welt lebe ich eigentlich?) ... Ich hoffe, ich hätte die Courage, so zu reagieren wie du. Du bist super.

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    1. Lieber Hase,

      indirekt war ich schon häufiger damit konfrontiert und nicht immer hab ich den Mund aufgemacht. Aber es geht einfach nicht mehr und man kann nicht zusehen, wie öffentlich Leute angegangen werden. Neee.. geht nicht. Du würdest sicherlich ähnlich reagieren.

      Gruß
      Anja

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  9. Weghören und nichts machen ist die schlechteste Alternative. Auch wenn es hier nichts bewirkt hat und du fassungslos zurück geblieben bist: Du hast richtig gehandelt!

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    1. Ja, das stimmt wohl. Es gibt keine Alternative.

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  10. Liebe Anja
    Wenn Du die Alten auch nicht bekehren konntest hast bestimmt den Einen oder Andern zum Nachdenken und vieleicht auch zum Handeln gebracht.
    Wir haben im Freundeskreis leider auch so Verwirrte und trotz vieler Worte sind sie nicht zu belehren.Ich glaube beim nächsten negativen Dialog müssen wir uns von Ihnen trennen.( Sind in unserem gemeinsamen Altwerden immer hilfsbereit und freundschaftlich gewesen )
    Papa

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    1. Ja Vater, ich denke, ich weiß, wen Du meinst. Es ergibt nun wirklich keinen Sinn, sich die Freizeit damit rumzuschlagen, egal, wie lange man sich kennt. Wahrscheinlich werdet Ihr nichts erreichen aber ein Zeichen setzen. Ihr habt mich mit diesen Werten erzogen, es ist nur konsequent, wenn Ihr denen auch folgt.

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  11. Liebe Anja,

    es ist schon sehr erschreckend, wenn man so etwas erleben muss. Ich denke ich hätte genauso reagiert wie Du, mir wäre danach genauso viel eingefallen, was ich hätte sagen können/sollen und ich wäre danach genauso wütend und traurig!

    Deine Reaktion war das einzig richtige was man in so einer Situation machen kann! Aufstehen, laut werden und signalisieren, dass man sowas nicht akzeptiert!!

    Liebe Grüße Anna

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    1. Liebe Anna,

      ja, es ist auf jeden Fall richtig. Aber es lässt mich einfach nicht los. Nicht, weil mir so etwas begegnet ist sondern einfach, weil es auf einmal so klar vor mir steht.

      Keine schönen Zeiten.

      Gruß
      Anja

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  12. Ja! Auf jeden Fall aufstehen und dagegen halten! Danke für deinen Mut!!! Es ist wirklich unfassbar was da in manchen Köpfen los ist und ich glaube das es wichtig ist, so etwas nicht zu tolerieren weil Schweigen auch Zustimmung bedeuten kann.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende für Dich

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  13. Schlimm, was Du da erleben musstest! Und ganz toll, wie Du Dich verhalten hast. Bei so etwas kann ich auch nicht gut ruhig bleiben. Ob ich allerdings auch soviel Mut hätte, wenn eine Gruppe junger Männer sich so verhalten würde - ich weiß es wirklich nicht. Wahrscheinlich nicht...

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